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Extremsport

09.10.2019

Noch extremer: So bezwingt ein Oberbernbacher die Atacama-Wüste

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Unwegsames Gelände, wie hier dieses vertrocknete und steinharte Lehmboden, galt es für Viktor Reger zu bewältigen. Der Oberbernbacher lief 250 Kilometer durch die Atacama-Wüste in Chile. Für den 39-Jährigen war es nicht der erste Mararthon dieser Art.
Bild: Viktor Reger

Plus Viktor Reger legt in Chile rund 250 Kilometer in sieben Tagen zurück. Wie der 39-Jährige trotz schwieriger Umstände sein Ziel erreicht und was er alles erlebt.

Leicht feucht waren Viktor Regers Augen im Ziel dann doch. Nach 250 Kilometern in sieben Tagen bekam der Ultraläufer endlich seine Medaille umgehängt. Der Obernbernbacher beendete den Wüstenmarathon durch die Atacama-Wüste in Chile erfolgreich. Erschöpft aber glücklich fiel er seinen Leidensgenossen in die Arme.

Sportlich gesehen befand sich Reger im Mittelfeld des 88 Personen starken Teilnehmerfeldes. 44 Stunden benötigte der selbstständige Schreiner insgesamt. „Ich bin absolut zufrieden. Es lief sehr gut, obwohl der Marathon härter war, als der zuvor.“ Vor vier Monaten lief Reger die gleiche Distanz durch die Sahara in Marokko. „Die Umgebung war viel anstrengender. Es ging ständig bergauf und bergab, außerdem ist es wirklich unangenehm durch einen ausgetrockneten Salzsee zu laufen. Ich kann auch gar nicht sagen, wie viele Flüsse wir durchqueren mussten – einige.“ Hinzu kam die Belastung in der Höhenluft: Die Etappen lagen alle zwischen 2200 und 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Trotz Vorbereitung in den Schweizer Alpen eine Tortur für Reger: „Das war schon extrem. Die Power fehlt einfach. Daran muss man sich erst gewöhnen.“ Ab dem vierten Tag hatte sich Reger dann an die neue Umgebung angepasst. Zuvor hatte der 39-Jährige aber noch ein anderes Problem: „Ich habe mich gleich am ersten Tag erkältet. Ich hatte starke Halsschmerzen.“ Aufgeben kam für den Oberbernbacher aber nicht infrage: „Wenn du so viel Aufwand betreibst, steigst du nicht aus - das war keine Option, obwohl es natürlich nicht sehr sinnvoll ist, mit einer Erkältung einen Marathon zu laufen.“ Doch wie schon in der Sahara biss sich Reger durch.

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Extremsport: So kämpft sich Viktor Reger durch die Atacama-Wüste
Bild: Viktor Reger

Wüstenmarathon: Damit hat Viktor Reger zu kämpfen

Am Ende war der 39-Jährige auch noch fast doppelt so schnell wie in Marokko. Sein Geheimnis: „Ich bin gelaufen, was ging. In der Sahara bin ich viel gegangen, aber dann kommt es einem ewig vor. Je mehr du läufst, desto besser fühlst du dich und du kommst früher an und hast mehr Zeit zum Regenieren.“ Und noch etwas war entscheidend. Reger: „Ich war auf jeden Fall besser vorbereitet, bin auch im Training schon mit Rucksack gelaufen und habe mir nicht so viel Druck gemacht.“ Genießen wollte der Oberbernbacher die 250 Kilometer, was ihm zum Großteil gelang: „Tatsächlich bin ich oft stehen geblieben und mich umgesehen. In der Sahara war es wirklich eine Qual, jetzt konnte ich die Landschaft wirklich genießen.“ Über Flüsse, Dünen, ausgetrocknete Salzseen sowie Stein- und Lehmwüsten ging es vor dem Panorama von 6000 Meter hohen Vulkanen voran. Meter für Meter, Hindernis für Hindernis. Da konnte auch die nächtliche Kälte dem Oberbernbacher nicht die Laune verderben: „Es war wirklich kalt. In der ersten Nacht habe ich unter freiem Himmel geschlafen, weil ich kaum Luft bekommen habe. Das war ein Fehler, aber ansonsten ging es.“ Sogar die Etappe über 80 Kilometer am vorletzten Tag überstand der Oberbernbacher schadlos. Rund 14 Stunden benötigte er, vier Monate zuvor waren es noch 27 Stunden. „So konnte ich auch fast alle Passagen mit Tageslicht laufen. In der Nacht sieht man erstens schlechter und es wird kalt, bis zu null Grad.“

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Der Oberbernbacher Viktor Reger lief 250 Kilometer durch die Atacam-Wüste in Chile.
Bild: Viktor Reger

Extremläufe: Das plant Viktor Reger 2020

Im Ziel wurde es für Reger und seine Mitstreiter dennoch emotional. „Es fällt einfach viel von einem ab“, erklärt der 39-Jährige, der schon die nächsten Extremläufe plant: „Für dieses Jahr habe ich einfach genug. Nicht die Läufe, sondern der ganze Aufwand drumherum. Das Fliegen und die Vorbereitung – jetzt gehört die Zeit meiner Frau und meinen zwei Söhnen.“ Im Sommer 2020 könnte es nach Afrika in die Namib-Wüste gehen: „Das weiß ich aber noch nicht“, so Reger. Im März steht zunächst der Baikal Ice Marathon über den zugefrorenen Baikalsee an, den er zusammen mit Ehefrau Tatjana bestreiten wird. Bis dahin hat Reger hoffentlich seinen Koffer wieder. Auf den wartet der Oberbernbacher nämlich nach wie vor. Neben Teilen der Ausrüstung vermisst Reger auch noch seine Sieger-Medaille.

Lesen Sie dazu den Artikel:Totale Erschöpfung: So quält sich ein Oberbernbacher durch die Sahara

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