1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Alte Wahrheiten kommen ins Wanken

Kulturtage

11.10.2013

Alte Wahrheiten kommen ins Wanken

Der Arma-Christi-Engel ist eine der Figuren, die einen Gegenstand halten, der dem Leidensweg Jesus zugeordnet wird.
Bild: Gerhard Reiter

Kirchenführung in Anhausen mit Prof. Pötzl bringt neue Aufschlüsse über die „Mozartkirche“ in Anhausen

Diedorf-Anhausen Im Rahmen der Diedorfer Kulturtage und der Kultur- und Heimattage des Landkreises Augsburg hat Prof. Walter Pötzl durch die Pfarrkirche St. Adelgundis in Anhausen geführt. Etwa 80 Zuhörer erfuhren dabei einiges Neues über die Pfarrkirche.

Kreisheimatpfleger Pötzl setzte gleich zu Beginn zwei markante Kontrapunkte in Bezug auf die Kirchenpatronin St. Adelgundis. Nach seiner Recherche handelt es sich bei der Heiligen nicht um eine Königstochter – so die bisherige Ansicht –, sondern um die Tochter des ersten Ministers des Königs. Er habe diese Erkenntnis aus einem umfangreichen Lehrwerk über Heilige entnommen. Unbestritten bleibe allerdings die Tatsache, dass Adelgundis einer geplanten Ehe entfliehen wollte, und sich in ein Kloster begab. Aber auch zu diesem Punkt hatte der Referent relativierende Anmerkungen. Nach seiner Ansicht war es im Mittelalter durchaus üblich, dass Mädchen aus höherem Stand zwangsverheiratet wurden. Ebenfalls nicht unüblich war dann die Reaktion, dass sich die betroffenen Frauen lieber in die Obhut eines Klosters begaben, als sich dem unerwünschten Ehelos zu ergeben. Die Hinwendung der hl. Adelgundis von der Königstochter zur Nonne wird auf dem Altarbild des linken Seitenaltars dargestellt.

Engelsfiguren sind im gesamten Gotteshaus angeordnet

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt in den Ausführungen von Pötzl bezog sich auf die Herkunft der zehn Engelsfiguren, die auf halber Höhe durch das gesamte Gotteshaus angeordnet sind. Jeder Engel trägt andere Gegenstände in den Händen, die alle dem Leidensweg Jesus zuzuordnen sind. Nach Ansicht von Pötzl handelt es sich dabei um Kopien der Engelsfiguren auf der römischen Engelsbrücke „Ponte Sant’Angelo“. Die Originalfiguren wurden von Bernini gestaltet und seien in Stil und Ausdruck den Anhauser Engelsfiguren sehr ähnlich. Möglicherweise habe ein kirchlicher Würdenträger oder ein Künstler die Original-Engel gesehen und skizziert, um sie dann für die Anhauser Kirche kopieren zu lassen. Er müsse diese Vermutung aber nochmals durch eine Vor-Ort-Recherche in Rom bestätigen, so Pötzl.

Das Engelsmotiv sieht Pötzl auch als verbindendes Thema für die Fresken an der Kirchendecke. In jedem der Fresken treten Engel als handelnde Personen auf. Eine andere Verbindung zwischen den zehn Fresken mit Motiven aus dem alten und neuen Testament vermag Pötzl nicht zu erkennen.

Nicht in Zweifel ziehen wollte Pötzl den Namen des kirchlichen Baumeisters Hans Georg Mozart. Diese Bestätigung führte im Kreis der Zuhörer und beim ebenfalls anwesenden Diedorfer Bürgermeister Völk zu sichtbarer Erleichterung. Den Beinamen „Mozartkirche“ wollen die Anhauser gerne weiter verwenden.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren