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Landkreis Augsburg

18.01.2019

Damit Kinder wieder Kind sein dürfen

Die Paten sollen etwa zwei Mal im Monat ein paar Stunden mit den Kindern verbringen, in den Zoo oder auf den Spielplatz gehen.
Bild: Jutta Kaiser -Wiatrek (Symbolfoto, Archiv)

Im Augsburger Land werden Paten für Mädchen und Buben psychisch kranker Eltern gesucht. So funktioniert das Projekt.

Mama ist schon wieder traurig. Am Morgen schafft sie es nicht, aus dem Bett aufzustehen, und nachmittags hat sie keine Kraft, um auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad zu gehen. Der Alltag für Kinder psychisch kranker Eltern ist belastend. Die Mädchen und Buben müssten oft die Aufgaben der Eltern übernehmen und emotional für die Erwachsenen stark sein, erklärt Livia Koller, Psychologin am Bezirkskrankenhaus Augsburg. „Wir wollen die Kinder von dieser Bürde befreien und ihnen die Gelegenheit geben, ihre kindlichen Bedürfnisse auszuleben.“ Die Psychologin hat dafür in Zusammenarbeit mit Jugendamt, Gesundheitsamt, Kinderschutzbund und Frère-Roger-Kinderzentrum ein Patenschaftsprojekt gegründet. Es heißt Compagnon.

Livia Koller erklärt, was dahinter steckt: „Wir möchten den Kindern in Zeiten, in denen es den Eltern nicht gut geht, eine beständige Bezugsperson vermitteln.“ Das Angebot richtet sich vor allem an Familien oder Alleinerziehende, die kein soziales Netz haben. „Wer kümmert sich denn, wenn es keine Patentante oder Oma in der Nähe gibt?“ Dazu sollen die Paten etwa zwei Mal im Monat ein paar Stunden mit den Kindern verbringen, in den Zoo oder auf den Spielplatz gehen. „Damit die Kinder wieder Kind sein dürfen.“

„Das Projekt hat mich sofort berührt“

Petra Stoll aus Diedorf ist eine der Bewerberinnen, die sich als Patin gemeldet hat. „Das Projekt hat mich sofort berührt.“ Petra Stoll ist Erzieherin, hat selbst zwei erwachsene Töchter und arbeitet seit Jahren mit Behinderten. „Aber mir fehlen die Kinder. Ich würde mich freuen, mit einem Mädchen oder Buben Zeit zu verbringen und ihm dabei Freude zu bereiten.“ Denn die Kinder psychisch kranker Eltern erleben zu Hause oft eine angespannte Zeit. Die Mütter und Väter leiden häufig an Depressionen, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen.

Livia Koller erklärt: „Dann sind die Erwachsenen meistens von einer Antriebslosigkeit betroffen, es fällt ihnen bereits schwer, überhaupt das Haus zu verlassen.“ Die Kinder schlüpfen dann häufig in die Rolle der Eltern, machen den Haushalt, kümmern sich um die Familie und vernachlässigen die Freunde. „Die Paten sollen die Kinder in dieser Rolle entlasten.“

Für Compagnon sucht die Psychologin momentan für acht Kinder einen Paten. „Doch leider haben sich erst vier Interessenten bei mir gemeldet. Aber wir hoffen, dass sich weitere Ehrenamtlichen uns kontaktieren werden.“

Auch die Eltern müssen mit der Situation zufrieden sein

Interessierte bewerben sich direkt bei Livia Koller und füllen als Erstes einen Fragebogen aus. Anschließend findet ein Gespräch statt, und die Psychologin vermittelt je ein Kind zu einem passenden Paten. „Wenn sich die Kinder regelmäßig mit ihren Paten treffen, bin ich zwar nicht immer dabei, aber ich begleite den Prozess fortlaufend.“ Und auch die Eltern müssen mit der Situation zufrieden sein. „Die Stimmung zu Hause wird für die Kinder nämlich nur noch schwieriger, wenn die Mutter den Paten als Konkurrenz empfindet.“

Wer als Pate an Compagnon interessiert ist, sollte vor allem Interesse an Kindern und ausreichend Zeit mitbringen. „Aber man darf keine Angst und Vorurteile vor psychischen Erkrankungen haben.“ Wichtig ist Livia Koller außerdem, dass die Paten sich zuverlässig kümmern und sich regelmäßig Zeit für die Kinder nehmen. „Erst dann kann eine vertrauensvolle Bindung für die Kinder entstehen.“

Kontakt Wer sich für eine Patenschaft bewerben möchte, erreicht Livia Koller unter der Telefonnummer 0821/48034118 oder per E-Mail unter livia.koller@bkh-augsburg.de

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