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Preiskampf mit Molkerei

14.04.2008

Die Müller-Milch fließt nun nach Miesbach

Die Milchbauern bangen um ihr Geld.

Die Bauern aus dem Augsburger Westen haben einen neuen Abnehmer für ihre Milch. Nachdem Müller-Milch alle Verträge mit der Erzeugergemeinschaft gekündigt hatte, standen die Landwirte vor einem Dilemma.

Landkreis Augsburg (msi) - Am Mittwoch ist es so weit, dann fährt zum ersten Mal ein Tankwagen mit der Milch vom Hof der Familie Zott aus Aretsried ab. Das ist ein Novum, denn seit 100 Jahren gaben die Kühe der Zotts Milch für die große Molkerei gleich auf dem Nachbargrundstück. Aber zu Beginn des Monats kündigte Müller-Milch alle Verträge mit der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Augsburg-West (wir berichteten).

In den vergangenen zwei Wochen gab es viele Verhandlungen. Nun ist klar, neuer Abnehmer der Milch von rund 250 landwirtschaftlichen Betrieben ist dann der Milchproduktehandel Oberland (MPO) in Miesbach. Der ist dafür bekannt, dass er Milch sammelt und nach Italien verkauft. "Die Firma ist als Aufkäufer in ganz Europa tätig", so Josef Zott. Welchen Preis die Bauern aus dem Landkreis bekommen, darüber schweigt die MEG.

Der Kündigung durch Müller-Milch war eine große Demonstration vorausgegangen. Gemeinsam mit Kabarettist Ottfried Fischer protestierten die Bauern gegen das Geschäftsgebaren des Aretsrieder Milch- und Yoghurtriesen. Der hatte nämlich den Bauern bessere Konditionen angeboten, wenn sie Einzelverträge unterzeichnen und aus der MEG austreten.

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Das haben zwischenzeitlich einige getan. "Wir haben etwa 30 Mitglieder verloren", sagt Martin Mayr aus Kutzenhausen, der stellvertretende Vorsitzender der MEG. 30 Austritte bei ehemals 280 Mitgliedern, macht das keine Sorgen? Zott: "Lieber weniger Mitstreiter, die dafür auch zusammenhalten."

Einer, der zu Müller liefert, aber einen Einzelvertrag hat, ist Stefan Mögele, der im Landkreis beim Bund der Milcherzeuger (BDM) an der Spitze steht. 220 Betriebe sind in diesem Interessenverband organisiert. Mögele hat die Aktivitäten der MEG in den vergangenen Monaten skeptisch gesehen. "Die wollten mehr Geld als die Einzellieferanten bekommen." Er verteidigt Müller. Der hätte immer einen anständigen Preis bezahlt. Für Mögele kam die Demonstration der MEG zum falschen Zeitpunkt. "Zurzeit gibt es viel Milch, der Protest wäre im Sommer wirksamer gewesen."

Mögele und sein Verband wollen anders vorgehen. Nur eine Senkung der Milchquote führe zu einem fairen Preis. Das sieht Josef Zott aus Ustersbach genauso. "Das ist der einzige Weg, die Demos nützen nichts", sagt er. Der Milchpreis werde sich immer am Markt orientieren.

An Zotts Küchentisch wurde die MEG Augsburg-West im Jahr 1991 gegründet, er war lange zweiter Vorsitzender. Vor neun Jahre kehrte er aber mit einer Gruppe von 16 Landwirten der Organisation den Rücken. "Wir wollten flexibler sein." Neun Millionen Kilo Milch verkaufen sie im Jahr, das entspricht einem Tankwagen am Tag. Im Vergleich: Die MEG liefert 40 Millionen Kilo im Jahr.

Die 16 "rebellischen" Bauern machten damals Geschäfte mit der Cema in Augsburg, dann wechselten sie wieder zu Müller-Milch. Nun läuft der Fünf-Jahres-Vertrag mit der Molkerei Gropper in Bissingen bald aus. Zott: "Mal sehen, was dann kommt."

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