1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Die Zimbern kämmen sich schwäbisch

Dialekte

09.09.2013

Die Zimbern kämmen sich schwäbisch

In unserer Serie über sprachliche Besonderheiten geht es heute um eine norditalienische Mundart

Landkreis Augsburg Der Duden hat dieser Tage einen eher zweifelhaften Titel verliehen bekommen. Er sei der (Sprach-)„Panscher des Jahres 2013“, meint der Verein der Deutschen Sprache und bezichtigt die Redaktion, gedankenlos Anglizismen aufzunehmen und so gesellschaftsfähig zu machen, etwa downloaden und upgraden. Richtig, das ist schon heftig. Allerdings – so wehrt sich der Duden – sei eine Überfremdung der Sprache nicht festzustellen; und fremdsprachliche Einflüsse habe es schon immer gegeben – auch richtig. Dass der Anteil der Anglizismen seit Jahren stabil bei etwa 3,5 Prozent liege, ist schwer zu glauben. Wir kümmern uns ein zweites Mal um die nahezu unverfälschte und nur wenig vom Italienischen beeinflusste c/zimbrische Mundart in den Sprachinseln der norditalienischen Provinzen Trient, Verona, Venetien und Belluno. Dort hat sich ein prägermanischer, urbairischer Dialekt, durchsetzt mit zahlreichen alemannischen Begriffen, erhalten.

Hört man die Sprache, versteht man zunächst so gut wie nichts, aber dann tauchen eindeutig bekannte Worte auf. Und wer sich „reinhört“, wird erstaunlich viel verstehen. Wir haben uns das Wörterbuch des bayerischen Sprachforschers Johann Andreas Schmeller aus dem 19. Jahrhundert vorgenommen und nach Begriffen, die mit unseren Mundarten verknüpft sind, gesucht. Die Ausbeute ist riesig, sodass wir hier nur ein paar Wörter beispielhaft für die nahe Verwandtschaft der Dialekte anführen können.

So sagen die Zimbern „tocka“ zur Puppe. Und in unseren Regionen heißt sie „Docke“ und „Dockl“. Kämmen sich die Zimbern, dann „streln“ sie sich. Auf Schwäbisch sagt man „strählen“ – was im altbairischen Raum übrigens weitgehend unbekannt ist. Den Flecken zum Ausbessern eines Lochs im Stoff nennen die Zimbern „vleck“, aber auch „pletzo“ – im Allgäu heißt es „Bletz“. Sauerkirschen sind für uns Süddeutsche Weichseln. Bei den Zimbern heißt die saure Frucht „baichsela“ – dass aus „b“ in der Entwicklung des Deutschen „w“ wird, dürfte bekannt sein. Und passend zum Obst ein weiterer Begriff, der die Verwandtschaft unserer Mundarten unterstreicht: Wir pflücken eher nicht, wir brocken Beeren und auch Kirschen. Die Zimbern machen das auch, sie „procken“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

(Tauf-)Pate heißt bei den Zimbern „toto“ und „gote“. Im Schwäbischen spricht man von „Dot“, im Bairischen von „Got“. Heiraten die Zimbern, dann „hairen“ sie – im Schwäbischen sagt man „heiren“.

Schmunzeln ruft der zimbrische Ausdruck für das Hinterteil, den Po, hervor: „arspacho“ und „arspello“. Klingt witzig, wenngleich die erste Silbe unverwechselbar an das berühmte Götz-Zitat erinnert. Immer wieder findet man im zimbrischen Wortschatz auch Begriffe, die zumindest auf den ersten Blick keine Assoziation zulassen: „Garüste“ etwa heißt die Kleidung – es lässt sich vielleicht ein Zusammenhang mit der Ritterrüstung vermuten, genauer gesagt mit dem alten deutschen Wort rüsten, was zunächst nichts Kriegerisches bedeutet, vielmehr herrichten, schmücken, ausstatten.

Das nächste Mal wollen wir uns wieder mit unseren Mundartbegriffen beschäftigen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20MMA_06692(1).tif
Landkreis Augsburg

Plus Auf den Friedhöfen im Augsburger Land wächst der Ärger

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket