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Ehingen

13.02.2020

Ehingen: Nach 42 Jahren verabschiedet sich Helmut Wech aus dem Rat

42 Jahre war Helmut Wech im Gemeinderat von Ehingen aktiv. Jetzt verabschiedet er sich.
Bild: Monika Matzner

Plus Bei seiner ersten Wahl war er mit 28 Jahren das jüngste Mitglied im Gemeinderat Ehingen. Sitzungsergebnisse wurden damals noch stenografiert.

Der Begriff „Internetauftritt“ für die Gemeinde war ein Fremdwort, Sitzungsergebnisse wurden in Stenografie notiert und ein Rathausbau war in weiter Ferne: Als Helmut Wech im Jahr 1978 zum ersten Mal in den Ehinger Gemeinderat gewählt wurde, fanden die Sitzungen ohne Technik im kleinen Amtszimmer neben der ehemaligen Schule statt. Vieles hat sich seither verändert.

Seit 42 Jahren ist Helmut Wech Mitglied im Ehinger Gemeinderat. Mit Herzblut. „Doch nun ist Schluss“, sagt der 70-Jährige – er tritt bei der Kommunalwahl nicht mehr an. Bei seiner Entscheidung schwingen Wehmut, Zufriedenheit über das Erreichte und Freude auf das Kommende gleichermaßen mit.

Helmut Wech ist das "Urgestein" der Ehinger Kommunalpolitik

Gerne wird Helmut Wech als „Urgestein“ in der Ehinger Kommunalpolitik bezeichnet. Beim Jahresempfang 2018 ehrte ihn die Gemeinde für sein 40-jähriges außergewöhnliches Engagement. „Solange meine Recherchen zurückreichen, hat diese Leistung in Ehingen noch niemand geschafft“, sagte Bürgermeister Franz Schlögel in seiner Laudatio. Von Landrat Martin Sailer bekam Wech die kommunale Verdienstmedaille in Bronze des bayerischen Innenministeriums verliehen.

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Etwa 450 Gemeinderatssitzungen hat er absolviert und war auch darüber hinaus auf vielen Feldern aktiv, etwa als langjähriger Vorsitzender des Schützenvereins, Schriftführer bei neun Bundestags- und sieben Landtagswahlen oder als Mitglied im Pfarrgemeinderat. Während er beruflich Karriere machte und als Verkaufsdirektor um den Globus reiste, schaffte er den Spagat, sich ehrenamtlich in seiner Heimatgemeinde zu engagieren. Sein Leitgedanke war: „In der Welt unterwegs, in Ehingen daheim.“

Wech war freier Mitarbeiter der Wertinger Zeitung

Der 70-Jährige kann noch rekonstruieren, was ihn 1978 zur Kandidatur bewegte. „Seit 1973 war ich als freier Mitarbeiter bei der Wertinger Zeitung für die Berichterstattung im Ort zuständig. Die Sitzungen waren noch nicht öffentlich, doch durch meine Schreibtätigkeit war ich in die Themen des Gremiums involviert. Diese weckten mein Interesse.“ Bei der folgenden Kommunalwahl ließ er sich aufstellen und schaffte den Sprung ins Gremium – als 28-Jähriger damals der Jüngste. Gleich bei der ersten Sitzung am 3. Mai 1978 unter Bürgermeister Franz Sedlacek wurde er als Schriftführer festgemacht. „In Stenografie habe ich mitgeschrieben, von Computern war noch keine Rede“, sagt er und lacht.

Auch sonst schwingt Nostalgie mit, wenn er an seinen Amtsantritt zurückdenkt. Zu den Sitzungen fand man sich im „Amtszimmer“ ein und saß im Stuhlkreis um den Schreibtisch des Bürgermeisters. Lähmende Bürokratie gab es kaum. Die Schwerpunktthemen nach der Wahl damals: der Bau des neuen Friedhofs in der Gartenstraße und der Kanalbau in der Gemeinde. Es gab noch keine Straßennamen, nur Hausnummern. Und die Bekanntgabe von „Gemeindevermeldungen“ erfolgte mündlich über zwei Gemeindediener, die mit lauter Glocke auf den Straßen in Ehingen und Ortlfingen unterwegs waren.

Am meisten Kritik äußerten die, die sich nicht im Gemeindeleben einbrachten

Viele Projekte standen in seiner langen Amtszeit auf der Tagesordnung, etwa der Bau des Rathauses, des Feuerwehrhauses oder die Erschließung mehrerer Baugebiete, aber auch der lange, letztlich erfolglose Kampf um den Erhalt der Schule. Die Einwohnerzahl stieg von circa 750 auf über 1000 – und somit die Zahl der Ratsmitglieder von acht auf zwölf.

Wech zieht Bilanz: „Die Zusammenarbeit im Gremium war stets fair und konstruktiv. Freilich hat es auch Meinungsverschiedenheiten und hitzige Diskussionen gegeben – aber nie mit persönlichen Auswirkungen.“ Auf die Frage nach Kritik aus der Bürgerschaft bei manchmal auch unpopulären Entscheidungen des Gemeinderates hat er festgestellt: „Diejenigen, die mitarbeiten, Hand anlegen und sich engagieren, haben Entscheidungen zum Wohle der Allgemeinheit mit viel Verständnis mitgetragen. Größte Kritik kam in der Regel von denjenigen, die sich kaum im Gemeindeleben einbrachten.“ Heute sagt er: „Meine Zeit im Gemeinderat mit insgesamt 31 Ratskollegen und zwei Bürgermeistern war ein bereichernder Lebensabschnitt.“ Nie habe er es bereut, in dem Gremium die Entwicklung der Gemeinde mitzugestalten.

Dem freiwilligen Abschied aus der Kommunalpolitik folgt bereits das nächste Ehrenamt: Helmut Wech ist seit 2014 Vorsitzender des Ambulanten Krankenpflegevereins Holzen und Umgebung. Kontinuierlich arbeitet er an der Neuausrichtung des Vereins. Unter anderem wurde dabei bereits mit Mitstreitern ein ehrenamtlicher Fahrdienst aufgebaut, um möglichst langes Wohnen zu Hause zu ermöglichen.

Langeweile kommt bei ihm sicherlich nicht auf. Dafür sorgen auch seine sechs Enkelkinder, die den passionierten Opa jung halten.

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