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Westendorf

28.11.2017

Ein Meisterwerk aus Westendorf

Ein Blickfang für Kirchenbesucher in der Wiesentheider St. Mauritius-Barockkirche ist die neue Orgel, die in der Westendorfer Meisterwerkstatt von Georg Weishaupt gebaut wurde.
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Ein Blickfang für Kirchenbesucher in der Wiesentheider St. Mauritius-Barockkirche ist die neue Orgel, die in der Westendorfer Meisterwerkstatt von Georg Weishaupt gebaut wurde.
Bild: Wolfgang Rößner

Eine Westendorfer Werkstätte baut die neue Orgel für die Kirche in Wiesentheid. Warum Orgelbauer Georg Weishaupt dabei schlaflose Nächte hat.

Den Ort Wiesentheid nahe Würzburg kennen die meisten hier nur aus den Staumeldungen im Radio. Dass dort eine der schönsten Barockkirchen Süddeutschlands steht, wissen nur wenige. Diese wertvolle Kirche wurde in den Jahren 1727 bis 1732 nach den Plänen des bekannten Baumeisters Balthasar Neumann errichtet. Die letzte Renovierung der Kirche wurde vor 120 Jahren durchgeführt. Dementsprechend präsentierte sich das Gotteshaus zuletzt als dunkle, staubige Halle. Jetzt, nach viereinhalbjähriger Sanierung, kommt vor allem die illusionistische Deckenmalerei von Giovanni Francesco Marchini (1771-1745) wieder voll zur Geltung. Das historische Orgelgehäuse mit barocken Profilen und geschnitzten Dekoren ist ein weiterer Glanzpunkt in der St.-Mauritius-Kirche. Mit dem Auftrag, in dieses ehrwürdige Orgelgehäuse wieder ein Instrument einzubauen, wurde die Meisterwerkstätte für Orgelbau von Georg Weishaupt aus Westendorf beauftragt. Die Kosten für Orgelherstellung samt Restaurierung beliefen sich auf etwa eine halbe Million Euro.

Alle Arbeiten wurden im Kirchenraum ausgeführt

Bereits im April 2014 wurde die Vorgänger-Orgel aus den 70er-Jahren ausgebaut und die wieder verwendbaren historischen Pfeifen eingelagert. Nach Besprechungen mit dem Amt für Denkmalpflege und der Bauleitung wurde beschlossen, dass das wertvolle Orgelgehäuse nicht abgebaut werden darf. Somit mussten alle Arbeiten am und im Gehäuse im Kirchenraum ausgeführt werden, was Orgelbauer Weishaupt und seinen Mitarbeitern erhebliche Mehrarbeiten einbrachte.

Eine weitere Schwierigkeit, die ihm einige schlaflose Nächte bereitet hat, sei die statische Befestigung und Aussteifung des historischen Orgelgehäuses gewesen, erzählt der Orgelbaumeister im Rückblick. Die Zug- und Schublasten wurden bisher mittels einer wuchtigen Stahlkonstruktion abgefangen. Doch weil die neue Orgel mit ihren 34 Registern und zwei Manualen den verfügbaren Platz dringend benötigte, musste die Stahlkonstruktion ausgebaut und durch eine integrierte Holzkonstruktion ersetzt werden. Dabei bestand die Gefahr, dass zwischen Ausbau der alten und Einbau der neuen Konstruktion das alte Gehäuse nach vorne abkippt und in die Kirche stürzt. Dies sei durch eine spezielle Gerüstkonstruktion und umsichtiges Arbeiten verhindert worden.

Rund 2000 Pfeifen sind verbaut

Die Konzeption der neuen Orgel wurde in zwei Ebenen ausgeführt. Im alten, vorhandenen Gehäuse wurde das Hauptwerk (I. Manual) eingebaut. Im hinteren Teil befindet sich das Pedalwerk (unten) und im oberen Bereich das Schwellwerk (II. Manual). Die Windversorgung mit einem großen Schleudergebläse und zwei Blasbälgen wurde in einem separaten Raum hinter der Orgel montiert.

Die Spieltrakturen – Verbindungen zwischen Taste und Ventil – wurden mechanisch in Holzbauweise angefertigt. Die Registertraktur, die Verbindung zwischen Registerzug und Windlade, wurde – dem geringen Platzangebot geschuldet – mit Elektromagneten ausgeführt. Die Orgel erhielt zudem eine elektronische Setzeranlage mit bis zu 4000 Kombinationen. Diese Einrichtung erlaubt dem Organisten ein schnelles Wechseln der Register und Klangfarben.

Der neue Spieltisch im Unterbau des historischen Gehäuses wurde in Nussbaumholz ausgeführt und dem alten Gehäuse stilistisch angepasst. Rund 2000 Pfeifen wurden in die Orgel eingebaut und geben diesem Instrument seinen wunderbaren Klang. „Die größte Pfeife der Orgel ist 4,80 Meter, die kleinste acht Millimeter lang. Sie werden alle, was ihre Lautstärke und den exakten Ton betrifft, einzeln getestet und eingestellt, und dazu brauchen die Orgelbauer möglichst Ruhe“, erläutert Weishaupt. „Intonieren ist viel mehr als nur Stimmen. Das ist der Klang der Orgel.“ Für diese Arbeiten musste im September für fünf Wochen in der Kirche Ruhe herrschen. Nur die zwei Intonateure der Firma Weishaupt durften in dieser Zeit dort arbeiten. „Dies war für den Architekten problematisch, da der Fertigstellungstermin der Gesamtrestauration kurz bevorstand“, schildert der Orgelbaumeister.

Letztlich konnten jedoch alle Arbeiten durch gemeinsame und gute Zusammenarbeit planmäßig ausgeführt werden, berichtet Georg Weishaupt. Dieses Instrument sei bis dato das „Opus Maximum“, die größte Orgel, aus der Orgelbau-werkstätte Weishaupt. Die neue „Weishaupt-Orgel“ hatte am Tag der Wiedereröffnung der Kirche, am 21. Oktober, ihre Bewährungsprobe und begeistert seitdem mit ihrer Klangvielfalt und Raumfülle.

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