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Inklusion

15.12.2014

Ein Traum für die Zusamklinik

Für Eltern mit schwerbehinderten Kindern ist das Leben oft nicht einfach. Doch es geht auch anders, wenn man sich gegenseitig hilft. Deshalb haben sie eine besondere Idee

Mirjam Donderer ist 22 Jahre alt und vor Kurzem von zu Hause ausgezogen. Das allein wäre noch keine Geschichte, doch bei der jungen Frau war der Auszug mit einigem Aufwand verbunden. Die Zusmarshauserin leidet unter anderem an Epilepsie und Autismus und gilt als schwerbehindert. Deswegen waren ihre Eltern lange Zeit auf der Suche nach einer passenden Wohngruppe für die 22-Jährige. Bis nach Regensburg sind sie gefahren, um sich Plätze anzusehen und Gruppen kennenzulernen. „Wenn es einem irgendwo gefällt, bekommt man oft hinterher erzählt, dass die Gruppe schon voll ist“, erinnert sich Gabi Donderer, Mirjams Mutter, an die Wohnungssuche.

Mittlerweile lebt die 22-Jährige in einer Einrichtung im Landkreis Dillingen. Mirjams Mutter hat das Gefühl, dass sie, seit ihre Tochter ausgezogen ist, noch mehr organisieren muss als vorher. „Mirjam war bei den Maltesern in Steppach in einer Jugendgruppe, das wollte ich ihr auch weiterhin ermöglichen.“ Doch so einfach sei das nicht, denn wenn ihr Kind aus der Wohngruppe nach Hause möchte, muss sie sich entweder an vorgegebene Busfahrzeiten halten oder ihre Mutter holt sie ab. „Um die Kosten für die Fahrt erstattet zu bekommen, muss ich sie ein Jahr im Voraus beim Bezirk einreichen“, sagt Gabi Donderer.

Ihrer Freundin Elke Klein erging es ähnlich. Ihre Tochter Rebecca ist 35 Jahre alt und hat ebenfalls eine schwere Form von Autismus. Auch sie lebte schon in einem Heim, dann wieder zu Hause bei ihren Eltern. Seit zwei Jahren hat sie eine eigene Wohnung in Augsburg und wird rund um die Uhr von Assistenten betreut. Persönliches Budget heißt diese Form der Betreuung. Sie ermöglicht es Menschen mit schweren Behinderungen, außerhalb von Wohnheimen zu leben. Doch auch Rebeccas Geschichte ist nicht frei von Problemen. „Der Mietvertrag für die Wohnung läuft nur bis Ende 2015“, erzählt ihre Mutter. „Und Sozialwohnungen sind Mangelware.“ Aus ihrer Not heraus haben die beiden Frauen eine Idee geboren. Sie sind in der Interessengruppe Trauminsel aktiv und ihr Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem sie in der Nähe ihrer Kinder leben können, der diesen aber auch erhalten bleibt, wenn die Eltern sterben. Da kam ihnen das leere Areal um die Zusamklinik in Zusmarshausen und der Investor Joachim Merkel gerade recht. Er betreibt in Oberbayern mehrere Therapiezentren, unter anderem zwei, in denen er Schwerbehinderte betreut. Diese Kompetenz möchte sich die Interessengemeinschaft zunutze machen. Das Projekt, das ihnen vorschwebt, ist nicht gerade klein. Sie möchten eine Art Neubaugebiet schaffen, in dem Menschen mit Behinderung leben können, genauso wie Menschen ohne Behinderung, Kinder genauso wie Senioren, Alleinerziehende genauso wie sechsköpfige Familien.

Unter dem Projektnamen Trauminsel Zusamtal sind sie gerade dabei, ein Konzept zu entwickeln. Menschen mit Behinderung sollen so wohnen können, wie es ihnen am meisten zusagt. „Wer in eine Wohngemeinschaft möchte, kann das machen, wer lieber alleine lebt, soll auch dazu eine Möglichkeit bekommen“, sagt Elke Klein. Diese Einrichtung soll mit von dem Zentrum betreut werden, das Merkel plant und mit verschiedenen Therapiemöglichkeiten kombiniert werden. In unmittelbarer Nähe, auf dem Areal der Klinik, möchten sich die Eltern niederlassen. Dazu soll dort ein „normales“ Wohngebiet entstehen, in das Familien mit Kindern oder Senioren ziehen können. „Unser Ziel ist es, Inklusion wirklich zu leben“, erklärt Klein. Die beiden Frauen können sich auch vorstellen, eine Begegnungsstätte in Form eines Cafés zu integrieren. „Wir würden einfach gerne auch das Engagement der Bürger anschieben“, sagt Gabi Donderer. Wichtig ist ihnen, dass nicht der Eindruck entsteht, irgendjemand müsste sich um die Pflege der Menschen mit Behinderung kümmern. „Es geht viel mehr darum, zusammen etwas zu machen und sich gegenseitig zu helfen“, erklärt Klein. Die Gruppe hatte schon einige Gespräche mit Merkel. „Und er kam uns durchaus interessiert vor“, erinnert Klein. Auch aus der Interessengemeinschaft haben schon einige Eltern gesagt, dass sie gerne in dem Areal wohnen würden. Ob sich Merkel wirklich von ihrer Idee hat begeistern lassen, wissen sie bisher nicht. Sollte das nicht der Fall sein, werden sie ihren Traum an einem anderen Ort verwirklichen.

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