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Diedorf

20.03.2015

Ein ganzes Dorf kümmert sich um Asylbewerber

Die Pfarrhelferin Elisabeth Wiedemann sucht auch ein Jahr nach dem Bezug des Asylbewerberheims nach ehrenamtlichen Helfern.
Bild: Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Pfarrhelferin Elisabeth Wiedemann sucht auch ein Jahr nach dem Bezug des Asylbewerberheims nach ehrenamtlichen Helfern.

Ein Weltcafé, das wäre der Traum der engagierten Pfarrhelferin Elisabeth Wiedemann. Ein Ort zum Austausch, für ein gutes Gespräch oder einen Kaffee und das in multikultureller Atmosphäre. Visionen wie diese, zur Vernetzung zwischen Diedorfer Asylbewerbern und Anwohnern, hat Elisabeth Wiedemann zuhauf. Um diese Träume nun aber in die Realität umzusetzen, bedarf es des Engagements der Diedorfer – die scheinen interessiert.

Zahlreich sind sie zur Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Pfarrheim in Diedorf unter dem Motto „Asyl: Neuland – Herausforderung – Chance!“ erschienen. „Ideal wäre es, wenn jeder Asylbewerber eine Art Paten hätte“, noch ein Traum von Elisabeth Wiedemann. Einen Kameraden zu haben, der bei alltäglichen Problemen zur Seite steht, das wünschten sich viele der Asylbewerber. 48 Paten bräuchten die Diedorfer momentan, so viele Asylbewerber leben im Heim. Einige von ihnen hätten bereits einheimische Freunde gefunden, meint Wiedemann, doch der Großteil sei oft auf sich allein gestellt.

Insgesamt aber habe sich viel getan seit dem Bezug des Heims im März vergangenen Jahres. Mittlerweile gibt es Deutschkurse, gemeinsames Kochen, Renovierungs- und Fahrradaktionen, sogar ein gemeinsames Theaterprojekt mit dem Diedorfer Eukitea-Team. Doch noch immer suchen die engagierten Helfer rund um Elisabeth Wiedemann händeringend nach ehrenamtlichen Dolmetschern oder Bewerbungstrainern. Auch wer die Augen nach Arbeitsstellen oder freien Wohnungen offen hält, könne helfen. „Noch nie habe ich die Zeitung so sehr nach Stellenanzeigen durchsucht, wie jetzt gerade“, sagt die Pfarrhelferin.

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Auch Ira Bodenmüller von der Diakonie Augsburg war beim Treffen im Pfarrheim zu Gast. Sie erläuterte die rechtliche Lage für die Asylbewerber. Einige von ihnen dürfen momentan nicht arbeiten, da sie nur geduldet sind und ihr Asylantrag noch nicht bearbeitet wurde. Für den größten Teil der Asylbewerber aber habe sich im Herbst einiges getan, meint Bodenmüller. Sie betonte, dass nun grundsätzlich jeder, der bereits drei Monate in Deutschland ist, arbeiten darf. Damit habe sich in der Asylpolitik viel getan, meint Ira Bodenmüller.

Doch die Flüchtlingsströme machen auch ihr zu schaffen. Jeden Tag kommen rund 30 neue Asylbewerber in den Landkreis. Bislang war Bodenmüller zweimal wöchentlich im Asylbewerberheim, um sich um die Bewohner zu kümmern. In Zukunft kann sie nur noch an einem Tag in der Woche vor Ort sein. Zu groß sei sonst die Belastung durch andere Heime in Gersthofen, Gablingen oder Bonstetten. Um so wichtiger sei es deshalb, mehr ehrenamtliche Helfer zu finden, betonte Ira Bodenmüller. Das dürfte mit dem Vernetzungstreffen gelungen sein.

Nach der Veranstaltung meldeten sich zahlreiche Freiwillige. Der Diedorfer Wolfgang Witty zum Beispiel würde gerne helfen. „Ich spreche Englisch und Französisch und biete mich als Dolmetscher an“, sagt er. Auch die Künstlerin Erika Kassnel-Henneberg möchte sich einbringen. Sie denkt bereits an ein mögliches Kunstprojekt mit den Asylbewerbern.

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