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Gersthofen

09.10.2019

Gersthofer kochen seit sieben Wochen Wasser ab 

Noch immer müssen die Gersthofer ihr Trinkwasser abkochen. Wie lange das noch so gehen soll, ist unklar. 
Bild: Marcus Merk

Noch immer ist die Ursache für die Colikeime im Wassernetz unklar. Wie es nun weiter geht? Stadt und Gesundheitsamt sind mit ihren Aussagen sehr vorsichtig.

Und täglich grüßt der Wasserkocher: Mehrere Male am Tag heizt das Elektrogerät in tausenden Haushalten in Gersthofen hoch, denn der Bedarf ist groß. Seit sieben Wochen müssen die Bewohner von 12000 Haushalten in Gersthofen und im Gablinger Ortsteil Holzhausen ihr Trinkwasser abkochen oder auf Mineralwasser ausweichen. Das gilt auch für tausende Beschäftigte in den Gersthofer Betrieben.

Doch wie lange noch? Immer noch ist unklar, woher die Keime stammen, die Ende August bei Routinekontrollen gefunden worden waren. Bekommt die Stadt das Problem nicht in den Griff, wird das Trinkwasser mit Chlor versetzt und so desinfiziert werden müssen.

Wann kommt es zur Chlorung?

Der grobe zeitliche Richtwert von 30 Tagen nach Feststellung einer Keimbelastung, ab dem eine Sicherheitschlorung notwendig werden kann, ist längst verstrichen. Allerdings ist der Beginn einer derartigen Chlorung, die vom Gesundheitsamt angeordnet wird, von vielen Faktoren abhängig - beispielsweise von der Beschaffenheit und Größe des betroffenen Versorgungsnetzes sowie den jeweiligen technischen Voraussetzungen für die Beimischung der Chemikalie.

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Auf Anfrage unserer Zeitung hielt sich das Gesundheitsamt bedeckt: Es lasse sich zeitlich nicht zeitlich eingrenzen, ab wann in Gersthofen gechlort werden kann. Und weiter: „Der Versorger arbeitet unserem Kenntnisstand nach daran, die technischen Voraussetzungen für eine Chlorungsmaßnahme zu schaffen. Sobald diese gegeben sind, wird entschieden, ab wann das Trinkwasser zentral durch den Zusatz von Chlor desinfiziert werden kann.“

Ursache für Keime im Gersthofer Wasser noch immer unklar

Stadt und Stadtwerke Gersthofen arbeiten unterdessen weiter daran, die Ursache der Verkeimung zu finden. Allerdings scheint dies der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu gleichen.

Bürgermeister Michael Wörle: „Wir schließen momentan die theoretischen Ursachen aus.“ Nachdem die Stadt nach den bisherigen Untersuchungen davon ausgeht, dass die Keimquelle nicht innerhalb des 130 Kilometer langen Wassernetzes lkiliegt, läuft die Überprüfung von Hausanschlüssen und Großabnehmern an. Als besonderes Risiko gelten so genannte Totleitungen.

Das sind Wasserleitungen die nicht mehr von Wasser durchströmt werden. Das in ihnen stehende Wasser kann eine Brutstätte von Keimen aller Art sein. Seit Beginn der Woche ist eine Fachfirma dabei ,rund 250 Totleitungen vom Netz abzuklemmen. Den Auftrag im Wert von 400000 Euro habe der Stadtrat erst jüngst vergeben, so Wörle. „Wir müssen diese Dinge ohnehin tun, nun haben wir sie vorgezogen.“

Verbrauchen die Gersthofer jetzt mehr Strom?

Bislang hat es im Raum Gersthofen keine Häufung an Magen-Darm-Erkrankungen zu verzeichnen. Die Zahl der gemeldeten Fälle bewegt sich nach Auskunft des Gesundheitsamtes auf ähnlichem Niveau wie im vergangenen Herbst. Ausbrüche in Pflegeheimen sind nicht gemeldet. Zudem, so die Behörde, hätten Magen-Darm-Erkrankungen eine Vielzahl an denkbaren Ursachen und müssten nicht unbedingt auf verkeimtes Wasser zurückzuführen sein.

Und wie sieht es mit dem Stromverbrauch aus? Spürbar angestiegen sei der nicht, sagt das Versorgungsunternehmen LEW. Gesetzt den Fall, ein Verbraucher kocht etwa zehn Liter Wasser am Tag ab, so braucht er laut LEW dafür etwa eine Kilowattstunde Strom. Preis: rund 30,5 Cent.

Leitungswasser: Das sollten sie beachten

  • Abkochen Um die Krankheitserreger abzutöten, sollte man das Wasser sprudelnd aufkochen und dann circa zehn Minuten abkühlen lassen.
  • Duschen und Baden sowie Haarewaschen ist bedenkenlos möglich, sofern Augen und Mund geschlossen gehalten werden. Für die Handhygiene reicht es, Leitungswasser und Seife zu verwenden. Zum Zähneputzen sollte man nur abgekochtes Wasser verwenden.
  • Kochen Für die Zubereitung von Speisen darf nur abgekochtes oder abgepacktes Wasser verwendet werden. Dies gilt insbesondere, wenn die Nahrungsmittel nicht gekocht, gegart oder gedünstet werden. Auch für die Kaffeemaschine nur abgekochtes Wasser verwenden.
  • Geschirr spülen Achten Sie darauf, dass das Wasser zum Geschirrspülen per Hand abgekocht ist. Unproblematisch ist aufgrund der verwendeten chemischen Reinigungsmittel und bei Temperaturen über 60 Grad das Spülen in der Geschirrspülmaschine.

(Quellen: Stadt, Gesundheitsamt)

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