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Umwelt

29.11.2017

Grünes Gersthofen?

Speist demnächst ein Nahwärmenetz, das den Gewerbepark an der B2 versorgt: das Kraftwerk im Industriepark. Es schluckt pro Werktag 20 Lastwagenladungen voller sogenannter Ersatzbrennstoffe.
Bild: Archiv Marcus Merk

Industrie prägt das Image der Stadt. Doch die macht sich inzwischen auf den Weg, feilt an ihrer Energiebilanz – und will sogar Beihilfen für Elektro-Lasträder zahlen

Gemessen am Energiehunger sind die Rollen in Gersthofen klar verteilt. Zuerst kommen Industrie und Gewerbe – und danach lange nichts mehr. Mit einem durchschnittlichen Bedarf von 350000 Megawattstunden – das entspricht dem jährlichen Energiebedarf von mehr als 100000 Haushalten – ist der Industriepark, dessen eigenes Kraftwerk pro Tag 20 Lastwagen voller Brennstoffe schluckt, der mit Abstand größte Verbraucher im Stadtgebiet. So steht es in einer Studie im Auftrag der Stadt, welche die Wärmenutzung dort unter die Lupe nimmt.

Abwärmenutzung aus dem Industriepark, so einer der Autoren bei der Vorstellung der Ergebnisse im Energie-und Umweltausschuss des Stadtrats, berge „riesige Potenziale“. Das zeigt auch ein konkretes Vorhaben. So soll kommende Woche ein Nahwärmenetz in Betrieb gehen, mit dessen Hilfe der B-2-Gewerbepark im Norden Gersthofens mit Fernwärme aus dem Industriepark Gersthofen versorgt wird. Dieser stellt hierfür einen Teil der Abwärme aus seinem Ersatzbrennstoff-Kraftwerk in einem extra dafür aufgebauten Fernwärmenetz zur Verfügung.

Ein Modell auch für Privathaushalte? Laut der Studie des Instituts für Energietechnik heizen etwa 40 Prozent der Privathaushalte in Gersthofen mit Öl, 60 Prozent mit Gas. Das sei angesichts des gut ausgebauten Versorgungsnetzes für Gas ein eher niedriger Wert. Veränderungen aber werden Zeit brauchen. Die Stadt hat laut Bürgermeister Michael Wörle inzwischen 19 Projekte in der Pipeline, die man in den kommenden Jahren näher betrachten und eventuell verwirklichen will. Stadtrat Markus Brem (Freie Wähler) erinnerte im Ausschuss an die Verwertung von Biomasse. Schließlich sei die Stadt auch ein großer Waldbesitzer.

Fortgesetzt werden soll auf jeden Fall der Bau von Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften. Dafür bekam die Stadtverwaltung vom Energieausschuss einstimmig grünes Licht. Zuletzt hat die Stadt heuer auf der neuen Turnhalle der Mittelschule eine Photovoltaikanlage installiert, die Stadtwerke zapften mit Anlagen an Bauhof, Freibad und Wasserwerk die Sonne an. Man würde den Ausbau der Sonnenenergie-Nutzung auch weiter übernehmen, so Stadtwerkechef Bernhard Schinzel. Im Ausschuss wurde eine Größenordnung von ein bis zwei Anlagen im Jahr genannt.

Neue Ladesäulen für E-Autos in der Tiefgarage

Fördern will die Stadt auch den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge. Zum einen wird es in der Rathaus-Tiefgarage Ladesäulen für E-Autos geben, auf dem Rathausplatz sollen Ladesäulen für Elektro-Fahrräder entstehen. Künftig will die Stadt zudem den Kauf von Lastenpedelecs und Ähnlichem fördern. Bis zu 300 Euro soll es pro Gefährt geben, wenn es sich ein Gersthofer zulegt. In der Stadt München oder im Landkreis Bamberg gibt es ähnliche Förderprogramme.

Die Mehrheit der Stadträte im Ausschuss befürwortete den Vorschlag von Rathauschef Wörle. Die Förderung sei ein netter Gag und trage zur Popularität von E-Fahrzeugen bei. Gegenwind kam von der CSU. Deren Sprecher Max Poppe bezweifelte anhand der Größenordnung (höchstens 300 Euro pro Fahrzeug, 10000 Euro Budget) die Sinnhaftigkeit. Poppes Kritik: „Man muss nicht alles durchwinken, was grün ausschaut.“

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