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Diedorf

16.07.2020

Hier liegen die Hochwasser-„Hotspots“ in Willishausen

Nach Starkregen kommt es in Diedorf immer wieder zu Überschwemmungen.
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Nach Starkregen kommt es in Diedorf immer wieder zu Überschwemmungen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Nicht nur die Kommune Diedorf, sondern auch Haus- und Grundstückseigentümer sind für Hochwasserschutz verantwortlich. Was das für Baugebiete bedeutet.

Was Ingenieur Bernhard Unterreitmeier vom Büro Aquasoli jetzt auf der ersten Sitzung des Diedorfer Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Entwicklung berichtete, hat die vielen anwesenden Willishauser Bürger nicht überrascht: Wenn ein Starkregen auf den Ortsteil und das benachbarte Oggenhof niederprasselt, dann wird die daraus folgende Sturzflut immer schlimmer. Doch jetzt steht fest: Auch die Zahlen bestätigen diesen Eindruck. Was Unterreitmeier aber auch sagt: Einen kompletten Schutz nur durch Baumaßnahmen wird es hier nicht geben. Das sei aber auch gar nicht mehr Stand der Entwicklung.

Zum Thema wurde der Hochwasserschutz in den beiden Ortsteilen im Jahr 2005. Damals setzte ein Starkregen Straßen und Keller auf ungewohnte Weise unter Wasser. Das Büro Aquasoli bekam den Auftrag, ein Konzept für Schutzmaßnahmen zu erstellen. Drei Rückhaltebecken waren der wesentliche Inhalt dieses Gutachtens. Doch passiert war seitdem wenig.

Thema wiederholt auf der Agenda

Erst vor gut einem Jahr setzte Bürgermeister Peter Högg das Thema wieder auf die Agenda, Bernhard Unterreitmeier wiederholte seine damaligen Erkenntnisse im Gemeinderat. Und wurde praktisch sofort von der Realität überholt: Nur wenige Wochen nach seinem Vortrag regnete es in Willishausen wieder in Sturzbächen – und mit viel schlimmeren Auswirkungen, als die alten Berechnungen ergaben.

Nun hat das Ingenieurbüro die Zahlen auf den neuesten Stand gebracht. Eingerechnet hat Bernhard Unterreitmeier nicht nur, dass es seit 2005 tatsächlich mehr regnet. Mit einer Laserscanmethode konnte die Modellierung der Landschaft viel genauer dargestellt werden, „die gab es 2005 schlichtweg noch nicht“, so der Ingenieur.

Herausgekommen sind nun vier „Hotspots“, die bei einem Starkregenereignis besonders stark betroffen wären: Die Schenkentalstraße, wo der Willishauser Bach eine Kurve macht, der Bereich, in dem der Dörleweg und die Straße Am Anger auf die Deubacher Straße treffen sowie mehrere Häuserzeilen an der Raiffeisenstraße in Oggenhof, die an den Willishauser Bach grenzen sowie teilweise Grundstücke am Lupinenweg. An der Raiffeisenstraße sind es vor allem die Rohrleitungen, die in ihrem Durchmesser nicht ausreichen, um bei einem Starkregenereignis, eventuell bei gleichzeitigem Hochwasser, die errechneten Regenmengen aufzunehmen.

Rückhaltebecken müssten größer sein

Was Bernhard Unterreitmeier auch sagt: Nach dem neuen Modell müssten alle drei Rückhaltebecken viel größer gebaut werden, als bislang errechnet. „Das ist wohl nicht mehr wirtschaftlich zu machen.“ Stattdessen müsse man einen anderen Weg gehen, den auch das Land Bayern inzwischen vertrete: Für Schutz vor Hochwasser und Starkregen muss nicht mehr allein der Staat oder die Kommune sorgen, es ist Aufgabe jedes Eigentümers von Gebäuden und auch von landwirtschaftlichen Flächen oder von Wald, vorzusorgen.

Dazu gehört etwa, dass die Kommune den Hausbesitzern frühzeitig Sandsäcke zur Verfügung stellt, dass in gefährdeten Lagen an den Terrassentüren Schienen für Schutzplatten angebracht werden oder sich Eigentümer um Versicherungen bemühen. Manchmal trage zur Sicherheit auch bei, wenn etwa das Schlafzimmer vom Erdgeschoss in den ersten Stock verlegt werde, so der zuständige Sachbearbeiter für den südlichen Landkreis Augsburg beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Donauwörth, Joachim Häußler.


Die Feuerwehr in Willishausen wollte am 22. Juni 2019 eigentlich die Sonnwende feiern. Stattdessen musste sie zum Einsatz: Willishausen stand, wie hier am Dörleweg, unter Wasser.
Bild: Ralf Meister

Die Kommune muss vor allem dann handeln, wenn Baugebiete neu ausgewiesen werden. Zudem können kleinere Maßnahmen sinnvoll sein, wie etwa ein Bypass an der Raiffeisenstraße an den zu engen Rohren vorbei direkt in den Willishauser Bach, so Högg, oder im Bereich des Oggenhofgrabens beim Weidenweg direkt in die Schmutter. Auch Straßen müssten in Zukunft, soweit verkehrstechnisch möglich, nicht unbedingt als „überflutet“ angesehen werden, sondern als gewollter Abflussweg für das Wasser.

Am Anfang steht aber freilich, dass Bürger und Kommune wissen, wo die gefährdeten Stellen sind. Der Umweltausschuss will dem Gemeinderat nun empfehlen, solch ein Gutachten für den gesamten Gemeindebereich in Auftrag zu geben. Eine erste Schätzung der Kosten dafür liegt bei 110.000 Euro, 75 Prozent davon zahlt in diesem Jahr noch der Freistaat. „Sie geben damit den Bürgern die Möglichkeit, sich zu informieren“, so Kurt Nunn auf der Sitzung, der im WWA für den Landkreis Augsburg zuständig ist.

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