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Interview

12.07.2017

Hilfe, ein verletzter Storch! Was kann ich jetzt tun?

Der abgestürzte Storch war so schwer verletzt, dass er eingeschläfert werden musste.

Storchenexperte Anton Burnhauser erklärt, warum es vor allem bei Jungtieren leicht zu Unfällen kommt

In Altenmünster-Zusamzell ist in der vergangenen Woche ein junger Storch vom Dach der St.-Nikolaus-Kirch gestürzt und musste aufgrund der schwerwiegenden Verletzungen eingeschläfert werden. Im Landkreis Augsburg kümmert sich Anton Burnhauser ehrenamtlich um die Störche.

Was könnte nach Ihrer Einschätzung die Ursache für den Sturz des Jungstorchs gewesen sein?

Wir haben in Sieghart Muthsam einen vorzüglichen Horstbetreuer. Wie er bestätigt, war der Jungstroch aus Zusamzell eigentlich noch viel zu jung, um das Nest zu verlassen. Dass ein Jungstorch einfach aus dem Nest fällt, kommt nur selten vor. Öfter werden von den Eltern kleinere Junge aus dem Nest geschmissen, wenn sie Parasiten haben oder nicht richtig bettelten. Vor allem aber wenn sie bereits tot sind. Nahrungsmangel und nasskaltes Wetter sind die hauptsächliche Todesursache für einen jungen Storch.

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Was sind die häufigsten Verletzungsursachen eines Storchs?

Die Ursachen sind bei jungen und alten Störchen meist ganz unterschiedlich. Jungstörche verletzen sich oft, indem sie bei der Landung auf einem Dach ausrutschen und dann in das Schneegitter geraten. Junge Störche sind noch ganz unerfahren. Da kann schon eine ganze Menge passieren. Wenn ein Storch beispielsweise verfrüht das Nest verlässt oder der Wind bei ersten Flugversuchen zu stark ist, kann sich ein Storch schnell verletzen. Außerdem können jungen Störche gefährliche Situationen nicht so gut einschätzen wie die älteren Störche.

Welche Situationen wären das?

Was immer wieder passiert, sind Leitungsanflug und Unfälle mit Autos. Wenn die jungen den älteren Störchen folgen, erkennen die Jungstörche manche Gefahren nicht. Laufen auch mal nichts ahnend über die Straße. Oder können Entfernungen nicht richtig einschätzen und fliegen irgendwo dagegen. Sich kreuzende Stromleitungen, enge Gassen in Altstädten, Unrat und Glasscheiben auf Mülldeponien können für einen Storch ganz schön gefährlich werden.

Wie schwerwiegend sind die meisten Verletzungen?

Manchmal stehen die Störche nur unter Schock und haben lediglich Schürfwunden, oder aber sie haben sich ein Bein oder einen Flügel gebrochen. Sie können sich auch Sehnen zerren oder Bänder reißen. Fast immer sind davon Flügel oder Beine betroffen. Allerdings sind die Verletzungen nicht immer so schlimm, wie man meint.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einen scheinbar verletzten Storch findet?

Das Gebot Nummer eins ist: Wenn man den Storch greifen kann, sollte man ihn an einen sicheren und stillen Ort bringen und näher untersuchen. Dazu sollte man am besten fachmännischen Rat einholen und dafür sorgen, dass der Storch zur Ruhe kommt. In unserem Landkreis gibt es für jeden Horst einen sogenannten „Horstbetreuer“.

Und wenn die Verletzungen nicht ganz so schlimm sind?

Soweit der Storch nicht schwerer verletzt ist, sollte man ihn in der Nähe des Horsts im freien Gelände wieder freilassen, damit die Altstörche ihn sicher wieder finden können. Um den Storch nicht aufzuscheuchen, sollten Hunde nicht frei herum laufen und auf Abstand gehalten werden. An heißen Tagen kann es helfen, wenn der Storch ein Schälchen Wasser bekommt. Futter kann sich auch ein verletzter Storch selber suchen.

Was sollte man auf keinen Fall tun?

Den Storch ohne nähere Untersuchung gleich in eine Pflege- oder Auffangstation bringen. Wenn beispielsweise ein freigelassener Pflegling am Ortsrand das Fliegen übt und anfänglich Probleme hat, sollte man nicht versuchen, ihn einzufangen. Statt dessen in Ruhe lassen und aus sicherem Abstand beobachten. Häufig brauchen sie nur etwas Zeit. Manche Menschen schätzen die Situation einfach falsch ein.

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