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Hochfeld

30.09.2010

Kaserne wandelt sich zum Palais

Kaserne wandelt sich zum Palais
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Das "Löwendenkmal" 1898 nach der Einweihung.

Das 10,5 Hektar große Areal der früheren Prinz-Karl-Kaserne zwischen Von-der-Tann- und Schertlinstraße wurde zum "Konversionsgrundstück". "Konversion" bedeutet "Umwandlung". Von Franz Häussler

Hochfeld. Das 10,5 Hektar große Areal der früheren Prinz-Karl-Kaserne zwischen Von-der-Tann- und Schertlinstraße wurde zum "Konversionsgrundstück". "Konversion" bedeutet "Umwandlung". Die klassische Variante lautete "Aus Schwertern Pflugschare schmieden", die zeitgemäße Version dieses Begriffes ist die Umwandlung von Kasernen zu Wohn-, Geschäfts- und Kulturbauten - einst Militärisches dient friedlichen Zwecken. Dies geschah mit dem gewaltigen Areal der Prinz-Karl-Kaserne. Der Wandel vollzog sich mit dem Auszug der letzten Bundeswehr-Dienststelle am 30. September 1994 und dem Kauf der Liegenschaften durch die Stadt Augsburg am 31. Dezember 1994.

Der Umbau begann im lang gestreckten, jedoch baulich vielgliedrigen Trakt der einstigen Bataillonskaserne an der Schertlinstraße. Ihr Bau erfolgte 1882/84 für etwa 750 Mann des "Königl. Bayer. 3. Infanterie-Regiments Prinz Karl von Bayern". 1885 wurde die neue Kaserne nach dem Bruder von Bayern-König Ludwig I., dem Feldmarschall Prinz Karl (1795-1875), benannt. Er war auch der "Taufpate" für die Karlstraße im Stadtzentrum. Die Kaserne durfte ihren wohlklingenden und werbeträchtigen Namen auch nach der Umwidmung behalten. Das 100 000-Quadratmeter-Areal wurde zum "Prinz-Karl-Viertel", die unter Denkmalschutz stehende einstige Truppenunterkunft Schertlinstraße 21 bis 25 zum "Palais". Der restaurierte Blankziegelbau gilt als bewahrenswertes spätes Beispiel des sogenannten "Maximilian-Stils".

Ursprünglich war ein Teil jener Fläche, die 1881 für eine weitläufige Kasernenanlage ausersehen wurde, als Erweiterungsgelände für den Protestantischen Friedhof vorgesehen. Aus strategischen Gründen wurde stadtnahes Areal sowohl an der Bahnlinie nach München wie in nächster Nähe des Schienenstrangs nach Lindau für eine neue Kasernenanlage gewählt. Das 3. Bayer. Infanterie-Regiment (es hatte die Bezeichnung "Prinz Karl" 1866 durch König Ludwig II. erhalten) war ab 1806 im einstigen Jesuitenkolleg St. Salvator an der Jesuitengasse und im aufgelassenen Augustiner-Chorherrenstift bei Heilig Kreuz mitten in der Stadt untergebracht.

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Ab 4. November 1884 zogen die Infanteristen in die neue Kaserne um. Zehntausende Rekruten rückten in den nachfolgenden 60 Jahren hier ein, bekamen auf dem weiten Hof ihren ersten "Schliff". Aufgrund der hohen Frequentierung ist eine Vielzahl an Bildpostkarten erhalten, mittels derer die Soldaten Verbindung mit Bräuten, der Familie und Freunden hielten. Bis zur Bombardierung am 16. März 1945 diente die Prinz-Karl-Kaserne ausschließlich militärischen Zwecken. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die UNRRA, eine Organisation zur Rückführung und Versorgung von Flüchtlingen und Verschleppten, darin untergebracht. Von 1951 bis 1968 belegte die US-Armee das Areal. 1969 zogen deutsche Militärdienststellen ein. 1991 kündigte das Verteidigungsministerium die Freigabe bis 1994 an. Danach folgte ein städtebaulicher Ideenwettbewerb zur Neunutzung und Bebauung.

Das benachbarte einstige "Garnisons-Arrestlokal" an der Hochfeldstraße hatten längst die Justizbehörden übernommen. Als letztes militärisches Überbleibsel verließ das an der Von-der-Tann-Straße untergebrachte Kreiswehrersatzamt das einstige Kasernengelände. Das heute in einen 1,7 Hektar großen Park integrierte "Löwendenkmal" erinnert noch an die Geschichte. Es hatte bescheidene Ausmaße, als es 1898 zum 200-jährigen Regimentsjubiläum inmitten des Exerzierhofes aufgestellt wurde. Erst 1933 erhielt der bronzene Löwe eine martialische Ummauerung aus Rohziegeln. Ein als Monument für die Gefallenen des Königl. Bayer. 4. Feldartillerie-Regiments "König" aufgerichtetes Kanonenrohr befindet sich beim Kasernen-Nordtrakt. Es stand bis 1989 in der nahen Hindenburg-Kaserne.

Aus dem sechsten Stockwerk des nunmehrigen Prinz-Karl-Palais bietet sich der beste Überblick über das "Konversionsgrundstück". Dessen Bebauung ist noch nicht völlig abgeschlossen, die Infrastruktur für die Bewohner jedoch geschaffen. Sie schätzen neben der zu Fuß oder per Fahrrad schnell erreichbaren Kernstadt und dem integrierten ausgedehnten Park mit zwei Kinderspielplätzen das Angebot an Restaurants und Lebensmittelgeschäften, einer Poststelle und weiteren Annehmlichkeiten.

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