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Prozess in Augsburg

25.01.2019

Kinderhandel: Eltern erheben irre Vorwürfe gegen Lehrerin

Die angeklagten Eltern zeigten sich bis zum Ende der Verhandlung uneinsichtig.
Bild: Peter Endig, dpa (Symbol)

Plus Sogar die Sozialarbeiterin soll Kinder an ein kinderpornografisches Netzwerk verkauft haben, behaupteten sie - und streiten vor Gericht alles ab.

Massiv beleidigt und bedroht haben die Eltern einer Zweitklässlerin die Klassenlehrerin der Tochter. Sie würde Schüler zu geheimen Treffen in ihr Büro holen, betreibe Kinderhandel, sei skrupellos und hätte die Sozialarbeiterin instruiert, Mobbing zu betreiben. Ähnliches schrieben sie in einer E-Mail an die Mutter einer Mitschülerin. Dafür mussten sie sich nun vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: üble Nachrede und Beleidigung.

Viel hatten die Angeklagten zu ihrer Verteidigung nicht zu sagen. Lediglich die Frage, ob das Gericht nachweisen könne, dass die Schreiben wirklich von ihnen stammen, warf der 60-jährige Beschuldigte immer wieder ein. Doch das konnte Richterin Ebel-Scheufele schnell klarstellen. Denn die Schreiben waren von den Angeklagten unterschrieben und persönlich im Schulsekretariat abgegeben worden. Der Direktor der Grundschule erklärte, er habe eines der Schreiben persönlich entgegengenommen.

Vorwurf eines kinderpornografischen Netzwerks

Auch dass die E-Mail an die Mutter einer Mitschülerin von den Angeklagten verschickt wurde, bezweifelte das Gericht nicht. Darin behaupteten sie, die Sozialarbeiterin der Schule würde sich sozial schwache Kinder aussuchen, um sie an ein kinderpornografisches Netzwerk zu verkaufen. „Ich war geschockt, als ich das gelesen habe“, betonte die Mutter der Mitschülerin. Die 46-jährige Angeklagte habe ihr angeboten, darüber zu sprechen. Doch die Mutter wandte sich stattdessen an die Polizei.

Auslöser für die Schmähschriften war, dass sich die Klassenlehrerin an die Sozialarbeiterin der Schule wandte, ohne die Angeklagten darüber zu informieren. „Dafür brauche ich meines Wissens keine Einverständniserklärung der Eltern“, betonte die Lehrerin. Die Tochter der Angeklagten habe Defizite und würde nicht sprechen. Sie habe auch keinen Kontakt zu ihren Mitschülern. „Um herauszufinden, wo das Problem liegt und warum das Kind nicht spricht, habe ich die Sozialpädagogin eingeschaltet“, betonte die Lehrerin.

Sie habe mehrfach das Gespräch mit den Eltern gesucht, doch sie seien nie zu den vereinbarten Terminen erschienen. Die Sozialarbeiterin erklärte, sie habe einmal mit der Tochter der Angeklagten gesprochen. Daraufhin habe sie die Anweisung erhalten, den Kontakt mit dem Mädchen zu unterlassen.

Angeklagte wittern eine Verschwörung

Die Angeklagten zeigten sich bis zum Ende der Verhandlung uneinsichtig. Sie witterten hinter der Anklage eine Verschwörung zwischen Schule und Jugendamt und erklärten, in Berufung gehen zu wollen. Dass keine Vorstrafen gegen die beiden vorliegen, wertete Staatsanwältin Katharina Horn als positiv. Doch gerade im kleinen Kreis einer Schule würden sich derartige Falschaussagen schnell verbreiten. Es handle sich um eine üble Denunziation.

Die Staatsanwältin sprach sich deshalb für eine Strafe in Höhe 6750 Euro (je 150 Tagessätzen zu 15 und 30 Euro) für die Angeklagten aus. Richterin Ebel-Scheufele folgte mit ihrem Urteil dieser Forderung. Die Angeklagten hätten die Zeugen auf übelste Weise diffamiert. „Wenn man sich um das Wohl seines Kindes sorgt, kann man das Gespräch mit der Schule suchen, aber keine beleidigenden Schreiben aufsetzen“, betonte sie.

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