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Landkreis Augsburg

11.04.2019

Krötenwanderung: Was bringen die Zäune?

Zwischen Wörleschwang und Reutern gibt es fest installierte Durchlässe, damit die Amphibien unversehrt auf dem Weg zu ihren Laichgewässern die Straße queren können. 

Jedes Jahr machen sich Tausende Amphibien im Augsburger Land auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Was die Schutzmaßnahmen entlang der Straßen bewirken.

Schon Mitte März waren freiwillige Helfer des Bund Naturschutz zum ersten Mal unterwegs. Sie sammelten etwa 80 Kröten am Schutzzaun bei Wellenburg ein und brachten die Tiere sicher auf die andere Straßenseite. Ein Glücksfall, denn der Zaun wurde erst am Abend vor der ersten Wanderung aufgebaut. Bund-Geschäftsstellenleiterin Erika Bißle sagt: „Ohne den Zaun wäre sicherlich ein Großteil der Tiere überfahren worden.“

Genaue Zahlen hat Bißle noch keine, aber sie betont, dass die Krötensaison „sehr gut“ angelaufen sei. „Es waren schon viele Tiere und Helfer unterwegs“, erklärt die Naturschützerin. Die Wanderung der Kröten beginnt jedes Jahr, wenn die Nächte wärmer werden und es keinen Frost mehr gibt. Nicht nur Kröten gehen dann auf Wanderschaft, auch andere Amphibienarten wie Frösche und Molche sind unterwegs. Der zuständigen Fachstelle am Landratsamt zufolge starteten einzelne Tiere schon Mitte Februar. Die meisten Amphibien seien jedes Jahr im Süden des Landkreises zwischen Waldberg und Klimmach unterwegs, erklären die Experten.

Größte Gefahr sind die Straßen

Die größte Gefahr für die Tiere während der Wanderung sind Straßen. Viele schaffen es nicht auf die andere Seite und werden überfahren. Den unangenehmen Anblick der plattgefahrenen Amphibien kennt jeder, der auf den betroffenen Strecken unterwegs ist. Zäune und Tunnel sollen Abhilfe schaffen. Aber sind die Maßnahmen immer so wirksam wie in Wellenburg?

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Elisabeth Renning leitet die Ortsgruppe des Bund in Horgau und engagiert sich schon seit mehreren Jahrzehnten in der Krötenhilfe. Im Umkreis von Horgau gibt es zwei Schutzzäune, einen kurz vor der Abzweigung der A5 Richtung Rommelsried und einen weiteren entlang der Staatsstraße 2510 Richtung Biburg kurz nach der Kreuzung. Der Zaun an der Straße Richtung Biburg ist fest installiert und steht das ganze Jahr an derselben Stelle, den anderen baut der Horgauer Bauhof jedes Jahr neu auf.

Das ist laut Landratsamt auch so vorgesehen. Die zuständige Fachstelle hat den Überblick über die betroffenen Straßen im Landkreis und reagiert auch, wenn neue Wanderrouten bekannt werden. Das Landratsamt ist gegebenenfalls auch bei der Finanzierung und Beschaffung der Zäune behilflich.

Kröten haben keinen Fluchtinstinkt

Das Prinzip der Zäune ist denkbar einfach. Sie versperren die Route der Amphibien und zwingen die Tiere dazu, am Zaun entlangzu- wandern. Dort sind Eimer eingegraben, in welche die Kröten dann fallen und am nächsten Morgen eingesammelt werden. Die Methode sei „auf jeden Fall wirksam“, sagt Renning. Kröten zum Beispiel hätten keinen Fluchtinstinkt, wenn sie Autolichter sähen. „Anstatt zu fliehen, verfällt das Tier in eine Starre“, sagt die Naturschützerin. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, dass die Tiere es gar nicht auf die Straße schaffen.

Tunnel gibt es in der Region nur in der Nähe von Welden. Die Bund-Ortsgruppe von Leiterin Irmgard Delpino engagiert sich hier in der Krötenrettung. Jedes Jahr sind in dem Gebiet an die 2000 Kröten unterwegs. Mit dem Krötentragen hat die Weldener Gruppe schon am 16. März begonnen.

Entlang der Straße zwischen dem Weldener Ortsteil Reutern und Wörleschwang gibt es insgesamt 14 Kleintierdurchlässe. Die meisten sind mit mobilen Folien-Schutzzäunen als Leiteinrichtung für die Amphibien ausgestattet. Allerdings gibt es ein Problem: An den Waldwegen, die auf die Straße münden und auch von den Kröten gerne genutzt werden, seien aktuell nur Bretter angebracht, die nicht vollständig zum Boden abschließen, erklärt Delpino. Dort finden die Tiere einen Durchlass. An diesen Stellen hätten die Helfer bis Anfang April schon 19 überfahrene Tiere gezählt.

Naturschützer helfen den Kröten

Besonders stolz ist Irmgard Delpino allerdings, dass die Populationen in dem Gebiet nicht zurückgehen. „Bei uns geht es gegen den Trend“, sagt sie. Als Grund nennt sie einen Biber-Staudamm, mit dem neue Laichgewässer geschaffen werden. Außerdem biete eine Gartenabfalldeponie auf der gegenüberliegenden Anhöhe ein gutes und „ausbaufähiges Winterquartier“. Hinzu kommt die geschützte Wanderstrecke durch den Wald. Alles in allem habe sich die Zahl der Amphibien um Welden in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Elisabeth Renning aus Horgau geht nicht nur mit Helfern vom Bund Naturschutz auf Krötenmission. Immer wieder nimmt sie auch Schulklassen mit zu den Zäunen. „Für Kinder ist das etwas Großartiges“, betont sie. Das Erlebnis, eine Kröte in der Hand zu halten, beschreibt sie als „wunderbar“. Die Tiere seien nicht glitschig und feucht, sondern eher trocken. Außerdem schwärmt sie vom warmen, sanften Quaken in den Eimern. Renninger bemüht sich um den Nachwuchs an Krötenträgern, aber sie will auch selbst noch so lange Kröten retten, „wie meine Füße mitspielen“.

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