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Mobilfunk

26.06.2014

Lützelburger fürchten um ihre Gesundheit

Telekom stellt im Gablinger Gemeinderat ihre Pläne zur Umstellung auf die LTE-Technik vor

Wenn es um Mobilfunkantennen geht, sind die Gablinger und vor allem die Lützelburger vorsichtig geworden. Der Widerstand der Bevölkerung gegen den Sendemast von E-Plus auf einem Lützelburger Anwesen, der letztlich nun doch auf den Behördenfunkmast (BOS) beim Gablinger Hochbehälter verlegt werden soll, lässt die Kommunalpolitiker vorsichtig agieren. So geschah es auch in der Gemeinderatssitzung: Dem Antrag der Telekom, ihre Antennen auf dem Feuerwehrhaus Lützelburg auf die neue LTE-Technik umzurüsten, wurde nicht stattgegeben.

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Erst einmal, so hieß es nach ausgiebiger Diskussion, solle das bestehende Immissionsgutachten des Umweltinstituts München zum Behörden- und Mobilfunk in Gablingen auf den aktuellen Stand gebracht werden, indem auch Messpunkte in Gablingen mit aufgenommen werden. Mit dem Ergebnis werde man dann im Gemeinderat weiterdiskutieren. Denn eigentlich ist das Ansinnen des Gremiums, alle Mobilfunkantennen auf den BOS-Sendemast zu konzentrieren und aus den Ortsteilen herauszunehmen.

Erstmals durften sich vor der Sitzung in einer Bürgerfrageviertelstunde die Bürger zu Wort melden. Sowohl Heinz Müllenbeck, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Elektrosmog, als auch Bernhard Graf, Mitglied der Bürgerinitiative, meldeten dabei ihre Bedenken an, was die Strahlenbelastung der Bürger durch die für die LTE-Technik erforderlichen Antennen betrifft.

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Jeder Provider sollte, so Müllenbeck, prüfen, ob er seine Sendeanlage nicht auf dem BOS-Mast unterbringen könne. Eine wissenschaftliche Begutachtung, was die Gesundheitsgefährdung durch Strahlung anbelangt, gebe es noch nicht – deshalb sollte die Beweislast beim Anbieter liegen, meinte Müllenbeck.

Auf die mögliche Gesundheitsgefährdung ging Erwin Walch, Projektbeauftragter der Telekom, nicht ein, was die Gemeinderäte kritisch vermerkten. Ein Restrisiko gebe es immer, aber das sei „vergleichsweise gering“. Jedenfalls möchte die Telekom die GSM-Technik der Lützelburger Anlage auf die neue LTE-Technik – die „Mobilfunktechnologie von morgen“, so das Unternehmen – umstellen. Dies solle aber nur in Übereinstimmung mit der Gemeinde geschehen. Während einer Übergangsfrist bliebe die bisherige Technik noch bestehen. Dazu würden die Antennen auf dem Feuerwehrhaus ausgetauscht. Die Telekom installiere drei Antennen aufs Dach mit einer Höhe von circa zwei Metern. Sie biete der Gemeinde sechs verschiedene Antennenkonfigurationen an. Die höchste Variante sei von den Immissionen allerdings die günstigste.

Da der bestehende Vertrag noch sechs bis acht Jahre laufe, könne die Firma die LTE-Technik eigentlich jetzt schon und ohne Zustimmung Gablingens installieren, aber das wolle sie nicht. Sie sei wegen der Investitionskosten auch weiter an einem langfristigen Vertrag interessiert.

Idealerweise müsse eine Sendeanlage im Zentrum des Versorgungsbereichs liegen und die umliegende Bebauung geringfügig überragen, erklärte Walch. Die Telekom baue deshalb meist in den Ortschaften, um nah im Versorgungsgebiet zu sein. Mehr Basisstationen bedeuteten eine kleinere Sendeleistung und damit auch niedrigere Immissionen, betonte Walch und zitierte eine Messung der Bundesnetzagentur 2008 in Lützelburg, wonach die maximalen Grenzwerte hier nur zu 0,1 Prozent ausgeschöpft würden – die Strahlung also sehr gering sei.

Eine Verlegung der Anlage auf den BOS-Mast passe nicht in die Netzstruktur. Die Telekom habe in Gablingen und Lützelburg so viele Kunden, dass sie beide Standorte erhalten wolle. Würden beide auf den BOS-Mast verlegt, gebe es Kapazitätsprobleme. Die Installation der Technik in Gablingen-Ort habe die Telekom wegen des geplanten Ortszentrums noch verschoben.

Die Kommunalpolitiker betonten noch einmal ihren Wunsch, alle Sendelanlagen auf den BOS-Mast zu verlegen. „Die LTE-Technik dient dazu, dass Leute mit ihren Smartphones Spaß haben“, monierte Johannes Smola (Lützelburger Liste). Er sehe nicht ein, dass er deshalb eine hohe Strahlenbelastung in Kauf nehmen müsse. Auch Martin Uhl (CSU) glaubte, dass man in Lützelburg die neue Technik nicht brauche, da der Ort keine Industrie habe. „Wir wissen nix, haben aber ein ungutes Gefühl“, fasste Walter Wörle (SPD/BU) zusammen und wünschte Information durch einen neutralen Fachmann.

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