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Abwasser

04.02.2012

Rote Karte für Vogelsang als Baugebiet

Die Häuser in Neusäß-Vogelsang liegen weit voneinander entfernt. Dies erhöht die Kosten für einen Kanalanschluss an das öffent- liche Netz. Eine Alternative für die Anwesen sind daher Kleinkläranlagen.
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Die Häuser in Neusäß-Vogelsang liegen weit voneinander entfernt. Dies erhöht die Kosten für einen Kanalanschluss an das öffent- liche Netz. Eine Alternative für die Anwesen sind daher Kleinkläranlagen.
Bild: Foto: Marcus Merk

Anwesen im Fuchsweg/Biberweg werden nicht an das Kanalnetz angeschlossen

Neusäß Die Abwasserentsorgung in Neusäß-Vogelsang gleicht einer unendlichen Geschichte. Seit Jahren ringt die Stadt mit den Anwohnern um Lösungen für die zerstreut angesiedelten Anwesen. Das meiste ist inzwischen geklärt, Probleme gibt es aber noch im Fuchsweg/Biberweg. Nun beschloss der Stadtrat, dass ein Anschluss an das öffentliche Kanalnetz nicht weiter angestrebt wird – zum sichtbaren Unmut der rund zehn betroffenen Zuhörer.

Von Seiten der Anwohner war der Wunsch nach einer öffentlichen Sitzung über ihr Anliegen gekommen. Sie hörten zunächst einen Vortrag von Bauamtsleiter Gerald Adolf, der wegen vieler technischer und baurechtlicher Aspekte sehr komplex war. Die Situation: In Vogelsang sind sechs Anwesen mit Druckleitung angeschlossen, sechs Kleinkläranlagen wurden ertüchtigt. Noch nicht geklärt ist die Abwasserentsorgung im Dachsweg. Ein Mann will nicht, dass der Kanal auf seinem Grund verlegt wird, so Adolf. Die drei dahinter liegenden Häuser können daher nicht angeschlossen werden. Adolf: „Es geht nur, wenn alle mitmachen, aber mit einem Bürger kommen wir nicht voran.“

Jurist spricht von „gewissem Prozessrisiko“

Im Fuchsweg/Biberweg gibt es 14 dauerhaft bewohnte Anwesen, dazu noch mehrere Grundstücke, die für die Freizeit genutzt werden. 13 der fest ansässigen Eigentümer wären an einem Kanalanschluss interessiert, berichtete Adolf. Allerdings würden inzwischen auch die Besitzer anderer Grundstücke diesen Wunsch äußern.

Die Stadt hat einen Juristen zur Beratung eingeschaltet. Er warnt: Der Bereich Vogelsang stehe auf der Kippe zu einem Ortsteil. Jede weitere Bebauung könnte den Außenbereich zu einem Innenbereich umwandeln. Der Anwalt der Stadt spricht von einem „gewissen Prozessrisiko“, dass dann Baurecht eingeklagt wird. Einen Kanalanschluss bewertete der Jurist als Signal, dass über die Hintertür ein neues Baugebiet entstanden sei.

Der Stadtrat musste also abwägen zwischen dem ökologisch sinnvollen Anschluss, der von den Anliegern gewünscht wird und einer Zunahme bebauter Grundstücke in Vogelsang. Bisher ist dort nach Ansicht der Stadt und des Landratsamts kein Bauland.

Sollte Vogelsang als Baugebiet gelten, dann würde dies weitere Themen wie Lärmschutz oder Straßenerschließung nach sich ziehen. „Wir müssten die Kosten wie in anderen Baugebieten auch auf die Anlieger umlegen,“ macht Bürgermeister Hansjörg Durz klar. Die Bewohner in Vogelsang müssten analog zur Kasse gebeten werden wie zum Beispiel in Aichach-Nord oder im neuen Wohngebiet an der Kolpingstraße in Steppach.

Die Kosten für Lärmschutz an der B300 bei Vogelsang seien aber ungeheuer groß, wegen der erforderlichen Höhe und Länge der Wand. Adolf: „Wir reden hier von sehr hohen Kosten für die Beteiligten.“ Dieses Problem könnte sich in einigen Jahren relativieren: Bei einem Ausbau der B300 würde der Bund den Lärmschutz zahlen.

Durz sieht das Grundproblem mit der Erschließung der Siedlung in Vogelsang so: „Das Gebiet ist vor vielen Jahren nicht geplant entstanden. Heute wollen die Bewohner aber genauso behandelt werden wie in anderen Wohngebieten auch.“

Nur der Grünen-Stadtrat Michael Frey sprach sich für einen Kanalanschluss von Fuchsweg/Biberweg aus: „Das ist die ökologisch beste und nachhaltigste Lösung“ Die Mehrkosten seien in „einem vertretbaren Rahmen“. Die große Mehrheit im Gremium sah dies anders.

Die Stadt will allerdings prüfen, ob durch die von den Anwohnern signalisierte Kostenbeteiligung ein Rechtsanspruch auf einen Kanalanschluss entsteht. Es sieht so aus, als ob die unendliche Geschichte noch weitere Kapitel bekommen wird.

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