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Gersthofen

17.04.2019

Selbstversuch: Wieder runter kommt beim Stabhochsprung jeder

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4 Bilder
Um sich den Traum vom Fliegen beim Stabhochsprung zu erfüllen, sind Mut und Körperspannung erforderlich. Trainer Josef „Maxi“ Liepert steht Lisa Kessner dabei mit Rat und Tat zur Seite. 
Bild: Andreas Lode

Plus Mit etwas Mut und und der richtigen Körperspannung kann man sich den Traum vom Fliegen erfüllen. Die „Babyhaltung“ aber sollte vermeiden werden. 

Welcher Sport ist für mich geeignet? Im Selbstversuch testen wir seit Wochen verschiedene Möglichkeiten, sich fit für den Frühling zu machen und fit zu halten, und geben anhand unserer dabei gesammelten Erfahrungen Tipps. Ob wir dabei wohl irgendwann „fit wie ein Turnschuh“ werden? Anregungen zu sportlichen Kostproben nehmen wir gerne entgegen unter der E-Mail-Adresse sportredaktion.landbote @augsburger-allgemeine.de.

Stabhochsprung klingt in meinen Ohren nach Stürzen aus luftiger Höhe. Diese Leichtathletik-Disziplin kannte ich nur von den Olympischen Spielen. Und da hätte sie eigentlich auch bleiben sollen – im Fernsehen, in sicherer Entfernung. Als mir für unsere ausgerechnet Stabhochsprung vorgeschlagen wurde, habe nicht nur ich gelacht.

Doch es nicht zu probieren – das wäre ja gelacht. Auf der Sportanlage Süd in Gersthofen erwarten mich auf dem Hartplatz neben der Laufbahn schon Trainer Josef Liepert und die U20-Sportlerin Talitha Moser. Mein erster Blick aber gilt der enormen grünen Matte, die die beiden von ihrer Winterabdeckung befreit haben. Sie sieht groß und weich aus. Aus persönlicher Wahrnehmung sinkt das Risiko namens Sportverletzung drastisch. Die Stabhochsprunganlage stimmt mich neugierig.

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Ein Urgestein des TSV Gersthofen

Josef, genannt „Maxi“, Liepert ist ein Urgestein des TSV Gersthofen. Seit Februar 1972 besitzt er den C-Trainerschein für Breitensport. Seitdem ist er Trainer für Leichtathletik. Sein Spezialgebiet sind die Hochsprung-Disziplinen. Ohne große Vorrede schickt er Talitha und mich los: Vier Runden auf der großen Rasenfläche laufen. Mit einem richtigen Aufwärmprogramm zieht man sich schließlich weniger Sportverletzungen zu.

Ich nutze die Joggingrunden, um Talitha ein wenig auszufragen. Mir – keinesfalls Sympathisantin der Bundesjugendspiele – war nämlich nicht von Begriff, wie jemand auf die Idee kommt, sich an einem langen Stock in die Lüfte zu schwingen. Aber Talitha ist begeisterte Leichtathletin. Seit acht Jahren ist sie beim TSV Gersthofen und trainiert Dreikampf, Kugelstoßen und am liebsten Springen: Hoch-, Weit- und Stabhochsprung. Ungefähr seit einem Jahr trainiert sie diese Disziplin. „Ich hab damals bei Stabhochspringern zugesehen und fand es toll. Dann wollte ich das auch mal machen.“

„Hauptsache ist, du hast keine Angst vor Höhe“, sagt Trainer „Maxi“ Liepert bevor es los geht. „Ich habe schon gestandene Männer getroffen, die zwei Meter über dem Boden anfangen zu zittern.“ Zwei Meter über dem Boden? So weit nach oben komme ich an diesem Tag sowieso nicht.

Ein biegsames Glasfaserrohr

Talitha und ich nehmen den Stab in die Hand. Dabei handelt es sich um ein biegsames Glasfaserrohr, dass für eine bessere Griffigkeit mit einem rutschfesten Band umwickelt worden ist. Ich staune, wie weit der Stab sich biegen lässt und frage, ob er denn nicht brechen kann. Liepert lacht: „Wir hatten schon ein paar Sportler, die dachten, dass das nicht ginge. Schon hatte jemand zwei Teile in der Hand.“

Als Rechtshänderin greife ich den Stab von unten mit rechts und setze dahinter meine linke Hand. Dann strecke ich die Arme aus und versuche nachzuahmen, was Talitha mir vormacht: erst einmal verschiedene Laufübungen. Im Kniehebelauf fühlt sich der Stab in meinen Händen eher wie ein Hindernis als ein Sportgerät an.

„Früher hatte das Springen mit langen Stöcken eine ganz andere Bedeutung. Man nutzte diese Methode, um Bäche oder Gräben zu überqueren“, plaudert Liepert aus dem Nähkästchen. Seit 1896 ist der Stabhochsprung eine olympische Disziplin. „Es ist wie Weitsprung – mit einem Stab.“ Also nehmen Talitha und ich vor der Weitsprunggrube Anlauf und er markiert unsere Absprungstellen mit kleinen Hütchen.

Die Spitze schleift auf dem Boden

Am Anfang greife ich den Stab etwa in der Mitte. Mit dem rechten Bein stelle ich mich auf den Boden, das linke winkele ich an. Bei drei Schritten Anlauf schiebe ich den Stab vor mir her. Die Spitze schleift auf dem Boden. Dann steche ich damit in den Sandkasten und springe tatsächlich daran hoch. Das erste Mal noch mit Hilfestellung. Die anderen Male ohne.

Der kurze Moment, in dem ich mit Schwung über dem Weitsprungkasten hänge, gibt mir einen Adrenalinkick. Das Gefühl aus der Kindheit, wenn die Schaukel so hoch flog wie möglich, kommt dem ganz nahe. Es macht wirklich Spaß.

Die „Babystellung“ ist typisch für alle Anfänger

Von der richtigen Technik hängt viel ab. Mit Schwung, Präzision und Körperspannung fliegt es sich viel besser. Um die Landung mache ich mir im ersten Moment keine Gedanken. Runter kommt man immer irgendwie. Aber gerade hier merke ich, dass ich im Flug meine Körperspannung verliere. Nicht einmal einen halben Meter über dem Boden sorgt der ureigene Schutzinstinkt dafür, dass ich mich beim Landen zusammenrolle. „Babystellung“ nennt es Liepert. „Das ist typisch für alle Anfänger und schwer loszukriegen.“ Talitha zeigt, wie es richtig geht: Bei der Landung hält sie die Spannung und streckt elegant ein Bein. Ein paar meiner Versuche scheitern am fehlenden Gleichgewicht. Zwischendurch schaffe ich es auch.

Als Nächstes springen wir auf die große grüne Matte – ohne Latte. Mit dem Stab drücken wir uns dafür in einer Bodeneinkerbung ab. Sie besteht aus Metall und sieht ein wenig rutschig aus. „Die größte Gefahr besteht darin, den Stab zu unterlaufen“, warnt Liepert. Das heißt, zu spät abzuspringen. „Dabei kann der Rücken beschädigt werden.“

Ich brauche mehr Kraft in den Armen

Dieses Mal greife ich den Stab etwas weiter oben, bevor ich Anlauf nehme. Noch hält der Trainer mich beim Springen fest, aber ich brauche mehr Kraft in den Armen. Beim Springen rutsche ich ein paar Zentimeter am Stab herunter. „Wir zeigen dir, wie man sich aufrollt“, verkündet Liepert. Unter „Aufrollen“ versteht man, „mit den Beinen nach oben klappen.“ Das will, während ich mich – durch die Luft fliegend – am Stab festkralle, noch nicht so recht funktionieren. Die beiden machen ein Video von mir: Ich sehe mich selbst im Zeitraffer. Wie ich wieder die schützende „Babystellung“ einnehme, als der Stab kippt.

Es ist die letzte Übung, die wir machen. Wie bei den meisten Sportarten braucht es einiges an Training, um den Körper an die befremdlichen Bewegungen zu gewöhnen. Nahezu kopfüber auf eine Matte springen – mit einer langen Stange in den Händen? Nein, das ist meinen koordinativen Fähigkeiten leider zu verrückt. Umso überraschter bin ich, dass es am Tag darauf nur mein Oberarm ist, der ein wenig zwickt.

Folgende Artikel sind bereits in unserer Serie "Fit wie ein Turnschuh" erschienen:

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