Newsticker

Bei hohen Zahlen: Söder fordert eine bundesweite Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. So leben Behinderte im Landkreis Augsburg wirklich

Augsburg

14.04.2015

So leben Behinderte im Landkreis Augsburg wirklich

Eine Sondersitzung widmet der Kreistag am Freitag den Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung in der Region und ihrer Inklusion in die Gesellschaft.
Bild: Mathias Wild

Der Kreistag befasst sich auf einer Sondersitzung mit dem Ist-Zustand und möglichen Verbesserungen der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft.

Der Landkreis Augsburg geht mit schnellen Schritten voran: Eine Sondersitzung widmet der Kreistag am Freitag den Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung in der Region und ihrer Inklusion in die Gesellschaft. Ziel ist es, eine Leitlinie für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung zu beschließen. Die Arbeit hat bereits im Sommer 2013 begonnen. Damals wollte der Kreistag wissen, wie Menschen mit Behinderung im Landkreis leben – und hat sie zunächst selbst befragt. Heraus kamen Schwerpunkte wie barrierefreies Wohnen, Arbeit, Schule oder Mobilität.

Im Fokus stehen dabei nicht allein so augenfällig Beeinträchtigte wie Rollstuhlfahrer oder Blinde. Besonders groß ist die Gruppe jener Behinderten, denen man ihre Beeinträchtigung auf den ersten Blick gar nicht ansieht wie psychisch Behinderte oder Lernbehinderte. Zusätzlich zu sechs Arbeitsgruppen hat die Projektgruppe an eine Stichprobengruppe aus dem Landkreis 2360 Fragebögen zu ihrer Situation verschickt. Mehr als ein Drittel der Behinderten hatte an der Umfrage schließlich teilgenommen.

Landkreis befragt Behinderte zu ihrer Lebenssituation

Wohnsituation Zufrieden zeigten sich hier die allermeisten Befragten. Der überwiegende Teil lebt in Miete oder im Eigenheim; Menschen mit Lernbehinderung (40 Prozent) oder geistiger Behinderung (35 Prozent) aber auch in Wohnheimen. Menschen mit Behinderung finden im Landkreis Augsburg Wohnangebote, die ihrer Lebenssituation gerecht werden, so das Fazit im Aktionsplan. Dennoch soll es bald eine Beratungsstelle für Bauträger geben, die barrierefreien Wohnraum anbieten möchten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mobilität Die oft genannte Barrierefreiheit im öffentlichen Raum braucht viel mehr als abgesenkte Bordsteine oder Ampeln mit Signalton. Fast die Hälfte aller Behinderten kann sich, so die Ergebnisse der Umfrage, nur mit einer Begleitperson außer Haus fortbewegen. Bei den Suchtkranken sind es etwa ein Drittel, bei den Lernbehinderten 40 Prozent und bei den geistig Behinderten sogar knapp 70 Prozent. Barrierefreie Bushaltestellen und Ampelanlagen, die auch einen Ton von sich geben, gehören nun zu den Maßnahmen, die sich der Landkreis vorgenommen hat.

Arbeit Viele Behinderte sind in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingebunden, hat die Umfrage ergeben. Allerdings werden Arbeitsplätze für Menschen, die nur ein begrenztes Arbeitspensum schaffen, immer weniger. Am Ende geht es hier zumeist um die Frage, ob der eingeschränkte Arbeitnehmer den Tariflohn durch seine Arbeit auch erwirtschaften kann. So arbeiten zwar knapp 80 Prozent der geistig Behinderten, die an der Umfrage teilgenommen haben. Allesamt aber sind sie in Behindertenwerkstätten tätig.

Bei berufstätigen Menschen mit Lernbehinderung sind das noch 80 Prozent und Suchtkranke zur Hälfte. Körperlich Behinderte hingegen sind nur zu 20 Prozent in einer Behindertenwerkstatt tätig. Im Landkreis soll vor allem durch Aufklärungskampagnen nun die Bereitschaft von Arbeitgebern gesteigert werden, vermehrt Behinderte einzustellen oder sogar inklusive Arbeitsplätze einzurichten. Nischen, so die Auswertung, gebe es etwa als Ergänzungskräfte in Kindertagesstätten, in der Unterstützung von Senioren oder in der Pflege.

Ansprechspartner für Behinderte in der Verwaltung fehlen

Gerade die Eltern von behinderten Kindern haben oft das Gefühl, nicht genug aufgeklärt zu werden, wo sie Hilfen beantragen können, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Hilfe könnten da spezielle Ansprechpartner für Behinderte in den Verwaltungen sein. Doch die gibt es bislang lediglich in 19 der 46 Kommunen im Landkreis Augsburg.

Hinzu kommen die schönen und genussvollen Seiten des Lebens, die Teilhabe an Kultur, Freizeit und Sport. Auch mit denen wird sich der Kreistag auf seiner Sondersitzung mit Blick auf Behinderte befassen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einem Projekt der offenen Behindertenarbeit des Caritasverbands für den Landkreis und die Stadt Augsburg. Gemeinsam mit dem Diedorfer Eukitea gibt es dort seit drei Jahren das inklusive Theaterprojekt „Theater, Theater, Theater“, in dem Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam auf der Bühne stehen.

Termin Die Sondersitzung des Kreistags findet am Freitag, 17. April, um 9 Uhr im Großen Sitzungssaal im Landratsamt Augsburg statt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren