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Stadtbergen
24.03.2021

Stadtbergen will beim Verkehr mehr für den Klimaschutz unternehmen

Stadtbergen will seinen Verkehr umweltfreundlicher machen. Das gilt für Busse und Angebote fürs Radfahren. Aber auch Möglichkeiten, Autos zu nutzen ohne selbst eines zu besitzen, sind Teil der Diskussion.
Foto: Bernd Hohlen (Archivbild)

Stadtbergen fasst neue Beschlüsse. Die eigenen Klimaziele im Verkehrssektor sollen erfüllt werden und Nahverkehr und Mobilität ohne eigenes Auto besser werden.

Klimaschutz wird in Stadtbergen in Zukunft bei allen Verkehrsprojekten eine wichtige Rolle spielen. In der jüngsten Sitzung des Sicherheits- und Verkehrsausschusses der Stadt wurde über Anträge aus der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr abgestimmt. Das Resultat: Einige Bekenntnisse zum Klimaschutz im Verkehrssektor auf lokaler Ebene.

Alle drei Anträge zu den Themen Verkehr und Klimaschutz kamen von Michael Finsinger. Der Stadtberger hat ein Verkehrskonzept für den Ballungsraum Augsburg ausgearbeitet, das viel Wert auf ein attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr legt. Herzstück des Konzepts "Verkehr 4.0" sind Ringbuslinien, die im Fünf-Minuten-Takt auf den Bundesstraßen um Augsburg verkehren und so die Orte im Landkreis besser verknüpfen sollen. Laut Finsinger hätten sich sowohl das Landratsamt Augsburg bei der Ausarbeitung seines Mobilitätskonzeptes als auch der AVV bei der Ausschreibung des Nahverkehrsplans dazu bereit erklärt, seinen Vorschlag zu prüfen und bei positiver Bewertung zur Umsetzung zu bringen.

Das soll kommen: Ausbau der Radwege in Stadtbergen

Die Stadt Stadtbergen unterstützt das Konzept von Michael Finsinger in jedem Fall. Schon als das Thema zum ersten Mal im Stadtrat vorgestellt wurde, betonte Paul Metz, dass alle Fraktionen ihre Kontakte nutzen sollten, um "Verkehr 4.0" in den zuständigen Gremien – zum Beispiel im Kreistag – zu verbreiten. Kurz wurde in der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses darüber diskutiert, ob Stadtbergen in eigener Verantwortung eine Buslinie betreiben könnte, um das Projekt ins Rollen zu bringen. Paul Metz wehrte aufgrund der hohen Kosten ab und verwies auf die Zuständigkeit des Landkreises und des AVV. "Alleine könnten wir uns nicht einmal die Straßenbahn leisten", kommentierte er.

Auch der Verkehr mit Bus und Straßenbahn könnte in Stadtbergen noch besser sein. Das hat die Diskussion im Umweltausschuss besprochen.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Mit einem zweiten Antrag wollte Michael Finsinger erreichen, dass auch in Stadtbergen auf Klimaschutz geachtet wird. Man solle sich freiwillig für das Erreichen der Klimaschutzziele im Verkehrssektor engagieren, so die Formulierung. "Das wichtigste Thema ist für uns in diesem Zusammenhang der Ausbau der Radwege", erklärte der Bürgermeister. Allerdings verwies er auch auf die Umrüstung der Straßenlaternen auf LED, die viel Energie spare. Michael Finsinger nannte zusätzlich den Ausbau des Rufbus-Systems und des Angebotes an Leihfahrrädern und Lastenrädern.

Auf der Bank auf eine Fahrgelegenheit warten

Roswitha Merk (CSU) brachte eine Art Ride-sharing-App ins Gespräch. Wenn sie mit dem Auto nach Augsburg fahre, habe sie immer Platz für Mitfahrer. "Es wäre praktisch, wenn man die Fahrt eingeben und sich jemanden dazubuchen könnte", sagte sie. Allerdings wäre das erst nach der Pandemie wieder möglich. Thomas Miehler (Grüne) ergänzte eine Idee, die weniger technisches Know-how und Investitionen fordert: Sogenannte Mitfahrerbänke, auf die sich jeder setzen kann, der mitgenommen werden möchte. Im Landkreis Aichach-Friedberg gebe es das bereits, erklärte Paul Metz. Seine Verwaltung will jetzt ein paar Erfahrungsberichte einholen.

Fahrradstraßen, wie hier in Königsbrunn, sind aktuell in Stadtbergen nicht geplant. Stattdessen ging es auf der Sitzung des Ausschusses darum, ob Radwege sinnvoll sind.
Foto: Christoph Lotter (Archivbild)

Der dritte Antrag, der in der Sitzung diskutiert wurde, ist für Michael Finsinger die Quintessenz der beiden vorangegangenen. Grundsätzlich soll jeder Stadtberger auch ohne eigenes Auto schnell und zuverlässig mobil sein. Der Bürgermeister nannte die Kooperationen mit dem Carsharing-Service der Stadtwerke Augsburg und dem Leihradanbieter Nextbike, betonte aber auch: "Wir müssen weiter an der sogenannten letzten Meile arbeiten." Thomas Miehler regte an, mehr Werbung zum Beispiel für das Carsharing zu machen: "Ein Auto lohnt sich erst dann, wenn 25 Menschen es nutzen wollen." Viele wüssten das nicht. Alle drei Anträge von Michael Finsinger wurden im Ausschuss einstimmig angenommen.

Muss auf dem Radweg auch gefahren werden?

In einem letzten Antrag ging es um die Abschaffung der Nutzungspflicht für Radwege. Markus Voh hatte sich mit der Idee genauer beschäftigt und betonte: "Wenn wir die Nutzungspflicht abschaffen, also die entsprechenden Verkehrszeichen abnehmen, ist das faktisch die Abschaffung unserer Radwege." Der Grund: Wenn man will, dass es den Radfahrern weiter erlaubt ist, auf den dann reinen Fußwegen zu fahren, muss man ein "Fahrrad frei" Schild anbringen. Allerdings verpflichtet diese Ausnahme Radfahrer auch dazu, Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Voh präsentierte außerdem Studien, die betonen, dass eine Abschaffung der Nutzungspflicht kein Sicherheitsplus für Radler bringt. "Aus Sicht der Verwaltung ist das keine Verbesserung", erklärte er. Der Antrag wurde vom Ausschuss einstimmig abgelehnt.

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