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Diedorf/Kutzenhausen

19.03.2015

Sternstunde für Heimatforscher

Wie der Schüler sich wohl vor mehr als 100 Jahren in der Sonntagsschule gemacht hat? Heimatforscher in Diedorf und Kutzenhausen können das jetzt anhand der gefundenen Unterlagen herausfinden.
Bild: Marcus Merk

Es ist eine außergewöhnliche Entdeckung. Fast ein halbes Jahrhundert schlummerten historische Dokumente unbemerkt im Keller der Diedorfer Schule. Was für Erkenntnisse sie bringen können

Von Manuela Rauch

Es ist ein seltener Blick in die Vergangenheit, der sich dort auf einem Tisch im Diedorfer Rathaus bietet. Vier Stapel, nach Jahrzehnten geordnet, mit uralter Schulgeschichte aus Agawang, Rommelsried, Kutzenhausen und Diedorf. Die ältesten Dokumente sind um 1880 datiert, die jüngsten enden mit der Gründung des Schulverbands Diedorf 1968. Rund einhundert Hefte und Mappen umfasst der Schatz. Die Sammlung ist unbeschädigt. Die Seiten sind intakt, die feine Schrift kaum verblasst. Lediglich eine hauchdünne Staubschicht auf den grünen und blauen Buchdeckeln erinnert an die historische Brisanz. Ohne Zweifel ist das ein Sensationsfund.

Aufgestöbert wurde die Sammlung im letzten Sommer, als im Zuge der Brandschutzsanierung der Diedorfer Schulkeller ausgeräumt werden musste. Der glückliche Finder konnte seinen Augen nicht trauen, was er da, sorgfältig abgelegt und sicher verstaut in einem Stahlschrank, fand. „Dass die Dokumente so gut erhalten sind, ist ganz sicher der optimalen Aufbewahrung geschuldet“, sagt Herbert May, Kämmerer der Marktgemeinde Diedorf und im Heimatgeschichtlichen Verein aktiv. Wie sie dort hingelangt sind, lässt sich nur spekulieren. „Wahrscheinlich im Zuge der Schulverbandsgründung“, vermutet er. Denn die besiegelte auch das Ende der Schulen in den kleineren Ortsteilen.

Notizzettel in den Unterlagen deuten darauf hin, dass Ende der Sechzigerjahre die Papiere archiviert und abgelegt worden sind. Dass solch ein Schatz in den Kellergewölben der Schule schlummert, hätte Diedorfs Bürgermeister Peter Högg nicht gedacht. „Das ist jetzt wirklich eine Überraschung“, sagt er. Zusammen mit Kutzenhausens Bürgermeisterin Silvia Kugelmann blätterte er sich durch die historischen Bücher auf der Suche nach einem Stück eigener Familiengeschichte. Beide konnten kaum glauben, auf was für wertvolle Dokumente man da gestoßen war.

Die umfangreiche Sammlung umfasst Zeugnisse, Schülerbögen und Klassenbücher der Werktags- und Sonntagsschule. „Schau her, sogar der Fleiß wurde benotet“, staunt Silvia Kugelmann. Doch nicht nur das Betragen des Schülers wurde bewertet, auch Schönschrift und Gesang gehörten zu den Schulfächern des vergangenen Jahrhunderts. In den Bemerkungen wurde zudem akribisch festgehalten, welche sonstigen Talente der Schüler mitbrachte. Sofort stechen Familiennamen ins Auge, die auch heute noch in den einzelnen Ortsteilen zu finden sind. „Da werden sich ganz neue Verknüpfungen ergeben“, vermutet Kugelmann.

Die Dokumente aus der heutigen Großgemeinde Kutzenhausen werden jetzt ins dortige Gemeindearchiv gebracht. Die Unterlagen aus Diedorf hat Herbert May bereits archiviert, nicht ohne vorher die Heimatforscher zu informieren. „Die sind ganz heiß darauf“, sagt er.

Gerhard Fritsch vom heimatgeschichtlichen Verein in Agawang kennt die Unterlagen noch nicht im Detail, aber was er da aus Diedorf hörte, ließ das Herz des Heimatforschers höherschlagen. „Für unseren Verein ist das eine überaus wichtige Quelle. Wir erhalten wertvolle Einblicke in das Schulleben der Jahrhundertwende und in das Leben auf den ländlichen Dörfern zu dieser Zeit.“ Zumal in den Klassenbüchern auch die Namen und Berufe der Eltern verzeichnet sind. Sobald die Dokumente im Gemeindearchiv angekommen sind, wolle man mit der Arbeit beginnen.

Dass die Unterlagen noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert wurden, hält der Experte hingegen für richtig. „Es gibt eine Menge personenbezogener Daten. Es ist auch unsere Pflicht, die Anonymität zu wahren.“ Die Übergabe der Dokumente an das Gemeindearchiv Kutzenhausen habe vor allem einen symbolischen Charakter, wie Peter Högg betont. „Mehr als ein halbes Jahrhundert haben sie in unserem Keller geruht, jetzt wird es Zeit, dass sie wieder dorthin zurückkehren, wo sie hingehören.“

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