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Mickhausen-Münster

05.04.2018

Vor 50 Jahren: Münster erhält eigenes Wappen

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Vor 50 Jahren erhielt Münster ein eigenes Wappen, welches auch den Maibaum ziert. Es zeigt in der oberen Hälfte ein rotes gezinntes Burgtor und unten drei silberne Kugeln.
Bild: Walter Kleber

Die Verleihung kam gerade noch rechtzeitig zur 1000-Jahr-Feier. Woran das rote Burgtor und die drei silbernen Kugeln erinnern.

Ende der 1960er-Jahre – die große Gemeindegebietsreform warf bereits ihre ersten Schatten voraus – war im vormaligen Landkreis Schwabmünchen die große Zeit der Wappenverleihungen. Nach und nach stellte damals fast jede Gemeinde beim Bayerischen Innenministerium den Antrag, ein eigenes Wappen führen zu dürfen. Rechtzeitig zu ihrer 1000-Jahr-Feier 1969 legte sich auch die kleine, damals noch selbstständige Staudengemeinde Münster ein eigenes Wappen und eine Gemeindefahne zu. Bei einem großen Festabend am 5. April 1968 im Gasthof Köbler – also vor 50 Jahren – übergab der damalige Schwabmünchner Landrat Dr. Franz-Xaver Frey an Bürgermeister Josef Raffler das Wappen und die Verleihungsurkunde des Bayerischen Staatsministeriums des Innern. Das Wappen wurde von dem Augsburger Heraldiker und Reichsbahndirektor a. D. Hermann Korhammer, entworfen.

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Geteilt von Silber und Rot

Die amtliche Beschreibung lautet: „Geteilt von Silber und Rot; oben ein gezinntes rotes Burgtor; unten drei, zwei zu eins gestellte silberne Kugeln.“ Mit der stilisierten roten Burg wird an die Herren von Burgtor, ehemalige Ortsadelige, erinnert. Die drei silbernen Kugeln sind dem Siegel früherer Dienstmannen entnommen, von denen Werner von Münster (um 1197) und Heinrich von Münster (um 1310) bekannt sind. Ihre Burg soll westlich der Kirche gestanden haben.

Die Wappenverleihung im April 1968 wurde von der erst zwei Jahre zuvor von Hans Schlosser gegründeten Jugendkapelle Mickhausen und vom Kirchenchor musikalisch umrahmt. Den Festvortrag hielt Regierungsrat Wilfried Kraut, der tief in die Ortsgeschichte eintauchte und die spannende Historie der tausendjährigen Gemeinde aufzeigte.

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Auch wenn in nahezu allen ortshistorischen Abhandlungen und in alten Presseartikeln über den kleinen Staudenort Münster immer wieder von einem angeblichen (Benediktiner-)Kloster zu lesen ist, auf das die Gründung des Ortes zurück gehe, so fehlt laut dem ehemaligen Kreisheimatpfleger Professor Dr. Walter Pötzl für diese These aus heutiger Sicht jeglicher historischer oder gar archäologischer Beweis. Allein aus dem Kirchenpatronat (St. Benedikt und St. Vitus) auf eine Klostergründung zu schließen, sei wissenschaftlich zu dünn und nicht haltbar, so Pötzl.

Eine bewegte, fast 1050-jährige Geschichte

Ob mit oder ohne Kloster: Münster kann auf eine bewegte, mittlerweile fast 1050-jährige Geschichte zurück blicken. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Münster (damals „Munestiure“ genannt) findet sich im Jahr 969 in einer Schenkungsurkunde des Augsburger Bischofs Ulrich an das dortige Frauenkloster St. Stephan. In der Folgezeit wechselte die Herrschaft über den Ort immer wieder. Im frühen Mittelalter sind örtliche Dienstmannen belegt.

Um 1140 gehörte Münster einem adeligen Wolfolt. Später wurde es Lehen der Herren von Burgtor. 1317 verkaufte Albrecht von Burgtor Münster an das Augsburger Chorherrenstift St. Moritz.

An diese rund 200-jährige Herrschaft erinnert noch heute ein wertvolles, in das rechte Kirchenfenster im Chorraum eingesetztes Hinterglasbild, das den Ritter Mauritius (Moritz) in Kampfmontur zeigt. 1531 erwarb Raimund Fugger, der Herr im benachbarten Mickhausen, das Dorf Münster und den Weiler Rielhofen mit „aller Zubehör an Gericht, Kirchensatz, Steuer, Mannschaft und liegenden Gütern, ausgenommen die der Markgrafenschaft Burgau zustehende hohe Gerichtsbarkeit“ für 3000 Gulden.

Selbst Kaiser weilten zur Jagd im Schmuttertal

Im Jahr 1603 wurden die Pfarreien Mickhausen und Münster zusammengelegt. Grafen und Fürsten, ja selbst Kaiser Maximilian I., genannt „der letzte Ritter“, weilten häufig zur Jagd im Schmuttertal und in den Staudenwäldern rund um Münster, wenn sie in der Reichsstadt Augsburg zu tun hatten. Gut 300 Jahre lang gehörte Münster zur Fuggerschen Herrschaft Mickhausen, die 1842 an die Herren von Rechberg-Rothenlöwen (mit ihrem Stammsitz im württembergischen Donzdorf) überging.

Bis zur großen bayerischen Gemeindegebietsreform war Münster (mit dem Weiler Rielhofen) eine eigenständige Gemeinde. Letzter Bürgermeister war Josef Raffler (1911 – 1998). Seit dem 1. Mai 1978 gehört Münster – ebenso wie Grimoldsried – zur Gemeinde Mickhausen. Diese wiederum bildet seither mit vier weiteren Gemeinden die damals neu geschaffene Verwaltungsgemeinschaft (VG) Stauden mit Sitz in Langenneufnach.

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