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Landkreis Augsburg

24.04.2019

Wärmepumpen: Mit Luft heizen ist leider nicht lautlos

Luftwärmepumpen, die im Außenbereich eines Gebäudes installiert werden, müssen Lärmgrenzen einhalten, damit die Nachbarn nicht durch den Betrieb der Anlage gestört werden.
Bild: obs, Bundesverband Wärmepumpe, BWP, Glen Dimplex

Wärmepumpen liegen voll im Trend. Aber wer keinen Ärger mit den Nachbarn will, muss bei der Installation und beim Betrieb einiges beachten.

Heizen nur mit Luft liegt im Trend. Verlockend ist die Vorstellung, von Heizöl und Gas unabhängig zu sein. Deshalb liegen Heizsystem mit Luftwärmepumpen voll im Trend. Das Prinzip einer Wärmepumpe ist umweltfreundlich, effektiv und einfach: Sie funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Während der Kühlschrank die Wärme nach außen leitet, holt sich die Wärmepumpe Energie aus der Luft oder dem Erdreich über das Heizungssystem ins Haus.

Wärmepumpen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Leistungsklassen, und sie alle bieten die Möglichkeit, nicht nur damit zu heizen, sondern auch Warmwasser bereitzustellen. Für diese Arbeit benötigt die Wärmepumpe allerdings Strom, der im Idealfall mit einer Photovoltaikanlage oder Kleinwindanlage erzeugt wird.

Hälfte aller Neubauten hat Wärmepumpe

„Neubauten werden heutzutage etwa zur Hälfte mit Wärmepumpen beheizt“, meint Erich Schulz. Er ist stellvertretender Landesmeister der Innung Spengler, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit einem Betrieb in Augsburg. Er weiß aus langjähriger Erfahrung: „Der Großteil der Wärmepumpen läuft völlig problemlos und konfliktfrei.“ Das gelte besonders, wenn die Anlage im Haus, zum Beispiel im Keller, aufgestellt werden kann. Es gelte nur, einige Punkte zu beachten und keine unrealistischen Erwartungen an ein solches Heizsystem zu haben. „Denn die Kunden haben manchmal falsche Vorstellungen von der Leistungsfähigkeit der Wärmepumpe, die ja mit Strom betrieben wird.“ Gerade in Wintermonaten, wenn der Strom in Spitzenzeiten knapp und teuer wird, kann eine Wärmepumpe zur Kostenfalle werden. Vor allem sogenannte Luft-Wasser-Wärmepumpen „mutieren“ dann in einer länger dauernden Frostperiode zur „Elektrodirektheizung“, so Schulz.

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Da Schulz auch öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger auf diesem Gebiet ist und Gutachten im Streitfall für das Gericht anfertigen muss, weiß er: „In neun von zehn Fällen geht es um einen vermeintlich zu hohen Stromverbrauch der Anlagen, in nur einem Fall um die Lärmbelästigung des Nachbarn.“

Dies ist dann manchmal ein Problem, wenn die Anlage im Außenbereich aufgestellt werden muss, da sie nicht geräuschlos arbeitet. „Je nach Qualität und Alter der Anlage ist die Pumpe mehr oder weniger laut“, so Schulz. Dabei arbeiten die aktuell am Markt erhältlichen Modelle so leise, dass sie die Grenzwerte der TA Lärm einhalten. „Eine qualitativ hochwertige Anlage produziert heute nicht mehr als 35 Dezibel“, so der Fachmann.

Auch im Landkreis Augsburg werden immer mehr Luftwärmepumpen eingebaut, einen genauen Überblick darüber haben die Kommunen aber nicht.

Große Kästen mit einem Propeller innen

Im Neubaugebiet in Oggenhof sind einige Anlagen schon von der Straße aus zu sehen: große Kästen mit einem Propeller innen.

Glücklicherweise vor ihrem Neubau zur Straße hin konnte eine Diedorfer Familie ihre Wärmepumpe aufstellen. „Da stört sie keinen, sie ist aber auch sehr leise“, so die Hausherrin.

Mit Streitfällen über Wärmepumpen hatte auch die Bauaufsichtsbehörde am Landratsamt Augsburg bisher nicht zu tun. Wie ein Sprecher mitteilte, sei das Aufstellen einer Luftwärmepumpe ja verfahrensfrei, bedarf also keiner baurechtlichen Genehmigung.

Der Bundesverband Wärmepumpe klärt darüber auf, dass es mit dem Schallschutz heutzutage durch die teils geringen Bauabstände immer schwieriger wird. Besonders betroffen sind Ballungsgebiete, in denen die Menschen durch immer kleinere Grundstücke enger aneinanderrücken. Schon aus Rücksicht auf die Nachbarn ist die Geräuschbelastung für die Umgebung auf ein Mindestmaß zu beschränken. Hierfür ist eine sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung der Wärmepumpenanlage erforderlich.

„Dabei müssen einige Details beachtet und richtig berechnet werden“, erklärt Erich Schulz. Wenn die ausströmende Luft zum Beispiel auf eine Wand trifft, wirft diese den Schall zurück, und die Lärmbelästigung steigt an. Es kommt sehr stark auf die Distanz zur nächsten Bebauung und die Umgebung an.

Eine technisch anspruchsvolle Materie. Daher lassen einige Heizungsbauer von vorneherein die Finger von den Wärmepumpen – sei es aus fachlicher Überzeugung oder weil sie sich nicht in das Fachgebiet einarbeiten wollen. Erich Schulz sagt: „Ein schnelles, glattes Geschäft ist die Wärmepumpe nicht.“

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30.04.2019

Bei unserem Haus haben wir uns damals beim Bauen auch für eine Luft-Wasserwärmepumpe entschieden und bereuen die Entscheidung nicht zum Geringsten. Es ist ein Vaillant Modell mit der großen Außeneinheit und weil die eben so groß ist, kann die Lüfterdrehzahl niedriger gehalten werden und deshalb ist es wirklich leise wenn die mal läuft. Die Nachbarn haben sich auch nie beschwert. Unsere Wärmepumpe kann auch im Winter bis zu -20°C (vielleicht auch etwas weniger) arbeiten obwohl das nun auch nur ganz selten vorgekommen ist, dass es mal so kalt war. Die Heizstäbe werden auch kaum gebraucht. Natürlich schwankt die Jahresarbeitszahl mit der Außentemperatur und ist niedriger wenn es kälter ist (was ja auch logisch ist). Im Schnitt sind wir bei einer Jahresarbeitszahl von 4. Wenn man sein Haus baut, dann muss man sich natürlich genauer informieren wie die Wärmepumpe funktioniert und wo die Grenzen des Möglichen sind. Dann sollte man sich natürlich auch nicht ärgern, wenn im Winter die Stromkosten höher sind, da so etwas ganz normal ist.

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