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Gersthofen

12.08.2019

Wandert Gersthofens Stadtpark jetzt ins „Loch“?

Auf Kopfschütteln im Stadtrat stieß ein Szenario, das Friederike John und Werner Dehm präsentierten: Es beinhaltet eine Verlegung des Stadtparks ins „Gersthofer Loch“.
Bild: Marcus Merk

Plus Ein Fachbüro lässt seinen Gedanken freien Lauf und untersucht die Bebauung im Gersthofer Zentrum. Ein Vorschlag aber sorgt im Stadtrat für Kopfschütteln.

Moderne Gebäude wechseln sich mit uralten Bauernhöfen ab: Das Gersthofer Zentrum ist derzeit geprägt von baulichen Gegensätzen. Um bei künftigen städtebaulichen Entwicklungen mehr Mitsprachemöglichkeiten zu haben, möchte die Stadt einen Bereich des Zentrums als „Sanierungsgebiet“ ausweisen. Warum, wurde im Stadtrat erläutert.

Zunächst hatte das Fachbüro Opla eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ untersuchen sollen. Deren letzte Konsequenz wäre, dass Grundstücke enteignet werden könnten. Dies erschien den Planern, aber auch dem von der Stadt Gersthofen beauftragten Juristen, als nicht erforderlich und zielführend. Stattdessen soll nun überprüft werden, ob ein „Sanierungsgebiet“ ausgewiesen werden kann.

Stadt kann Vorkaufsrecht wahrnehmen

Bei einem solchen Sanierungsgebiet hat die Stadt – sehr vereinfacht gesprochen – nicht ganz so drastische Möglichkeiten wie eine Enteignung, Einfluss auf eine künftige Bebauung von Grundstücken, beispielsweise von aufgegebenen landwirtschaftlichen Gebäuden, zu nehmen. Es kann ausgewiesen werden, wenn in einem bereits überwiegend bebauten Gebiet „Missstände“ vorhanden sind. Diese sahen die Gutachter des Fachbüros im Gersthofer Zentrum durchaus. Ein Sanierungsgebiet ermöglicht es der Stadt, bei Grundstücken ein Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Dies ist bisher nicht der Fall gewesen.

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Der untersuchte Umgriff für ein Sanierungsgebiet betrifft einen Bereich, der im Norden begrenzt wird von Bruckner- und Kirchstraße, im Osten durch die Bürgermeister-Langhans-, die Frühlings- und die Kirchstraße, im Süden durch de Flur-, Feld- und Griesstraße sowie im Westen durch die Mendelssohn- und Brahmsstraße.

Der Wandel ist nicht komplett vollzogen

Die Planer untersuchten das Gebiet von der historischen Entwicklung her, aber auch alle heutigen Aspekte. „Der Wandel vom Straßendorf zur Stadt ist nicht komplett vollzogen – die Gebäudestruktur stellt sich als oft heterogenes Bild zwischen kleinen Quartieren mit urbanem Charakter sowie kleinen Quartieren mit noch dörflichem beziehungsweise ländlichem Charakter dar“, heißt es im Gutachten.

Weiter hatten die Gutachter Friederike John und Werner Dehm alle Grundstücke untersucht, darunter auch die öffentlichen Grünflächen. In dem Gebiet befinden sich der Stadtpark hinter dem City-Center, der Nogentpark beim Schwimmbad und der Pestalozzischule sowie der Florianplatz auf dem Gelände des früheren Feuerwehrhauses.

Es fehlt ein barrierefreier Zugang

Vor allem warfen die Planer ein Auge auf den 8500 Quadratmeter großen Stadtpark. „Das Angebot eines Stadtparks in der Mitte von Gersthofen wird städtebauliche sehr wichtig bewertet, jedoch befindet sich der Stadtpark isoliert vom Leben der Gersthofer Mitte“, so die Auffassung der Gutachter. Unter anderem fehle auch ein barrierefreier Zugang. Zur Belebung des Parks könnten auch ein Bistro oder ein Café beitragen.

Auf Kopfschütteln im Stadtrat stieß ein Szenario, das Friederike John und Werner Dehm präsentierten: Es beinhaltet eine Verlegung des Stadtparks auf das unbebaute Areal an der Ecke Bahnhof- und Donauwörther Straße, das im Volksmund auch „Gersthofer Loch“ genannt wird. Auf dem bisherigen Stadtpark-Areal könnten sich die Gutachter eine Wohnbebauung vorstellen. Weil das unbebaute Grundstück allerdings einem privaten Investor gehört, könne über einen Grundstückstausch nachgedacht werden.

Die Gedanken frei spielen lassen

Wie berichtet, verhandelt die Stadt derzeit mit dem Investor über Art und Maß der Bebauung. Werner Dehm betonte: „Wir haben eine Diagnose erstellt und Therapiemodule vorgeschlagen.“ Die Stadt müsse diese Module nicht verwirklichen. „Wir Städteplaner haben in diesem Fall halt einmal die Gedanken frei spielen lassen“, so Friederike John.

Max Poppe (CSU) begrüßte die Prüfung eines Sanierungsgebiets: „In diesem Bereich erkennt man an jeder Ecke, dass ein akuter Handlungsbedarf besteht.“ Bernhard Happacher (FW) betonte, dass das Stadtparkszenario nur „Gedankenspiele eines Planungsbüros“ sei. Auch Georg Brem (W.I.R.) sah die Notwendigkeit einer urbanen Gestaltung: „Es geht darum, für die nächsten 50 bis 60 Jahre ein Zentrum zu schaffen, in das man gerne geht.“ Es gehe nicht um einen bestimmten Investor.

Die Pläne werden weiter verfolgt

Strikt dagegen war Albert Kaps (Pro Gersthofen): „Das Gebiet im Zentrum wird mit dem heutigen Beschluss zu einem Problemgebiet heraufgestuft – wegen ein paar noch landwirtschaftlichen Bauernhöfen.“ Das sei absolut übertrieben. Er sah durchaus Nachteile für die Grundstückseigner durch das Vorkaufsrecht der Stadt. Gegen die beiden Stimmen von Pro Gersthofen wurde beschlossen, die Pläne für ein Sanierungsgebiet im Gersthofer Stadtzentrum weiter zu verfolgen.

Die Folgen eines neuen Stadtparks müssen wohl bedacht sein, meint Redakteur Gerald Lindner in seinem Kommentar.

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