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Landkreis Augsburg

19.08.2019

Wo es blitzt und donnert im Augsburger Land

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2 Bilder
Eine enorme Energie wird frei, wenn am Himmel die Blitze leuchten. Positive Blitze, die oberhalb der Wolkentürme in einer Höhe von 10000 Metern ausgelöst werden, sind die stärksten und auch die lautesten. Negative Blitze hingegen treten wesentlicher häufiger und entstehen in der unteren Wolkenhälfte. 
Bild: Marcus Merk

Mit dem Informationsdienst von Siemens wird jeder einzelne Blitzeinschlag verzeichnet. In der Nacht zum Montag waren es Hunderte. Wann es besonders laut kracht.

Wer weiß, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn Martin Luther am 2. Juli 1505 nicht in ein schweres Gewitter gekommen wäre. Der Legende nach schlug damals nur wenige Meter neben ihm ein Blitz ein. Luther gelobte daraufhin, Mönch zu werden. Blitz und Donner hat es auch in der Nacht auf Montag im Augsburger Land gegeben.

Zu Schaden gekommen ist jedoch nach Auskunft des Landratsamt niemand. Besonders laut machte sich die heftigen Gewitter jedoch im Nordwesten des Landkreises bemerkbar, wie ein Blick auf die Übersichtskarte zeigt.

Es gibt unterschiedliche Blitzarten

Seit 1992 gibt es bereits „BLIDS“, den Blitz-Informationsdienst der Siemens AG. Auf bis zu 100 Meter genau können dank zahlreicher Messstationen Blitzeinschläge geortet werden. Registriert werden dabei sogar die unterschiedlichen Blitzarten. „Es gibt negative Wolke-Erde Blitze, positive Wolke-Erde Blitze und dann natürlich die Wolke-Wolke Blitze, die am häufigsten vorkommen, aber auch am ungefährlichsten sind“, sagt Stephan Thern, der bei Siemens das Projekt leitet. Positive Blitze hingegen, die aus großer Höhe von bis zu zehn Kilometer herabstoßen, sind die stärksten.

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Diesen lautstarken Beweis haben in der Nacht auf Montag die Naturgewalten vor allem bei Meitingen angetreten. Dort haben die Bewohner kurz vor und nach Mitternacht heftiges Grollen vernommen, das an Kanonenschläge erinnert: Auslöser waren zwei positive Blitze. Rund um Stadtbergen hat es erst ein wenig später gedonnert, allerdings nur mit negativen Blitzen. Ordentlich erschreckt haben, dürften sich auch die Menschen in Ziemetshausen. Hier hat es fast gleichzeitig zwei positive Blitze im Umkreis von 100 Meter gegeben. Relativ verschont blieb hingegen Bobingen und Schwabmünchen. In Bobingen-Siedlung traten lediglich zwei negative und zwei Wolke-Wolke Blitze auf. Bis Mitternacht war es noch ruhig geblieben.

Positive Blitze jedoch blieben aus

Ruhig war es auch auf dem Lechfeld – bis auf Untermeitingen. Hier hatten sich westlich des Ortskerns die Gewitterwolken auf die zweite Nachthälfte konzentriert. Positive Blitze jedoch blieben aus. Einen großen weißen Fleck zeigt die Gewitterkarte auch im Wittelsbacher Land rund um die Gemeinde Gundelsdorf. Hier ist in einem Radius von zehn Kilometern kein einziger Blitz eingeschlagen.

„Trotz der genauen Messungen ist es immer noch nicht vorhersehbar, wo es zu einem Blitzeinschlag kommen wird“, sagt Thern. Dennoch hat der Informationsdienst einen hohen praktischen Nutzen. Vorhersehbar ist aufgrund der hochgenaue Synchronisation der Zeitdaten mit GPS-System, wie sich die Gewitterfronten entwickeln und bewegen werden.

Man sitzt in einem faradayschen Käfig

„Dies ist beispielsweise wichtig für den Flugbetrieb“, erklärt Thern. Sobald ein Gewitter in Anmarsch sein, würde der Flugbetrieb sofort eingestellt. Weniger aus Sorge um die Maschinen in der Luft, sondern aus Sorge um das Bodenpersonal. „Ein Flugzeug, das in der Luft vom Blitz getroffen wird, kann in der Regel weiterfliegen“, sagt Thern. Er habe sogar persönlich einmal einen Einschlag in luftiger Höhe erlebt. „Genau wie im Auto sitzt man auch hier in einem faradayschen Käfig“.

Darüber hinaus nutzen viele Unternehmen „vom Lebensmittelhändler bis hin zur Glasindustrie“ diese Blitzdaten: Kosten 500 Euro pro Jahr. Auch Veranstalter von Open-Air-Festen greifen gerne auf das digitale Alarmierungssystem zurück, um Besucher rechtzeitig vor möglichen Unwettern zu warnen. Schließlich setzt ein Blitz binnen weniger Millisekunden eine Energie frei, die reichen würde, um in einem normalen Haushalt die Glühbirnen ein paar Tage lang leuchten zu lassen.

Hilfreiche Infos bei Überspannungsschäden

Genutzt wird das System auch von Versicherungen, falls Privatpersonen Überspannungsschäden geltend machen. Mit einem Vorurteil aber räumt Thern auf. „Es ist nicht so, dass es immer mehr und immer stärkere Gewitter gibt“, sagt er. Im Gegenteil. „Im vergangenen Jahr gab es sogar wenige und schwächere Einschläge, da die Temperatur lange konstant war und nur langsam wieder fiel.“

Wie Blitz und Donner auch in der deutschen Sprache eingeschlagen sind, lesen Sie in unserer Glosse: Blitzsauber geblitzt

Das Informationssystem im Internet: www.blids.de

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