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Landkreis Augsburg

28.12.2017

Zur Bescherung eine bunte Kinderkrawatte

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Erwin Goßner mit Papa und dem kleinen Bruder Horst. Die Geschwister schafften es, dass das geschenkte Spielzeug schon am dritten Tag kaputt war.

Nicht nur große Geschenke bereiten Freude. Auch ein Schlips macht stolz. Und: Wie ein Puppenwagen bei der Bescherung für erheblichen Aufruhr sorgt.

Insgeheim wünscht man sich zuweilen, Weihnachten und die Adventszeit noch einmal so entspannt und unbedarft erleben zu dürfen wie damals in der Kindheit. Die Gedanken daran sind meist warm und kuschelig, verbunden zu Heiligabend mit Vorfreude, Heimlichkeiten, Neugier und der einen oder anderen Überraschung.

Alfred Sartor, Altbürgermeister und Ehrenbürger von Meitingen, berichtet über Weihnachten im Jahr 1955. Damals war er nach seiner Erstkommunion Ministrant geworden. „An Weihnachten bekam ich eine bunte Kinderkrawatte mit vorgebundenem Knoten und einem Gummiband zum Befestigen unter dem Kragen des neuen Hemdes“, erzählt er.

Stolz trug er sie zur Christmette

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Zum Festgottesdienst am ersten Feiertag natürlich auch. „,Alfred, hast du mit deiner neuen Krawatte heute Nacht gleich geschlafen’, begrüßte mich unser Pfarrer Johann Radinger schmunzelnd in der Sakristei“, so Sartor. Ob er sich geärgert habe? „Bestimmt, sonst würde ich mich nicht immer noch erinnern“, entgegnet er.

Barbara Lamprecht ist stellvertretende Vorsitzende der Gersthofer Kolpingsfamilie und unterstützt unter anderem in ihrer Heimatstadt Flüchtlinge. Als sie klein war, durfte sie mit ihrem Vater immer den Weihnachtsbaum schmücken. „Später, in Zeiten meiner Auflehnung und des Protests, habe ich den Baum mal alleine gestaltet und mit alten Zeitungen behangen, sehr innovativ und alternativ“, erzählt sie. „Meine Eltern ließen mich gewähren. Das rechne ich ihnen heute noch hoch an.“

Im Alter von etwa fünf Jahren erhielt sie zum Weihnachtsfest einen Puppenwagen. Mit dem sorgte sie noch am Heiligen Abend für erheblichen Aufruhr. „Ich schob ihn stolz vor dem Baum hin und her. Als ich kurz abgelenkt war, fuhr das Gefährt dagegen. In Nullkommanichts lag das gute Stück in seiner ganzen Pracht mitten im Zimmer.“ Zum Glück waren die Kerzen bereits gelöscht. Seitdem wurde der Christbaum zur zusätzlichen Sicherung immer am Heizkörper festgebunden.

Erwin Goßner verbindet nur angenehme Kindheitserinnerungen mit Weihnachten

„Auch wenn das Weihnachtsgeschenk mal nicht so gut aussah wie im Hochglanzkatalog“, meint der Bürgermeister von Großaitingen rückblickend, „das Spielzeug schon am dritten Tag kaputt war oder mein kleiner Bruder Horst viel lieber mit meinem Geschenk spielte als mit seinem – leider mit dem gleichen Resultat, dass auch dieses Spielzeug die Feiertage nicht überlebte.“

Schön sei es ganz besonders zu jener Zeit gewesen, als die Oma in ihrem kleinen Wohnzimmer unter dem Dach für alle Besucher zu Abend kochte. Elf oder zwölf Personen seien dann dicht gedrängt um den voll gedeckten Tisch gesessen. „Schön war es auch immer, zusammen mit meinem Vater den Baum aufzustellen und mit meiner Mutter zu schmücken“, ergänzt Goßner.

„Natürlich wurden in die stachelige Tanne ein paar Löcher gebohrt und Äste da eingesteckt, wo welche fehlten.“ Zudem sei der Baum fest angebunden worden. „Grund dafür waren wohl bestimmte Vorkommnisse aus meiner frühesten Kindheit, an die ich mich aber nicht mehr erinnere. Was ich allerdings noch sehr gut weiß, dass es damals noch Lametta gab, viel Lametta, das später nicht einfach weggeworfen, sondern sorgfältig abgenommen und bis zum nächsten Weihnachtsfest aufbewahrt wurde.“

Das abgeschlossene Bescherungszimmer im Rahmen des Weihnachtsfests weckt nicht nur heute noch große Neugier. Nicht anders war es in der Kindheit bei Landrat Martin Sailer.

„Bereits einige Tage vor dem Heiligen Abend haben unsere Eltern immer die Wohnzimmertüre abgeschlossen, damit meine beiden Schwestern, mein älterer Bruder und ich den festlich geschmückten Christbaum, die Krippe und unsere bunt verpackten Geschenke nicht sehen konnten“, erzählt er. Das habe die Neugier der Geschwister natürlich ins Unermessliche gesteigert.

„So haben wir jedes Jahr aufs Neue versucht, einen Blick durch das Schlüsselloch ins Wohnzimmer zu erhaschen“, gesteht er. „Und was soll ich sagen, manchmal, wenn unsere Eltern vergessen hatten, das Schlüsselloch zuzuhängen, haben wir es geschafft!“

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