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Augsburg

08.09.2016

80 Jahre Botanischer Garten: Eine grüne Oase mitten in der Stadt

Der Japangarten im Botanischen Garten Augsburg entstand 1984. Damals kamen extra Gärtner aus Japan nach Schwaben, um die Anlage zu gestalten.

Der Botanische Garten wird 80 Jahre alt. Erst war er Stadtgärtnerei, dann ein riesiges Gemüsebeet. Warum er heute zu den beliebtesten Freizeiteinrichtungen Augsburgs gehört.

Vielleicht steht er dort wirklich seit 80 Jahren. Genau weiß es niemand, doch der Amur-Korkbaum ist ganz sicher eine der ältesten Pflanzen im Botanischen Garten. Gut möglich also, dass sich schon im September 1936 zur Eröffnung des „Lehr- und Schulgartens“ honorige Gäste um ihn scharten.

Nicht nur die Augsburger lieben heute dieses Fleckchen Grün im Süden der Stadt. Dabei war die Idee einst nur, ausreichend Platz für die Stadtgärtnerei zu schaffen. Als „Bonus“ für die Allgemeinheit baute die Stadt zwei Schau-Gewächshäuser und beeindruckte damit selbst die Münchner. Die Anlage, schrieben die Zeitungen dort am Tag nach der Eröffnung, sei „in Wahrheit ein Botanischer Garten geworden, wie er einer Großstadt zukommt“.

Seitdem hat sich die Gartenschaufläche oft verändert: Im Krieg wichen die Rosen Salat- und Kohlköpfen; die Verpflegung der Bevölkerung hatte Vorrang vor deren Unterhaltung. Die Augsburger Bombennacht im Februar 1944 richtete so große Schäden an, dass die Anlage danach über Jahre geschlossen blieb – erst im Sommer 1950 wurde sie wieder eröffnet. Für 20 Pfennig Eintritt bot sich den Menschen nach langem Darben wieder ein Stückchen heile Welt.

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Gut 250.000 Leute besuchen den Botanischen Garten pro Jahr

Gut 250000 Besucher streifen heute pro Jahr über die sechseinhalb Hektar, um sich Anregungen für den eigenen Garten zu holen oder einfach nur Ruhe zu finden. „Wir sind eine der ruhigsten Grünanlagen in der Stadt. Viele kommen zum Lesen oder machen ein Picknick auf der Wiese“, sagt Grünamts-Chefin Anette Vedder. Der Aspekt Erholung aber ist nur einer von vielen: Vedder und ihr Team sehen ihre Aufgabe vor allem darin, den Menschen Pflanzen- und Lebensbereiche näher zu bringen. Denn das Gespür für Natur, das Wissen über die Zusammenhänge zwischen Flora und Fauna und damit auch den Lebensbedingungen der Menschen sei vielen verloren gegangen.

Mitten im Botanischen Garten haben die Mitarbeiter deshalb zum Beispiel ein Stück Lechheide „nachgebaut“. Sie zeigen, wie eine typische Staudenlandschaft aussieht, ein Obstgarten, in dem sich auch Insekten wohlfühlen oder ein Apothekergarten mit Heilpflanzen. Es sind Biotope, die in freier Natur oft nicht mehr zu finden sind, weil der Mensch viel zu stark eingreift: Durch die Überdüngung von Feldern und Wiesen gehen immer mehr Pflanzenarten verloren.

Dies zu verhindern, sieht Anette Vedder als eine Aufgabe des Botanischen Gartens. Als Mitglied des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“ engagiert sich die Augsburger Einrichtung für den Erhalt gefährdeter Pflanzen. Ein Aspekt ist die Vermehrung von Wildpflanzen wie des Alpen-Knorpel-Lattichs oder der Duftskabiose. „Wir ziehen Exemplare, die später in den Alpen und den Lechheiden ausgepflanzt werden“, sagt Vedder. Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit harte Arbeit: „Bis es gelingt, diese Pflanzen zu vermehren, bedarf es vieler Versuche, weil über ihre Ansprüche oft wenig bekannt ist.“

Das Victoria-Regia-Haus mit seinen riesigen Seerosen gab es bereits zur Eröffnung des Botanischen Gartens Augsburg. 1939 durften Kinder noch auf den Blättern sitzen.

Die meisten Besucher wissen freilich nur wenig von den umfangreichen Aufgaben, die das Team des Botanischen Gartens bewältigt. Für sie zählt der Eindruck, den die Anlage selbst macht. Dutzende von Gärtnern und Saisonarbeitskräften sind darum ab Frühjahr damit beschäftigt, die Beete in Schuss zu halten. Bestenfalls blüht und sprosst es von März bis September, bestenfalls sind im Schaugarten auch Pflanzen zu finden, die der Besucher noch nie gesehen hat. „Gerade bei den Balkon- und Beetpflanzen zeigen wir gerne, was es Neues gibt.“ Anregungen holen sich die Mitarbeiter auf Fachmessen oder bei Händlern, die ihre Fühler in alle Kontinente dieser Welt ausstrecken.

Japangarten zählt zu beliebtesten Attraktionen

Apropos Kontinente: Natürlich ist der Botanische Garten auch international. Ältere Mitarbeiter erinnern sich an einen besonderen Arbeitseinsatz im Februar 1984. Damals reiste eine Delegation von Experten aus Augsburgs japanischen Partnerstädten Amagasaki und Nagahama an und legte der Einrichtung einen Japangarten an. Das neue Arrangement fiel in dieselbe Zeit, in der in Augsburg die erste bayerische Landesgartenschau stattfand, zu der 1,28 Millionen Besucher kamen.

Mit einem Etat von 1,3 Millionen Euro samt Personalkosten ist der finanzielle Spielraum für den Botanischen Garten Augsburg nicht gerade groß. Ideen haben die Verantwortlichen dennoch viele – unter anderem für einen China-Garten. Es wäre das passende Umfeld, auch für den Amur-Korkbaum.

Am Sonntag, 11. September, feiert der Botanische Garten Augsburg (Dr.-Ziegenspeck-Weg 10) sein 80-Jähriges. Geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr, halbstündlich gibt es Führungen sowie Musik und ein Kinderprogramm. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

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