1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. An- und Verkauf in Augsburg: Hier darf gefeilscht werden

Augsburg

05.02.2016

An- und Verkauf in Augsburg: Hier darf gefeilscht werden

Copy%20of%20_AWA1653.tif
3 Bilder
Ahmet Akbas hat in seinem Laden viele gebrauchte Waren im Angebot. Außerdem kauft er auch an. Den meisten Umsatz macht er mit Handys. Wenn ihm jemand einen Fernseher anbietet, schlägt er aber auch hin und wieder zu. Seit 13 Jahren gibt es den Laden in der Jakoberstraße inzwischen.

Wer etwas gebraucht loswerden oder erstehen will, muss nicht ins Internet gehen. In Augsburg gibt es viele Läden, die auf „An- und Verkauf“ setzen.

Smartphones, Schallplatten oder Videospiele: Wer heutzutage etwas gebraucht verkaufen oder kaufen will, der nutzt dazu meist eines der großen Internet-Portale. Online-Riesen wie Amazon und E-Bay bestimmen mit ihrer Marktmacht die Preise und das Kaufverhalten vieler Menschen – auch in Augsburg. Es gibt jedoch Alternativen. Wer lieber das persönliche Gespräch sucht oder Internetkriminelle fürchtet, findet in Augsburg Läden, in denen noch getauscht und gehandelt wird.

Ahmet Akbas bietet gebrauchte Elektroartikel wie Notebooks und Handys an. Aytronic heißt der kleine Laden ganz in der Nähe des Ja-kobertors. „An- und Verkauf“ steht in großen Lettern über dem Schaufenster. „Bei uns ist Telekommunikation an erster Stelle“, sagt Akbas. Das hindert ihn aber nicht daran, auch eine Spiegelreflexkamera anzubieten. „Manchmal kommt so was einfach dazu. Ob man will oder nicht“, sagt der 34-Jährige und lächelt. Grundsätzlich ist er auch Tauschgeschäften gegenüber nicht abgeneigt. Er nennt ein Beispiel: „Der Kunde hat einen Fernseher und will ein I-Phone haben, dann versucht man, sich irgendwie entgegenzukommen.“

Handys bringen den meisten Umsatz

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Den größten Anteil seines Umsatzes erziele er aber mit Handys. Allerdings werde in diesem Bereich auch „hart gehandelt“. Viele Kunden verfolgen die Preise, zu denen Geräte im Internet angeboten werden. Grundsätzlich hat Akbas aber nichts dagegen, wenn gefeilscht wird. „Solange es akzeptabel bleibt“, sagt er. Trotz anderer An- und Verkauf-Läden in Augsburg sieht Akbas im Internet die größte Konkurrenz. Er versucht mit Service zu punkten. „Wir sind vor Ort und immer erreichbar.“ Verkäufer erhalten für ihre gebrauchte Waren Bargeld, Käufern bietet er Garantie. „Ich versuche immer eine Lösung zu finden, damit der Kunde zufrieden ist.“ Das Geschäft scheint zu laufen. Zumindest hat Akbas seit Kurzem eine zweite Filiale nachmittags in Pfersee geöffnet. Dort hilft sein Neffe aus.

Felix Naumann hat sich auf gebrauchte Konsolen, wie die Playstation oder Xbox, und Videospiele spezialisiert. Der 28-Jährige betreibt seinen Laden X-Games am Leonhardsberg. Die Hüllen der Videospiele sind auf kleinen Schienen an den Wänden übersichtlich aufgereiht. In einer Ecke stehen zwei lebensgroße Figuren aus Horrorfilmen. Naumann trägt eine rote Kappe und einen Vollbart. Seine Hände sind tätowiert. Er sagt, dass er auf jüngere Kunden manchmal „respekteinflößend“ wirke. Aber sein Lächeln ist offen und er plaudert gerne mit den Leuten im Laden.

Preise bestimmt er selbst

In Deutschland gibt es mehrere X-Games. Naumann bezahlt dafür eine Lizenz. Ansonsten ist er aber vollkommen unabhängig, wie er sagt. Die Preise, zu denen er Artikel ankauft und verkauft, bestimmt der 28-Jährige selbst. Als Hilfe nutzt er eine Datenbank, die allen Läden zur Verfügung steht. „Die orientiert sich an Durchschnittswerten mehrerer größerer Online-Händler“, erklärt er. Handeln ist bei Naumann möglich. Verkäufern bietet er einen Gutschein für seinen Laden oder Bargeld, wobei die Summe des Coupons höher ausfällt. „Ich möchte die Kunden natürlich hierbehalten“, sagt er. Durch eine Eigentumserklärung, die der Verkäufer ausfüllen muss, sichert sich Naumann ab, damit er nicht haftet, falls die Ware sich als gestohlen herausstellt. Entsprechende Fälle seien aber äußerst selten vorgekommen. Naumann betreibt den Laden bereits seit acht Jahren. Ihm macht der Online-Handel zu schaffen, wie er sagt. „Viele Leute verlassen ungern ihr Haus und bestellen lieber.“ Es sei nicht leicht, die Kunden bei der Stange zu halten. Dabei biete der Handel viele Vorteile. „Im Laden habe ich einen Verkäufer, mit dem ich sprechen, der einem ein Spiel empfehlen kann“, sagt er. Zudem biete Naumann sechs Monate Garantie.

Es gibt auch mal Kaffee

In dem Laden von Oliver Michalski dreht sich alles um Scheiben. Der 48-Jährige kauft und verkauft CD, Schallplatten und Filme auf Blu-Ray und DVD. Auch komplette Hi-Fi-Anlagen hat er im Angebot. Die sind in der Regel von namhaften Herstellern und vor 1993 produziert worden. „Die halten 30 Jahre und bei guter Pflege noch einmal so lange“, sagt Michalski. Heutzutage werde meist „chinesischer Quatsch“ verbaut. Seinen Laden an der Ecke, wo die Gögginger zur Allgäuer Straße wird, hat er Vinyl-Café genannt. Aus den Boxen ist Siebziger-Jahre-Rock zu hören. Die Kunden können auf roten Sesseln an der Verkaufstheke Platz nehmen und bekommen einen Kaffee angeboten. Michalski trägt einen Bart, der am Kinn länger wird, und in jedem Ohrläppchen einen bunten Knopf. „Ich bin zwar nicht in der Innenstadt, aber dafür habe ich einen Parkplatz vor der Tür“, sagt er. Das sei hilfreich, wenn jemand mit einer Sammlung von 200 Platten ankomme. „Ich nehme alles außer Klassik und Volksmusik.“ Der Preis sei verhandelbar. Er hänge von der Menge, aber auch dem Wert einzelner Platten ab. Beim Verkauf orientiere sich Michalski am Internet. Seit zwei Jahren führt der 48-Jährige den Laden. „Ja klar, es ist schon hart“, sagt er im Hinblick auf die Online-Riesen. Aber er genieße es auch, mit seinen Kunden zu fachsimpeln und einen Kaffee zu trinken.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Kirchweih0003.jpg
Augsburg

Bilder: Die Lechhauser Kirchweih ist eröffnet

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden