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Augsburg
03.06.2021

Es gibt keinen Leopold-Mozart-Violinwettbewerb in Augsburg mehr

Es war der letzte Leopold-Mozart-Violinwettbewerb. Die zehnte Kompetition gewannen 2019 (von links) Joshua Brown (1. Preis), Karisa Chiu (2. Preis) und Kaoru Oe (3. Preis).
Foto: Christian Menkel

Das Augsburger Leopold-Mozart-Kuratorium steht vor einer Neuorientierung. Eine internationaler Wettbewerb lässt sich nicht mehr finanzieren.

Der Leopold-Mozart-Violinwettbewerb gehört der Vergangenheit an, ein elfter Termin lässt sich nach den Worten des Vorsitzenden des Leopold-Mozart-Kuratoriums, Paul Waning, nicht realisieren. "Die dazu notwendigen Finanzmittel lassen sich bei der derzeitigen Lage infolge der Corona-Pandemie weder bei öffentlichen Haushalten noch bei privaten Sponsoren beschaffen", sagte er am Dienstagabend auf der Mitgliederversammlung. Der nächste Violinwettbewerb würde mindestens 500.000 Euro kosten. Außerdem bestünden immer noch in aller Welt erhebliche Schwierigkeiten für junge Künstler, eine Reise zu planen. Das Leopold-Mozart-Kuratorium wird sich deswegen in Zukunft völlig neu orientieren und sich verstärkt seinem zweiten Satzungszweck zuwenden, nämlich der Förderung der höheren Musikausbildung vor allem am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.

Die Entwicklung war absehbar, nachdem schon der 10. Internationale Violinwettbewerb 2019 nur unter größten Anstrengungen zu finanzieren war. "Er war richtig teuer, weil er im 300. Geburtsjahr von Leopold Mozart groß sein sollte", sagte Waning. Mit 561.000 Euro überstiegen die Kosten den Ansatz um zehn Prozent. Das Kuratorium musste zudem weitaus mehr Eigenmittel einbringen, weil die öffentlichen Zuwendungen damals deutlich geringer ausgefallen sind. So hatte die Stadt Augsburg nach Auskunft von Schatzmeister Georg Bauer ihre dritte Rate von 35.000 Euro nicht ausbezahlt. Dennoch fiel das Resümee des scheidenden Vorsitzenden durchaus positiv aus. "Es hat trotzdem Spaß gemacht." Unter der Leitung von Prof. Linus Roth habe man 2019 einen "sehr ansprechenden" Violinwettbewerb ausgetragen. Und mit Blick auf die zurückliegenden Finalisten entkräftete Waning auch die aufgekommene Kritik, der Wettbewerb habe zuletzt nicht mehr genug künstlerische Strahlkraft gehabt. Auch wenn nicht alle eine Weltkarriere begonnen haben, so seien diese jungen Geigerinnen und Geiger doch international weiterhin sehr erfolgreich gewesen.

Die bayerische Staatsregierung ist strikt gegen eine weitere Musikhochschule

Im Umbruch befindet sich aber auch das Leopold-Mozart-Zentrum. Wie die Präsidentin der Universität, Sabine Doering-Manteuffel, berichtete, hat das umfangreiche Gutachten einer international besetzten Expertenkommission unter Vorsitz von Elisabeth Gutjahr vom Salzburger Mozarteum "Strukturfehler" offengelegt. Gemessen an Musikhochschulen seien die 15 Professoren in Augsburg viel zu wenig und man müsste etliche der 170 Lehrbeauftragten in Professuren umwandeln. Allerdings, so Doering-Manteuffel, habe die Staatsregierung eine klar ablehnende Haltung: "Im Wissenschaftsministerium will man schlicht keine weitere Musikhochschule in Bayern mehr", sagte sie. Es laufe also auf eine interne Neuaufstellung des LMZ hinaus, die der Ende Juni zu wählende neue LMZ-Vorstand realisieren muss. Die Musikerausbildung sollte sich auf die Stärken des Standorts Augsburg und die Bedarfe seiner Region orientieren, erklärte die Uni-Präsidentin. "Wir sind dabei, eine gute Mischung hinzukriegen aus qualitätvoller künstlerischer Ausbildung unter verstärktem regionalen Aspekt." Doering-Manteuffel sprach von "einem der wichtigsten Ausbauschwerpunkte" der Universität in den nächsten Jahren. Als Ausgleich zu Hightech brauche sie unbedingt auch eine künstlerische Ausstrahlung.

Prof. Christoph Hammer arbeitet an einem neuen Konzept für das Leopold-Mozart-Kuratorium.
Foto: Ulrich Wagner

Das Leopold-Mozart-Kuratorium spielt dabei eine wichtige Rolle. Christoph Hammer, Professor für historische Aufführungspraxis, und neu gewähltes Vorstandsmitglied, traut dem Kuratorium eine wichtige Mittleraufgabe zu. "Jetzt, wo wir wieder Musik in die Stadt bringen können, wollen wir die Chance nutzen", sagte Hammer. Es werde dem Kuratorium gut tun, den Ballast abzuwerfen, der kaum noch zu stemmen ist, und sich auf seinen ursprünglichen Zweck zu konzentrieren, die musikalische Volksbildung zu unterstützen. "Uns alle trägt die Begeisterung für die Musik und der Wunsch, der jungen Generation zu helfen, sich professionell der Musik zu widmen."

International renommierte Gastdozenten auch fürs Augsburger Konzertleben

Hammers neues Konzept sieht vor, mit öffentlich wahrnehmbaren Aufführungen der Stadt ganzjährig ein hochwertiges musikalisches Angebot zu machen. Das Leopold-Mozart-Kuratorium könne sich dafür einsetzen, renommierte Gastdirigenten und Gastdozenten zu engagieren, die mit den Studierenden Programme einstudieren und dies dann in kleinen Tourneen oder Festivals dem Publikum zu präsentieren. Das LMZ könne dieses zusätzliche Angebot nicht leisten. Dem Kuratorium biete sich die Möglichkeit, mit weitaus geringeren Geldsummen, als für den Violinwettbewerb nötig sind, für künstlerische Nachhaltigkeit in Augsburg zu sorgen. Hammer erkannte nachdrücklich an, dass "viel Herzblut" in den Wettbewerben stecke, um ein für das kulturelle Augsburg identitätsstiftende Projekt zu realisieren. Nun müsse "ein kreativer Prozess des gemeinsamen Nachdenkens" stattfinden.

Den Vorstand des Leopold-Mozart-Kuratoriums bilden in Zukunft Dr. Franz Hoppe, ehemals leitender Angestellter der Renk AG, der Oberarzt an der Kinderklinik Dr. Friedrich Porz sowie die beiden LMZ-Professoren Andrea Friedhofen (Elementare Musikpädagogik) und Christoph Hammer (Historische Tasteninstrumente) und Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel.

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