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Augsburg
05.06.2020

Waschanlagenbauer Washtec wird umstrukturiert

Ralf Koeppe ist seit Kurzem Vorstandsvorsitzender der Augsburger Washtec AG. Die Corona-Krise macht auch diesem Unternehmen zu schaffen.
Foto: Annette Zoepf

Nach guten Jahren brach 2019 der Gewinn des Augsburger Waschanlagenbauers Washtec stark ein. Und nun Corona. Das neue Vorstandsteam baut daher das Unternehmen um.

Wo sonst Fahrzeugwaschanlagen zusammengebaut werden, herrscht an diesem Tag beinahe völlige Leere. Angesichts der Corona-Krise hat die Washtec AG neben Abstandsregeln auch Kurzarbeit an einem Tag pro Woche eingeführt. 40 Anlagen werden in den Werkshallen wöchentlich produziert, manche davon wandern nun zunächst ins Lager.

Ralf Koeppe, seit Kurzem Vorstandschef des Unternehmens, macht sich im Moment eher Sorgen um den begrenzten Platz auf dem Firmengelände als über Absatzzahlen. „Wie gut das Geschäftsjahr läuft, entscheidet sich erfahrungsgemäß im zweiten Halbjahr “, sagt er.

Washtec-Waschanlagen aus Augsburg in aller Welt im Einsatz

Im Moment sieht es so aus, als hinge der Verkauf der Washtec-Anlagen davon ab, wie die einzelnen Länder mit der Pandemie klarkommen. Wo es strenge Beschränkungen gibt, da werden auch weniger Autos gewaschen. Im Vergleich zu Südeuropa und den USA waren die Waschzahlen bei uns in den letzten Monaten gut. Nun müssen wir in den kommenden Monaten beobachten, wie stark der Markt in diesen Ländern wieder wachsen wird, räumt Koeppe ein. In anderen Ländern erwartet er keine Einbußen. Zu den Kunden gehören große Mineralölkonzerne mit angeschlossenen Tankstellenketten und Einzelhandelsunternehmen, die bei ihren Einkaufsmärkten Autowäsche anbieten; daneben gibt es das Direktgeschäft mit freien Tankstellen, Firmen, die ihre Lastwagen oder Busse waschen müssen, sowie Unternehmern, die ausschließlich eine Waschstraße betreiben.

Das alles scheinen schwierige Bedingungen, nachdem schon das Geschäftsjahr 2019 nicht ganz rund lief. Wie Koeppe sagt, hat damals ein Großkunde Bestellungen um ein Jahr verschoben. Der Umsatz blieb zwar dennoch auf gleichem Niveau, allerdings brach der Gewinn stark ein – um gut 50 Prozent. Die Rendite lag bei 8,8 Prozent. Kalkuliert wurde zunächst mit einem Wert über 10 Prozent.

Augsburger Waschanlagenbauer Washtec muss sparen

Die Wirtschaftszahlen zwangen schon vor Corona zu Einsparungen. Ziel war es, die Beschäftigtenzahl weltweit auf 1820 Mitarbeiter zu senken. Hierfür hat man in den USA, wo Washtec 15 Prozent seines Geschäfts macht, 30 Stellen gestrichen. In Deutschland, wo der Marktanteil der Augsburger bei knapp 30 Prozent liegt, drohen laut Koeppe nicht ganz so drastische Maßnahmen. „Mit Blick auf die Beschäftigtenzahlen sprechen wir in Deutschland von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Mitarbeitern. Wir haben dies sozialverträglich gelöst und zum Großteil vertraglich schon fixiert. Zusätzlich haben wir den Einsatz von Leiharbeitern beenden müssen“, so Koeppe. Auch Sachkosten seien schon gesenkt worden. Doch: Sollte die Krise das Investitionsverhalten der Washtec-Kunden nachhaltig beeinflussen, stünde man vor einer weiteren weltweiten Anpassung der Beschäftigtenzahl.

Und auch im Vorstand gab es zuletzt Veränderungen. Im vergangenen Jahr schied Vorstandsvorsitzender Volker Zimmermann aus. Auch Karoline Kalb ist nicht mehr dabei. Aufsichtsratsvorsitzender Günter Blaschke übernahm zeitweise Vorstandsaufgaben. Zum 31. Mai zieht sich nun auch der bisherige Finanzvorstand Axel Jaeger zurück – aus rein privaten Gründen, wie Koeppe betont. Zu den übrigen Personalien nahm er nicht Stellung. Washtec hatte zuletzt immer wieder durch verhältnismäßig rasche Wechsel im Vorstand von sich reden gemacht.

So will Washtec wieder in die Erfolgsspur kommen

Koeppe ist seit Juli 2019 als Technikvorstand mit an Bord. Der 55-Jährige soll angedachte Innovationen weiterdrehen und entwickeln. Koeppe stammt aus Stuttgart und lebt in Augsburg. Er kam von Bosch Rexroth. Dort war er fünf Jahre lang für Innovationen in der Steuerungstechnik zuständig. Davor arbeitete er zwölf Jahre lang in gleicher Funktion für Kuka.

„Washtec ist eine interessante Aufgabe, ich freu mich, so ein tolles Team führen zu dürfen“, sagt Koeppe, der das Unternehmen nicht nur schlanker, sondern auch flexibler machen will. Der Vorstand, dem außerdem Stephan Weber und Kerstin Reden angehören, werde interdisziplinär und es gibt Mitarbeiterteams, die sich um strategische Projekte kümmern. Diese Teams bestehen fast zur Hälfte aus Frauen.

Koeppe ist anzumerken, dass er sich von diesem unternehmensinternen Umbau hin zu flacheren Hierarchien viel verspricht – auch, wieder zurück in die gewohnte Erfolgsspur zu kommen. Dabei helfen könnten die angesprochenen Innovationen. Das Unternehmen ist gerade dabei, eine Waschanlage namens „SmartCare“ auf den Markt zu bringen. Die Autowäsche wird dann per App auf dem Smartphone gebucht. Der Kunde bekommt dazu eine Flatrate. Damit will sich Washtec von der Konkurrenz absetzen und den Absatz steigern.

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