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Kultur

28.01.2018

Augsburg ist auf viele Arten einzigartig

Die Stadt hat sich mit dem Hohen Friedensfest für das immaterielle Welterbe beworben. Derzeit ist die Bewerbung im bayerischen Vorentscheid. Das Friedensfest wird in Augsburg seit 1650 gefeiert und ist inzwischen ein gesetzlicher Feiertag.
Bild: Silvio Wyszengrad

Mit seiner Wasserwirtschaft will die Stadt bald auf der Liste des Unesco-Welterbes stehen. Doch auch das Hohe Friedensfest ist im Rennen für einen Titel.

Auf die Liste des Unesco-Welterbes kommt drauf, was ein besonderes Kulturdenkmal, eine Naturstätte oder eine Mischung von beidem ist. Zuvor muss das potenzielle Welterbe jedoch die Prüfung etlicher Gremien überstehen und zeigen, was es wirklich so besonders macht. Die Jury, die letztlich zu entscheiden hat, sitzt in Paris. Sie bewertet nach dem Kriterium der „herausragenden universellen Bedeutung eines Kulturguts aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen“. Die Einzigartigkeit, historische Echtheit und Unversehrtheit werden geprüft und eines der zehn Unesco-Kriterien muss zutreffen. Im Sommer 2017 standen 1073 Stätten in 167 Ländern auf der Liste.

Die Augsburger hoffen, dass auch Augsburg mit seiner Wasserwirtschaft bald auf der Liste des Unesco-Welterbes steht. Die Bewerbung läuft. In den letzten Jahren gab es schon viele Ideen, mit denen Augsburg berühmt werden wollte. Da gab es das Rathaus und die Achse Maximilianstraße mit Ulrich und Dom. Konkret weiter verfolgt wurden beide Ideen allerdings nicht.

„Aus Deutschland gibt es schon zu viele Gebäude, die auf der Liste stehen“, erklärt Martin Kluger, der die Idee mit dem Wasser anstieß. Außerdem gäbe es einen National- und Themenproporz bei der Auswahl in Paris. Da hätte Augsburg mit Gebäuden keine Chance gehabt. Etwas mit Süßwasserversorgung und Industriekultur fehlte noch auf der Liste. „Authentizität und Integrität müssen für ein Unesco-Welterbe gegeben sein. Daher hätte die Fuggerei keine guten Chancen. Im Krieg wurde zu viel Originales zerstört“, erläutert Kluger.

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Privatinitiative für die Fuggerei

Vielleicht klappt es für die Fuggerei jedoch mit dem europäischen Kulturerbe. Bereits vor zehn Jahren versuchte ein gebürtiger Augsburger einer Privatinitiative, die Fuggerei zum Welterbe zu machen. Die Markenrechte hatte er beim Patentamt angemeldet und mit dem Welterbe-Sekretariat in Paris Gespräche geführt. Doch dann geriet er mit der Fuggerei in Streit, weil er sich die Rechte am Begriff „Welterbe Fuggerei“ sicherte, ohne Rücksprache mit der Familie Fugger zu halten. Daher wurde die Bewerbung nicht weiter verfolgt.

„Aktuell laufen keine Gespräche zu einer Bewerbung für das europäische Erbe. Wir stehen dem jedoch weiterhin positiv gegenüber und sind bereit, die Initiative zu ergreifen, wenn bei allen Beteiligten das Interesse für eine Bewerbung gegeben ist“, sagte Astrid Gabler von den Fuggerschen Stiftungen. Vielleicht wird 2021 zum fünfhundertsten Geburtstag über eine Bewerbung noch einmal nachgedacht.

Neben dem Unesco-Welterbe gibt es ein immaterielles Kulturerbe. Mehr als 170 Länder stimmen dem Grundsatz, mit dem immateriellen Welterbe traditionelles Wissen und Können zu erhalten, überein. Doch was ist das immaterielle Erbe? Auf der Internetseite der Unesco heißt es: „Formen immateriellen Kulturerbes sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben.“

Das immaterielle Erbe gibt es auch auf bundesweiter Ebene. Derzeit befinden sich 68 Kulturformen und vier Programme im Register guter Praxisbeispiele.

Das Stiftungswesen, ein immaterielles Erbe

Für dieses hat sich die Stadt Augsburg mit ihrem Stiftungswesen beworben. Alle formalen Voraussetzungen lagen vor. Pro Bundesland wurden jedoch nur zwei Vorschläge zugelassen. In Bayern gab es zu viele hochwertige Bewerbungen, weshalb Augsburg nur noch auf Landesebene die Chance hat, einen Titel zu gewinnen. Die Bewerbungen werden im zweijährigen Abstand zugelassen. „Ob es eine Bewerbung auf Landesebene geben wird, wird noch geprüft“, sagte Dieter Uitz vom Stiftungsamt. Die Landesverzeichnisse sind nur in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt eingerichtet.

Die Bewerbung um das immaterielle Welterbe für das Augsburger Hohe Friedensfest läuft noch. Derzeit ist die Bewerbung im bayrischen Vorentscheid. Bis zum Sommer soll es Rückmeldung geben, ob es in den Recall geht. Das Fest wurde 1650 zum ersten Mal als Dank für eine konfessionelle Gleichstellung von Protestanten und Katholiken gefeiert. Daher ist der 8. August seit 1949 im Augsburger Stadtgebiet ein gesetzlicher Feiertag.

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