1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburg war 1918 eine Lazarettstadt

Augsburger Geschichte

19.04.2018

Augsburg war 1918 eine Lazarettstadt

Copy%20of%20Lazarett_3.tif
4 Bilder
Die Schillerschule in Oberhausen heißt jetzt Löweneckschule. Sie war bis 1920 als Reservelazarett zweckentfremdet.

Schulen waren als Reservelazarette zweckentfremdet. Aus Klassenzimmern wurden Krankensäle. 3580 Weltkriegstote gab es allein aus der Fuggerstadt.

Der 1. August 1914 war der Tag der Generalmobilmachung. Der Erste Weltkrieg begann. Reservisten strömten zu Tausenden in die Garnisonsstadt Augsburg zu Kriegsbeginn. Die vor Kriegsbeginn mit etwa 6000 Soldaten belegten Kasernen reichten nicht aus, um die Masse der zum Kriegsdienst Einberufenen zu erfassen, einzukleiden und unterzubringen. Also griff man auf Turnhallen, große Saalbauten und Schulen zurück. Fotos belegen die Fremdnutzung durch das Militär. In der Kriegsbegeisterung wurden Rekrutierungen durch Fotopostkarten dokumentiert. Die frisch eingekleideten Soldaten schickten diese Bilder – als „Feldpostkarten“ kostenfrei befördert – von ihrer Zwischenstation auf dem Weg zur Front an die Angehörigen.

Bereits am 20. August 1914 kamen die ersten Soldaten von der Front zurück: Ein Lazarettzug brachte rund 150 Verwundete nach Augsburg! Das Garnisons-Lazarett (heute: St.-Servatius-Stift) war schnell überfüllt. Es wurde umgehend um ein ausgedehntes Barackenlager erweitert. „Garnisons-Lazarett Augsburg, Station B, Baracke 14“ lautet 1916 die Adressenangabe eines dort Untergebrachten auf einer Postkarte.

Augsburger Krankenhäuser und das Garnisonslazarett waren zu Kriegsbeginn Schwerverwundeten vorbehalten, die anderen kamen in „Reserve-Lazarette“. Dazu waren vornehmlich Augsburger Volksschulen umfunktioniert worden. Von nun an kamen Postkartengrüße nicht nur von der Front, sondern auch aus solchen Behelfslazaretten. Die hohe Anzahl der erhaltenen Postkarten mit deren Abbildung deutet auf viele dort untergebrachte Verwundete, Kranke, Traumatisierte und psychisch Geschädigte. Das waren im Verlauf des Krieges Tausende. Sie hielten mit Angehörigen und Freunden mittels Postkarten Kontakt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein großes Lazarett gab es in der Elias-Holl-Schule

Eine solche Ansichtskarte kam vom „Reserve-Lazarett A Zentral-Turnhalle“. Das Foto zeigt den Vorgängerbau der Stadtsparkassenzentrale an der Halderstraße. Es war eines der kleinen Hilfslazarette in Augsburg. Ein sehr großes war das „Reserve-Lazarett B Elias-Holl-Schule“ in der Jakobervorstadt. Es besitzt dank Brecht-Biografien einen erheblichen Bekanntheitsgrad. Diese Ersatzkrankenanstalt verfügte über Großbaracken im Schulhof.

Bert Brecht leistete dort vom 1. Oktober 1918 bis 9. Januar 1919 Dienst als „Militärkrankenwärter“. So wird er in einer Bescheinigung bezeichnet. Er war in einer Abteilung für geschlechtskranke Soldaten sowie für an Ruhr und Cholera Erkrankte tätig.

Die 1908 erbaute Schillerschule in Lechhausen, Blücherstraße 79 (heute: Caritas-Seniorenzentrum St. Anna), wurde unmittelbar nach Kriegsbeginn 1914 zum Lazarett umgewandelt. „Vereins-Lazarett vom roten Kreuz in Augsburg-Lechhausen Schillerschule“ ist eine Postkarte mit dem Bild des großen Baus bedruckt. 14 Klassenräume, drei Zeichensäle, Turnhalle, Schulküche, Brausebäder und Wohnungen standen dem vom Roten Kreuz unterhaltenen Lazarett zur Verfügung.

Aus den Schulfenstern schauen statt Kindern Patienten

Bedeutend größer als die Lechhauser Schillerschule war die Oberhauser Schillerschule an der Flurstraße nahe der Wertach. Sie heißt seit 1932 Löweneckschule. Der Schulkomplex war zwischen 1904 und 1911 in drei Bauabschnitten errichtet worden. Bei Kriegsbeginn verfügte er über 36 Klassenräume für 950 Kinder, zwei Turnhallen, einen Lichtbildsaal und weitere Räume. Zahlreiche von 1915 bis 1920 versandte Bildpostkarten zeigen die Schule von allen Seiten. Die dort Untergebrachten gaben als Postadresse „Reserve-Lazarett Schillerschule L1 in Augsburg 3“ an. Erst 1920 konnte darin der Schulbetrieb wieder voll aufgenommen werden.

Auch die St.-Georg-Volksschule musste geräumt werden und diente als Reserve-Lazarett. Auf einem Foto von 1915 schauen aus den Fenstern statt Schulkindern Patienten. Die zuvor dort unterrichteten 1100 Schulkinder waren währenddessen auf neun Schulen verteilt. Auch hier begann erst im September 1920 wieder der Schulunterricht. Fast zwei Jahre waren seit Kriegsende vergangen, ehe die letzten Patienten aus Reservelazaretten entlassen werden konnten. Sie waren dort meist zur Nachsorge verblieben.

In Augsburg bekamen viele Amputierte Prothesen angepasst. Sie kehrten aus der Lazarettstadt Augsburg als Invaliden zu ihren Familien und ins Arbeitsleben zurück – sofern sie einen Arbeitsplatz fanden.

Das Garnisonslazarett blieb weiterhin ein Krankenhaus für Soldaten. Das geht aus den in Augsburger Zeitungen veröffentlichten Wochenstatistiken über die Belegung hervor. Am 27. Oktober 1920 wurden darin 212 Patienten stationär behandelt. „Davon sind Kriegsteilnehmer 198“, weist die Statistik auf die Langzeitfolgen der am 11. November 1918 beendeten Kampfhandlungen hin.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online-Angebot unserer Zeitung unter www.augsburger-allgemeine.de/ augsburg-album

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20KLU_Gaskessel_(83)(1).tif
Kommentar

Eine Chance für das Gaswerkareal

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket