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Augsburg

14.09.2018

15-Millionen-Paket: So soll die Luft in Augsburg sauberer werden

Trambahnen, Carsharing, Elektroräder: Die Verwaltung hat ihre Ideen konkretisiert, wie die Stickoxidbelastung in Augsburg gesenkt werden soll.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Stadtverwaltung will die Stickoxidbelastung in Augsburg senken. Erstmals gibt es nun 18 konkrete Vorhaben, wie das funktionieren soll.

Eine neue Mobilitäts-App , ein Park-/ Verkehrsleitsystem, elektronische Fahrausweise und eine App, um sich Autofahrten zu teilen: Die Pläne der Stadt, wie sie angesichts der zu hohen Stickoxidbelastung den Verkehr umgestalten will, werden konkreter. Inzwischen liegt eine Liste mit 18 Vorhaben vor. Die Projekte sind etwa 15 Millionen Euro schwer, wovon rund die Hälfte aus dem Diesel-Topf von Bund und Autoindustrie gefördert werden dürfte. Hinzu kommen weitere Überlegungen, etwa der Bau von Parkdecks an den Park-and-ride-Plätzen in Haunstetten-West und Augsburg-West sowie Radwege, was weitere 13 Millionen Euro kosten dürfte.

Die ersten Maßnahmen könnten schon im ersten Halbjahr 2019 umgesetzt werden, so Stefan Klein vom Umweltamt. Der Stadtrat wird das Projektpaket am Donnerstag zur Entscheidung vorgelegt bekommen. Allerdings handelt es sich bei den Maßnahmen nicht durchweg um Projekte, die große Öffentlichkeitswirkung haben. Ein Bestandteil ist beispielsweise, Elektroautos für den städtischen Fuhrpark anzuschaffen.

Förderantrag für intelligente Ampeln wurden gestellt

Andere Projekte haben mehr Breitenwirkung: Für kommendes Jahr geplant ist die Installation von „intelligenten Ampeln“ an der Haunstetter Straße, über die seit längerem diskutiert wird. Durch an den Verkehrsfluss angepasste Schaltprogramme soll der Verkehr flüssiger gemacht werden. Ebenfalls ein Förderantrag gestellt wurde für eine intelligente Ampel zwischen Neuburger und Karlstraße im Osten der Stadt. Gleichzeitig, so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne), müsse man zusehen, dass der Autoverkehr durch die verringerte Reisezeit nicht attraktiver werde – das bringe keine Umweltentlastung. Nötig sei die Stärkung von Alternativen. Alle Ausfallstraßen der Stadt auszustatten, dürfte rund sechs Millionen Euro kosten und würde fünf Jahre dauern.

Der Zeitplan ist ohnehin ein Problem: Damit Geld aus dem Diesel-Topf von Bundesregierung und Autoindustrie fließt, müssen die bezuschussbaren Maßnahmen bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Manches sei innerhalb von zwei Jahren nicht machbar, so die Stadt – zu wenig Geld, um den Eigenanteil zu stemmen, und zu wenig Personal in der Bauverwaltung. Darum habe man eine Auswahl von 18 Projekten getroffen, die machbar scheinen. Unklar ist, ob der Bund eine zeitliche Verlängerung vorsieht.

ÖPNV, Carsharing, Leihrad: SWA bündelt die Angebote in einer neuen App

Ein wichtiger Punkt wird die Digitalisierung des Verkehrs sein. Die Stadtwerke entwickeln eine neue App, in der die bisherigen Angebote Nahverkehr, Carsharing und Leihrad gebündelt werden. Andere Städte haben solche Angebote bereits, in Augsburg könnte die App ab April 2019 laufen. Zusätzlich wird darüber nachgedacht, den Nutzern Informationen über die Parkplatzsituation zur Verfügung zu stellen. Am sinnvollsten sei es, ein Angebot zum Thema Mobilität aus einer Hand zu bieten, sagt Stadtsprecher Richard Goerlich.

Bei den Stadtwerken wird daran gearbeitet, die Handy-App so zu erweitern, dass das Smartphone erkennt, wenn man Bus oder Tram nutzt. Damit wird gleichzeitig ein elektronisches Ticket über die automatisch registrierte Fahrtstrecke gelöst. Dieses System könnte im April 2020 starten. Ein Best-Price-Ticketing, wodurch der Fahrgast am Monatsende die für ihn günstigste Abrechnung seiner Fahrten präsentiert bekommt, wird es so schnell wohl nicht geben – ein solches Modell müsste im ganzen Verkehrsverbund eingeführt werden, was wegen der vielen Partner komplizierter ist.

Augsburg testet autonom fahrende E-Busse

Eher als Experiment ist der Aufbau eines Ride-Sharing-Systems zu sehen, also einer Art elektronischer Mitfahrzentrale. Vor allem abends, wenn Bus und Tram selten fahren, soll es zum Einsatz kommen. Wer wohin muss, kann via Handy Start- und Zielort angeben. Eine App bringt den Kunden und Fahrzeuge, die mit demselben Ziel unterwegs sind (in dem Versuch handelt es sich um Carsharing-Autos der Stadtwerke) zusammen. Das System könnte 2020 starten. Ebenfalls als Test ist der Einsatz eines autonom fahrenden Elektrobusses im Innovationspark ab 2020 zu sehen. Die Stadtwerke erhoffen sich so Erkenntnisse, wie künftige Angebote zur Überbrückung der „letzten Meile“ zwischen Tramhaltestelle und Haustür aussehen könnten. Zusätzlich denkt die Stadt über unkonventionelle Lösungen nach.

Nach wie vor im Gespräch sind City-Trees – Mooswände, die Schadstoffe aus der Luft filtern. Rückmeldungen aus Kommunen, die das System testen, sind unterschiedlich. Auch mit einer Firma, die Luftwäscher auf Basis von Entengrütze entwickelt, ist man im Gespräch. Eine Reihe von Start-up-Unternehmen stellte sich am Donnerstag den Fragen von Fachleuten aus der Verwaltung.

Lesen Sie hierzu den Kommentar: Der Wandel in Augsburgs Mobilität muss kommen

Und das steckt im Maßnahmenpaket:

  • Elektroautos Grünamt und Stadtwerke wollen mehrere Fahrzeuge kaufen
  • Intelligente Ampeln in der Haunstetter Straße und zwischen Neuburger und Karlstraße
  • Mobilitäts-App der Stadtwerke
  • Dauerzählstellen für den Radverkehr
  • Verkehrs- und Parkleitsystem
  • Verkehrsmodell soll um Rad- und Wirtschaftsverkehr erweitert werden
  • Verkehrsdaten-Netzwerk der Stadt (Verkehrsmessungen, Kameras) soll ertüchtigt werden
  • Automatisch abrechnende Nahverkehrs-Tickets auf dem Handy
  • Schnelleres WLAN in Bus und Tram
  • Touch-Screens an neuen Tramhaltestellen (Fahrpläne etc. gibt es nur noch am Bildschirm)
  • Bessere Fahrgastinformation an Haltestellen und in Straßenbahnen
  • Elektronische Mitfahrzentrale via App (Ride-Sharing-System)
  • Modernisierung Vorrangschaltungen an Ampeln für Bus und Straßenbahn
  • Autonomer Bus im Innovationspark
  • Zusätzlich denkbar: Einführung E-Carsharing durch Stadtwerke, mehr Leihräder und Leih-Lastenräder durch Stadtwerke, Ausbau von Park-and-ride mit Parkdecks in der Inninger Straße und in Augsburg-West, Neuorganisation des Lieferverkehrs z. B. mit Drop-Shops.
  • Radverkehr Dafür hat die Stadt weiterhin zwei Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Möglicherweise ist eine Teilförderung aus dem Diesel-Fond möglich.
  • Elektromobilität Unabhängig vom Förderpaket hat die Stadt ein Konzept zur Elektromobilität erstellt, das unter anderem neue Ladestationen vorsieht.
  • City-Zone Ebenfalls in der Planung ist der kostenlose Nahverkehr in der Kern-Innenstadt (City-Zone) durch die Stadtwerke ab dem Jahresende 2019.

Um das Thema Mobilität geht es auch in dieser Folge unseres Podcasts. Jetzt Reinhören:

 

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16.09.2018

»Gleichzeitig, so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne), müsse man zusehen, dass der Autoverkehr durch die verringerte Reisezeit nicht attraktiver werde – das bringe keine Umweltentlastung.«

So schaut's doch wohl aus. Wenn man mal ehrlich ist, geht das doch auch nur noch so weit, bis die Straße an ihre physikalische Auslastungsobergrenze gekommen ist. (Was an manchen Stellen sicherlich jetzt schon so ist.) Ab da an kann man ampelschalten was man will, es wird sich stauen, es werden Autos anderen Autos im Weg stehen. Und die Umwelt geht vor die Hunde, weil in der Zeit natürlich fröhlich Abgase raus gehauen werden. Und warum? Weil Autofahren nach wie vor wo es nur geht attraktiv gehalten wird. Als ob man nicht eh schon zu viel KFZ-Verkehr hätte...

»Ein Best-Price-Ticketing, wodurch der Fahrgast am Monatsende die für ihn günstigste Abrechnung seiner Fahrten präsentiert bekommt, wird es so schnell wohl nicht geben – ein solches Modell müsste im ganzen Verkehrsverbund eingeführt werden, was wegen der vielen Partner komplizierter ist.«

Und so nebenbei stellt sich da dann wirklich auch die Datenschutzfrage, denn mit so etwas kann man auch 1A ein Bewegungsprofil erstellen, wonach sich Polizei und andere Überwacher schon lange die Finger lecken... Die Idee ist eigentlich schon geil, aber sie hat halt auch ihre Schattenseiten.

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14.09.2018

>> Modernisierung Vorrangschaltungen an Ampeln für Bus und Straßenbahn <<

Man sollte den Zuschussgebern gleich sagen, dass in Augsburg hinterher ganz gerne in Richtung Autoverkehr verbessert wird...

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14.09.2018

Da stimm ich zu. Das Meiste ist, ähnlich wie die beim Dieselgipfel von der Autoindustrie (und nicht von der Politik) beschlossenen Software Updates, kaum spürbar aber einfach umgesetzt.
Eine wirkliche schnelle Lösung kann nur sein, das Übel an der Wurzel zu packen. Bedeutet weniger Autoverkehr mit Verbrennungsmotoren!
Aber dafür fehlt der Mut oder die zukunftsfähige Vision.

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16.09.2018

Das Einschränken auf den Verbrennungsmotor halte ich für unnötig. Ob die Energieverschwendung jetzt im Motorraum des Autos stattfindet, oder im Kohlekraftwerk, das ist letztlich egal (auch wenn letzteres bessere Filter hat...). Der Wahnsinn ist doch eigentlich, dass man zum Befördern von ca. 100 kg Mensch ca. 1,5 t Blech rum schiebt. Oder beim Einkaufen für noch viel weniger, denn da ist der Mensch eigentlich auch Ballast... 2 kg Einkauf mit 1,6 t Blech inkl. Mensch. Da macht ein Wirkunsgradsprung des Motors von 40% auf 90% nicht mehr so viel aus. Autos haben sicherlich ihre Berechtigung, aber die massive Verschwendung von Ressourcen und damit Verbunden, Belastung der Umwelt mit Schadstoffen (und nicht zuletzt Lärm und Gefährdung der Umgebung) wird nicht wirklich weniger, nur weil die Motorbauart sich ändert.

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14.09.2018

Die meisten Punkte im Maßnahmenpaket bringen überhaupt nichts für ein kurzfristige Besserung der Luftwerte in der Innenstadt. Vorrangschaltungen für Bus und Straßenbahn halten den Verkehr zusätzlich auf, was zu Erhöhung der Schadstoffwerte führt. es sollte ein Verkehrsleitsystem geben, welches bei erhöhter Schadstoffbelastung die Innenstadt für den Durchgangsverkehr durch großflächige Umleitung des Verkehrs sperrt. wie z-B. Durchfahrt Karlsstraße, Karolinenstraße, Perlachberg, Hoher Weg, Frauentorstraße. Das könnte durch elektronische Sperr- bzw Hinweistafeln, welche mit den Messstationen verbunden sind, in kurzer Zeit bewerkstelligt werden. Carsharing in den Städten sollte z.B. nur noch für Vollelektrisch Fahrzeuge möglich sein. Auch die "City-Trees", bewässerte Moos- oder mit anderen Pflanzen begrünte Wände, sind in Großstädten in Asien ein nachgewiesen, wirksames Mittel zur Reduzierung der Schadstoffe Dies wäre alles kurzfristig möglich Neue Apps, schnelles W-Lan und ähnliches hilft nicht auf die schnelle der Umwelt. Und nur darum geht es vorrangig.

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16.09.2018

»es sollte ein Verkehrsleitsystem geben, welches bei erhöhter Schadstoffbelastung die Innenstadt für den Durchgangsverkehr durch großflächige Umleitung des Verkehrs sperrt.«

An und Pfirsich: Nicht mal verkehrt gedacht. Nur: Wohin dann damit? Die B17 ist eh meistens voll, weil 1. schon viele auf die Idee gekommen sind, Augsburg-City zu umfahren. Und zweitens kommt da noch der überregionale Verkehr ebenfalls daher.

Aber: Das macht die Vorgehensweise nicht automatisch verkehrt. Wie sonst soll ein Anreiz geschaffen werden, für Strecken unter 5 km nicht ständig (um nicht zu sagen: immer) das Auto zu nehmen? Sicher nicht durch Hinoptimieren bis zum bitteren Ende, Hauptsache noch mehr Autos können fahren.

Man könnte es auch viel eleganter lösen: Durchfahrt durch Augsburg physisch mit Pollern unterbinden. Beispiel Groningen: Wer von einem Sektor in den anderen will *muss* außenrum, kann nicht mitten durch die Stadt. Damit hört es sich 1. ganz schnell auf, durch die Stadt durch zu fahren (geht ja nicht) und 2. überlegt man es sich dann eben doch eher noch, ob man jetzt wirklich, wirklich, auf jeden Fall das Auto braucht, oder ob man nicht lieber mit dem Rad den direkten Weg nimmt (und schneller da ist).

Erschlossen ist damit immer noch die gesamte Stadt, keiner kommt nicht mehr nach Hause, der Krankenwagen und die Müllabfuhr kommen auch überall hin. (Könnte man auch noch insofern aufbohren, dass die Notfallfahrzeuge automatisch versenkbare Poller vorfinden, sodass es für diese im Speziellen gar keine Einschränkung gibt.) Man verliert also nicht wirklich was, entspannt die Innenstadtsituation aber erheblich. Um mal einen Denkansatz zu liefern, wie man weniger Verkehr innerhalb der Stadt hin bekäme. Test-Stellen gäbe in Augsburg es genug...

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