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Augsburg

15.10.2020

Bei MT Aerospace sind mehr Stellen in Gefahr als gedacht

Der Augsburger Luftfahrtzulieferer MT Aerospace hat mit mehreren Problemen zu kämpfen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus MT Aerospace hat mit Verzögerungen beim Ariane 6-Programm und Corona zu kämpfen. Bei einer Kundgebung der IG Metall wird deutlich: Es droht ein weiterer Stellenabbau.

Bei der Kundgebung der IG Metall vor den Werkstoren des Luftfahrtzulieferers MT Aerospace war alles genau geplant: Aufkleber am Boden zeigten an, wo sich die Mitarbeiter aufstellen sollten, das Tragen einer Maske war vorgeschrieben und wegen des steigenden Infektionsgeschehens in der Stadt durften diesmal auch nur 50 Mitarbeiter des Unternehmens an der Veranstaltung der Gewerkschaft teilnehmen. Alle anderen wurden gebeten, am Arbeitsplatz zu bleiben. Dass alles seine Ordnung hat, wurde von der Polizei kontrolliert.

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Die Stimmung war dementsprechend gedämpft. Keine Trillerpfeifen, kein medienwirksames Fahnenschwingen oder Skandieren knackiger Parolen. Das Wort ergriffen nur Angela Steinecker, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Betriebsratsvorsitzender Patrick Blattenberger sowie der Betriebsseelsorger der KAB, Hans Gilg. Was sie zu sagen hatten, passte zur Stimmung vor Ort. MT Aerospace braucht dringend Aufträge, sonst fällt der Stellenabbau womöglich deutlicher aus als bisher geplant.

MT Aerospace fehlen zugesagte Gelder und Aufträge

Schon im Herbst 2019 sprach Unternehmens-Chef Hans Steininger davon, dass rund 150 Stellen von einer Streichung betroffen sein könnten, würde sich Deutschland finanziell nicht ausreichend an europäischen Raumfahrtprojekten beteiligen und so Aufträge für Firmen wie MT Aerospace generieren. Denn der Übergang vom Ariane 5- auf das Ariane 6-Programm, an dem die Augsburger jeweils beteiligt sind, lief nicht so wie ursprünglich geplant und sorgte für teils große Auslastungslücken - sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion.

MT Aerospace bat die Politik um Hilfe und hatte damit Erfolg. In der Ministerratskonferenz wurden Entwicklungsbudgets zugesagt, bei MT Aerospace mit dem Ausblick auf neue Aufträge nur rund 80 Stellen abgebaut - sozialverträglich. „Doch von den zugesagten Programmen und Budgets, die zur Sicherung der restlichen Arbeitsplätze nötig sind, ist bisher nichts bei MT Aerospace angekommen“, erzählt Betriebsrat Patrick Blattenberger. Damit laufe man Gefahr, dass nun doch 150 Mitarbeiter oder mehr das Unternehmen verlassen müssen.

IG Metall-Kundgebung bei MT Aerospace: Aufgrund der akuellen Coronabestimmungen konnten nur 50 Mitarbeiter mit Abstand an der Kundgebung teilnehmen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der schleppende Übergang von Ariane 5 zu Ariane 6 und die Verschiebung des Erstflugs auf Anfang 2022 ist aber nicht das einzige Problem für MT Aerospace. Auch die coronabedingte Verzögerung verschiedener Entwicklungsprogramme sowie der drastische Einbruch in der Luftfahrtindustrie sorgen für Auslastungslücken. Manche Mitarbeiter bei MT Aerospace sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit. „Dieses Instrument hilft uns zwar sehr, ist aber keine Dauerlösung“, sagt Hans Steininger. Wenn bis Weihnachten keine Lösung gefunden wird, wie die vereinbarten Entwicklungsthemen und Budgets für die Luft- und Raumfahrtbranche schnell umgesetzt werden können, dann sei das Unternehmen mittelfristig in seinem Bestand bedroht.

Für Gewerkschafterin Angela Steinecker ist klar: „Bei MT Aerospace ist es nicht mehr fünf vor zwölf, sondern es schlägt schon 13.“ Aus ihrer Sicht müsste auch geklärt werden, wie das Unternehmen von dem 100-Millionen-Euro-Paket profitieren kann, das Ministerpräsident Markus Söder für Augsburg zugesagt hat und welche Möglichkeiten es gibt, auch am bayerischen Luftfahrtprogramm „BayLU25“ zu partizipieren.

IG Metall will Beschäftigungssicherung bei MT Aerospace

Doch nicht nur MT Aerospace kämpft. Insgesamt ist die Lage in vielen IG-Metall-Betrieben angespannt. Darauf macht die Gewerkschaft in dieser Woche bei ihrer Aktionswoche „Fairwandel statt Zukunftsangst" aufmerksam. In ganz Bayern sind Beschäftigte der Branche zum Protest gegen die massiven Stellenabbaupläne der Unternehmen aufgerufen, es werden stattdessen Beschäftigungssicherung und Zukunftsperspektiven gefordert. „Viele Unternehmen nehmen Corona als Vorwand für einen Stellenabbau. Dabei gab es schon zuvor Probleme, die man nicht angegangen ist“, sagt Angela Steinecker. In manchen Betrieben habe man auch den Eindruck, Corona sei der ideale Vorwand, um Personal loszuwerden und den Gewinn zu steigern.

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