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05.10.2009

Bluttat wegen Streits um Religion?

Die Bluttat mit zwei Toten im Bismarckviertel nimmt immer rätselhaftere Züge an. Ein 46-Jähriger hat dort laut Polizei am Samstagmorgen in einer Wohngruppe für psychisch Kranke zwei Mitbewohner getötet und eine Frau schwer verletzt. Als mögliches Motiv für die Tat kommt nach AZ-Informationen ein "religiöser Streit" in Betracht.

Der Tatverdächtige, ein 46 Jahre alter Türke, lebte seit einem Jahr in der Wohngruppe im Erdgeschoss des Gründerzeithauses. Er galt als einer, der sich am Leben in der Gruppe aktiv beteiligt. Diakonie-Mitarbeiter, die die Gruppe betreuten, sind fassungslos: Keiner kann sich erklären, weshalb der Mann, der als friedlich galt, so ausrastete.

Auch die Kripo sucht noch nach Antworten. "Es wäre zu früh, über das Motiv zu spekulieren", sagt Kripo-Chef Klaus Bayerl. Der Türke sei bisher erst einmal vernommen worden. Fest steht nur, dass es vor der Bluttat einen Streit in der WG gegeben haben soll. Ob es dabei auch um religiöse Fragen gegangen sein könnte, will der Kripo-Chef nicht kommentieren. Dazu passen würde jedoch, dass sich einer der Getöteten früher intensiv mit katholischer Theologie beschäftigte.

Der Tatverdächtige soll schwer depressiv und trockener Alkoholiker gewesen sein. Am Samstag hatte er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen Rückfall. Obwohl er die Opfer, einen Mann und eine Frau (beide 58), im Alkoholrausch getötet haben soll, gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass der Mann schuldfähig ist. So sah es auch der Ermittlungsrichter, der Haftbefehl wegen des Verdachts auf zweifachen Mord, versuchten Mord und schwere Körperverletzung erließ.

Bluttat wegen Streits um Religion?

"Für das Gericht lag kein Grund vor, den Mann in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen", sagt Roland Fink, Sprecher des Amtsgerichts. Der 46-Jährige habe einen wachen und aufnahmefähigen Eindruck gemacht. Seit Sonntagabend sitzt der Mann nun in der Justizvollzugsanstalt in Stadelheim. Dort sei man besser auf alkoholkranke Häftlinge eingestellt als in der Augsburger JVA, heißt es.

Die beiden Getöteten lebten seit mehr als zehn Jahren in der Wohngruppe im Bismarckviertel. In der Nachbarschaft kannte man sie. Die beiden waren nicht verheiratet, sollen aber ein Paar gewesen sein. Die durch Schläge und Messerstiche schwer verletzte 39-Jährige, die sich auf die Straße rettete, wird weiter im Klinikum behandelt, sie schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Sie hatte den Polizisten nach der Tat den Namen des 46-Jährigen genannt, konnte aber bisher nicht vernommen werden. Der fünfte Bewohner überstand die Tat unverletzt - er hielt sich in seinem Zimmer auf.

Katholische und evangelische Kirche wollen am Freitag mit einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer der Bluttat gedenken. Die Feier beginnt um 17 Uhr in der St.-Anna-Kirche. Unterdessen hat der evangelische Regionalbischof Michael Grabow davor gewarnt, das Konzept der Wohngruppen infrage zu stellen. Die Tat sei schrecklich, aber "einmalig und völlig untypisch".

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