1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. "Boomtown" Augsburg zieht junge Menschen an

Augsburg

07.09.2016

"Boomtown" Augsburg zieht junge Menschen an

Augsburg ist für junge Leute attraktiv. Viele ziehen in die Stadt oder bleiben nach dem Studium hier.
Bild: Foto: Ulrich Wagner

Augsburg zählt zu den 30 boomenden Städten Deutschlands. Die sind vor allem bei den 25- bis 34-Jährigen beliebt. Warum das so ist und was Augsburg so attraktiv macht.

Augsburg gehört zu den 30 boomenden Städten in Deutschland. Das hat der Ökonom Harald Simons von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig festgestellt: Er zählt Augsburg zu den sogenannten Schwarmstädten, nämlich den urbanen Zentren, in denen sich junge Erwachsene bevorzugt niederlassen. Er vergleicht das Abwandern der 25- bis 34- Jährigen mit einem Vogelschwarm, der aufsteigt und sich an einem neuen Ort niederlässt.

Für Markus Hilpert, Geograf der Universität Augsburg, hinkt der Vergleich: „Der Bezug zu einem Vogelschwarm ist irreführend, weil man dann davon ausgehen müsste, dass sich die jungen Erwachsenen abgesprochen hätten. Ihr Verhalten beruht aber auf unabhängigen Entscheidungen.“ Doch die Tatsache stimmt. Augsburg ist anziehend, für Hilpert so anziehend wie ein Magnet. „Eine boomende Stadt zieht nicht nur junge Menschen, sondern auch Investoren, Kapital, Existenzgründer und Kulturschaffende an… Es ist eine sich selbstverstärkende Entwicklung“, so Hilpert. Mit dem positiven Effekt: Junge Erwachsene wollen in Augsburg bleiben.

60 Prozent der Studierenden wollen in Augsburg bleiben

Rebecca Bilger wollte sich die Stadt vor drei Jahren nur mal ansehen. Die Münchnerin hatte zehn Jahre in Wien gelebt und war der Liebe wegen an den Lech gekommen. Ihr Partner lebt hier, arbeitet bei der MAN. Die Vorzüge lagen auf der Hand. „Augsburg bietet einem alles, was man braucht. Wir konnten uns in Kriegshaber sogar ein kleines Häuschen leisten und ich mir in der Altstadt ein Atelier“, sagt die 34-Jährige.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In ihrem Laden „Madam Tamtam“ bietet sie am Mittleren Lech Nähkurse an. Bilger: „Das hätten wir in München nicht bezahlen können. Und wenn man dort am Ende der S-Bahn-Strecke lebt, 40 Minuten entfernt von der Innenstadt, dann bringt es das auch nicht.“

Eine Umfrage der Augsburger Geografen unter Studierenden und Alumni von Universität und Hochschule hat ergeben: 60 Prozent der befragten Studierenden an der Uni und 70 Prozent der Studierenden an der Hochschule gaben an, dass sie nach ihrem Studium in Augsburg bleiben wollen. Hilpert: „Bei der Befragung von Absolventen kam heraus, dass immerhin 50 Prozent der Uni-Alumni und sogar 62 Prozent der befragten Hochschul-Alumni in Augsburg geblieben sind. Je länger die Personen hier gelebt hatten, desto größer wurde auch der Wunsch, hier zu bleiben.“

Augsburg knackt die 290.000-Marke

Das belegen auch Zahlen der Stadt. Seit Jahren wird ein Bevölkerungszustrom nach Augsburg verzeichnet. Zählte Augsburg vor fünf Jahren noch 270000 Einwohner, hat die Stadt in diesem Jahr bereits die 290000-Marke geknackt.

Hält der Trend an, zählt Augsburg in drei Jahren 300000 Bürger. Die Neubürger sind sehr gut gebildet, hat eine Umfrage der Stadt aus dem Jahr 2013 ergeben: 40 Prozent haben einen Hochschulabschluss, 30 Prozent haben Abitur. Sie sind relativ jung und meist Single.

Hilpert: „Es gibt ein Bündel von Argumenten, warum Augsburg für diese Altersgruppe attraktiv ist: Zunehmend mehr passende Jobs, spätere Familiengründungsphase, steigende Mobilität und damit Flexibilität von Wohn- und Arbeitsort oder die hohe Lebensqualität in der Fuggerstadt.“ Nicht nur die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist in Augsburg gestiegen, sondern auch die Anzahl der München-Pendler.

Rebecca Bilger mit Töchterchen Greta lebte in München und Wien. In Augsburg gefällt es ihr am besten.

Rebecca Bilger gefällt die Nähe zur Landeshauptstadt, doch in Augsburg findet sie auch alles, was sie braucht. „Die Stadt ist super für junge Familien und die Umgebung bietet mit Seen und den Westlichen Wäldern tolle Freizeitmöglichkeiten.“ Nach der Geburt ihrer Tochter Greta hat sie ein Studium in Augsburg begonnen. „An der Hochschule für Gestaltung mache ich meinen Master in Design und Kommunikationsstrategie“, sagt sie. Die guten Ausbildungsmöglichkeiten seien ein weiterer Pluspunkt ihrer Wahlheimat.

"Städte sind die Gewinner des 21. Jahrhunderts"

Hilpert sagt: „Städte sind die Gewinner des 21. Jahrhunderts. Zogen in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschen nach Familiengründung in das Umland einer Stadt, bleiben sie heute da. Es gibt diesen neuen Trend, auch mit der Familie in einer Großstadt zu leben.“ Nach der Theorie von Simons entwickeln die Schwarmstädte, zu denen unter anderem auch München, Berlin, Frankfurt, Trier und Darmstadt zählen, eine immer größere Sogwirkung.

Im Fall von Augsburg dürfte sie vor allem durch einen Mangel ausgebremst werden: fehlender Wohnraum. Während Augsburg zuletzt jährlich um rund 5000 Einwohner wuchs, wurden vergleichsweise wenig Wohnungen gebaut. Jahr für Jahr sind es im Schnitt 1500 – zu wenig für die große Nachfrage.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren