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Augsburg

02.12.2017

Bremst die Wohnungsnot das Wachstum der Stadt?

Augsburg wächst weniger stark, als dies zunächst prognostiziert wurde. Ein Grund dürfte sein, dass nicht genügend Wohnraum zur Verfügung steht.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Augsburg legte dieses Jahr um 2100 Einwohner zu. In den Vorjahren waren es bis zu 5000 Neubürger. Was das für den seit Jahren angespannten Wohnungsmarkt bedeutet.

Der Bevölkerungszuwachs der vergangenen Jahre in Augsburg dürfte allmählich ein Ende finden: Wie das Statistikamt der Stadt auf Anfrage mitteilte, wuchs die Zahl der Einwohner von Januar bis Ende Oktober 2017 um rund 2100. Weil es zum Jahresende relativ wenig Bewegung bei Weg- und Zuzügen gibt, ist es so gut wie sicher, dass die Zahlen der Vorjahre – es gab Zuwächse von etwa 5000 Personen pro Jahr – 2017 bei weitem nicht erreicht werden. Offen ist, ob das für Entspannung auf dem engen Wohnungsmarkt sorgen wird – oder ob nicht eher der Mangel an Wohnungen zum Wachstums-Killer geworden ist.

Klar ist, dass der Zuzug der vergangenen Jahre dafür sorgte, dass Wohnungen knapper und somit teurer werden. In den letzten fünf Jahren legte Augsburg um etwa 20.000 Einwohner zu. Die Leerstandsquote bei Wohnungen, die 2011 noch bei 3,5 Prozent lag, dürfte inzwischen deutlich gesunken sein. Dass es eine Entspannung gibt, glauben Experten nicht. "Es sind keine Reserven mehr da und die Lage wird mit dem Zuzug durch die Uni-Klinik nicht besser werden. Dann gibt es viele anerkannte Flüchtlinge, die jetzt eine Wohnung bräuchten. Es stehen Gruppen in Konkurrenz zueinander", sagt Thomas Weiand, Vorsitzender des Mietervereins Augsburg.

Immobilienmarkt Augsburg: Eine Entspannung ist nicht absehbar

Immobilienmakler Florian Schreck, Regionalbeirat des Immobilienverbandes IVD, sagt, dass das inzwischen gebremste Bevölkerungswachstum auf dem Immobilienmarkt nicht spürbar ist. "Und eine Entspannung halte ich in nächster Zeit nicht für absehbar." Über Jahre sei zu wenig gebaut worden. Möglicherweise gebe es auch eine Bewegung ins Umland. Augsburg spürte Ausweicheffekte aus München wegen des dortigen Immobilienangebots und der Preise. "Möglicherweise kommt es jetzt innerhalb der Region zu solchen Effekten, nämlich dass Randgebiete und Lagen weiter draußen interessanter werden. Voraussetzung ist, dass es eine gute Verkehrsanbindung gibt."

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Wie es in Augsburg mit dem Bevölkerungswachstum weitergeht, ist unklar. Um einen eindeutigen Trend festzustellen, müsse man zumindest das Ende des Jahres abwarten, sagt Sebastian Schneid vom Statistikamt. 2018 will die Behörde eine neue Bevölkerungsprognose berechnen. Interessant dürfte dann auch eine Analyse der Zuzügler sein. Auffällig ist, dass die Zuzügler in diesem Jahr fast ausschließlich EU-Ausländer waren – im Saldo waren es gerade um die 70 deutsche Staatsbürger, um die Augsburg seit Jahresanfang gewachsen ist.

Unabhängig von der Nationalität war bisher davon auszugehen, dass die Marke von 300000 Einwohnern im Jahr 2019 überschritten wird – im Anschluss sollte sich der Zuwachs stark abflachen. Ob diese Aussage noch Gültigkeit hat, ist unklar – die 300000-Marke wäre mit den neuesten Entwicklungen allenfalls zum Jahresende 2019 erreichbar. Mit in die Berechnung fließen die Werte der vergangenen Jahre, aber auch die Zahl der zu erwartenden Wohnungsneubauten mit ein.

Stadt: Viele Flächen sind in Planung

Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahren etliche Bebauungsplan-Verfahren auf den Weg gebracht, um neue Wohngebiete zu schaffen. Abgesehen vom Martini-Park und dem Ladehof am Bahnhof, wo aktuell schon gebaut wird, sind viele Flächen aber noch in der Planung oder werden erst in Kürze baureif sein.

Die Stadt ist nicht der Meinung, die Schaffung neuer Baugebiete zu spät angegangen zu sein. "Zielrichtung meiner Politik war schon immer organisches Wachstum, nicht Wachstum um jeden Preis", sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Ein überhitztes Wachstum bringe Probleme für die Infrastruktur, aber auch für den innergesellschaftlichen Frieden. "In München gibt es Gebiete, wo von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird, wenn nebenan ein neues Baugebiet entstehen soll", sagt Baureferent Gerd Merkle. Schulen und Kitas müssten nachwachsen.

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