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Augsburg

22.07.2016

Claudia Roth in Moschee unerwünscht

Um politische Konflikte unter Gläubigen zu vermeiden, wird eine Lesung in einer Moschee mit Claudia Roth abgesagt.
Bild: Ulrich Wagner

Um politische Konflikte unter Gläubigen zu vermeiden, wird eine Lesung in einer Moschee mit Claudia Roth abgesagt. Was steckt dahinter?

Im Vorfeld einer Veranstaltung zum Augsburger Hohen Friedensfest mit Claudia Roth kam es zu Verstimmungen zwischen der Stadt und einer beteiligten Moscheegemeinde. Die Lesung des Autors Björn Bicker, „Was glaubt ihr denn“, die am heutigen Samstag wie im Programmheft aufgeführt in der Selimiye-/Kammgarnmoschee stattfinden sollte, wurde überraschend ins Textilmuseum verlegt. Der Moscheevorstand hatte die Veranstaltung abgesagt. Auf dem Podium wird neben dem Autor und Pfarrer Frank Zelinsky (Barfüßergemeinde) statt des Moscheevorstands Ali Akçe nun Sonhaibuo Diane von der Senegalesischen Gemeinde die muslimische Perspektive vertreten.

Claudia Roth als geeignete Gesprächspartnerin

Was war passiert? Erste Absprachen mit dem Moscheeverein, der zum deutsch-türkischen Dachverband DITIB gehört, und anderen Partnern wurden im März getroffen. In Abstimmung mit dem Friedensbüro entschied das verantwortliche Büro für Migration, aus Gründen der Parität eine Frau für das Podium zu gewinnen. Ende Juni teilte Büroleiterin Margret Spohn den Kooperationspartnern schriftlich mit, dass Claudia Roth (Grüne) teilnehmen werde. Die Augsburger Bundestagsabgeordnete und Bundestagsvizepräsidentin eigne sich für die Runde wegen „ihrer individuellen Geschichte mit verfasster Kirche und persönliche Religiosität“. In dem Brief vom 30. Juni heißt es: „Es geht speziell um die eigene individuelle Auseinander- setzung mit dem Glauben und nicht um eine politische Dimension.“

Ali Akçe, Vorstand des Moscheevereins, beklagt, nicht von Anfang an über die Teilnahme von Claudia Roth informiert gewesen zu sein. So kooperierte er zunächst. „Wir als Vorstand wollten eine Lesung mit dem Autor und anderen religiösen Vertretern, aber keine Politik mit Claudia Roth in unserer Moschee. Sie wäre als Gast willkommen gewesen, aber nicht als Bundespolitikerin auf dem Podium, weil das nichts mit Religion zu tun hat“, erklärt Akçe im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeinsam habe man entschieden, die Veranstaltung in den Vereinsräumen abzusagen. Nur seien politische Diskussionen unter den Gemeindemitgliedern zu vermeiden gewesen, die „Unruhe und Konflikten“ heraufbeschworen hätten.

Claudia Roth hat ihre Teilnahme abgesagt

Die Absicht der Lesung sei von Anfang an der Dialog über persönliche und institutionelle Zugänge zu Religion gewesen, erklärt Margret Spohn vom Büro für Migration der Stadt. Sie bedauert die Entscheidung der Moschee. Sie sieht einen Zusammenhang mit der Armenien Resolution, dem Putschversuch und den aktuellen Ereignissen in der Türkei. „Wir denken, dass in einer demokratischen Gesellschaft und vor allem in der Friedensstadt Konflikte gemeinsam ausgetragen werden müssen und nicht zum generellen Ausschluss demokratisch legitimierter Vertreterinnen der Politik führen dürfen. Gerade in der jetzigen Situation bedauern wir es sehr, dass kein Vertreter der DITIB auf dem Podium sein wird. Wir werden den Gesprächsfaden aber nicht abreißen lassen“, so die Büroleiterin. Claudia Roth hat ihre Teilnahme inzwischen abgesagt.

Björn Bicker, „Was glaubt ihr denn“, Lesung und Diskussion am Samstag, 23. Juli, um 19 Uhr im Textil-museum.

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