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Augsburg

27.06.2020

Corona-Sommer: Der Ansturm auf die Freibäder in Augsburg bleibt aus

2240 Besucher dürften sich derzeit gleichzeitig im Familienbad am Plärrer aufhalten. Diese Zahl wurde bislang aber nicht erreicht.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Die Besucherzahlen in den Freibädern in Augsburg sind niedrig. Die coronabedingten Auflagen schrecken offensichtlich viele ab. Was Badegäste von den Regeln halten.

Sonnenschein mit Temperaturen über 20 Grad – eigentlich perfektes Badewetter. Während die Badeseen einen guten Zulauf verzeichnen, bleibt der große Ansturm auf Augsburgs Freibäder bislang aber aus. Eine erste Bilanz zeigt, dass die coronabedingten Höchstgrenzen der Besucherzahlen bei Weitem nicht erreicht werden.

Seit Montag gälten für die Freibäder neue Vorschriften, sagt Ulrike Greiffenberg, Leiterin des Sport- und Bäderamtes. Die zulässigen Zahlen für die maximale Badegastzahl je Bad konnte verdoppelt werden. Demnach dürfen derzeit gleichzeitig 1760 Personen im Fribbe, 260 im Lechhauser Freibad, 2710 im Bärenkeller Bad und 2240 im Familienbad sein. Am sonnigen Mittwoch lagen die Besucherzahlen allerdings weit darunter: Im Bärenkellerbad waren es vormittags 123 Personen, nachmittags 547, im Fribbe 40 bzw. 295, im Freibad Lechhausen 46 bzw. 110 und im Familienbad 142 bzw. 457. Insgesamt verzeichnete die Stadt seit der Öffnung der Freibäder inzwischen über 6500 Badegäste.

Einschränkungen für Badegäste in Augsburger Freibädern

„Uns ist bewusst, dass diesen Sommer alle Badegäste mit Einschränkungen zu rechnen haben und zum Teil Enttäuschung darüber besteht, dass nicht dieselben Regeln wie in den Vorjahren gelten“, sagt Ulrike Greiffenberg. Dennoch seien ihr Team und sie bemüht, allen Badegästen den Aufenthalt trotz der coronabedingten Einschränkungen so angenehm wie möglich zu gestalten, und hofften sehr, dass der Betrieb in den Augsburger Bädern Schritt für Schritt wieder zum „Normalen“ zurückkehren könne.

Derzeit werden zwei Zeitfenster angeboten, zuzüglich einer einmal wöchentlichen Frühschwimmerzeit im Bärenkellerbad und im Familienbad. Nachmittags sind die Bäder von 14 bis 15 Uhr geschlossen, damit Mitarbeiter eine Zwischenreinigung und Desinfektion vornehmen können. Maskenpflicht gilt in ausgewiesenen Bereichen wie dem Eingangsbereich. Daneben bleiben Duschräume und Umkleiden ebenso geschlossen wie Plätze für Mannschaftssportarten wie beispielsweise Beachvolleyball. Freibadbesucher sehen die Auswirkungen dieser Regelungen teilweise kritisch.

Teils lange Menschenschlangen vor den Freibädern in Augsburg

Zu Beginn der Nachmittagsschicht bilden sich teils lange Menschenschlangen, wie hier am Familienbad. Innen geht es dann ruhiger zu.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Um 15 Uhr bilden sich teils lange Menschenschlangen vor den Freibädern. So auch diese Woche am Fribbe. Svea Schaufler besucht das Bad mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Sie freut sich auf den Besuch trotz der Auflagen, denn das sei allemal „besser als nichts“. Lars Müller ist mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern bereits das zweite Mal im Fribbe. Beim ersten Besuch sei sehr wenig losgewesen. „So alleine im Freibad, das war ganz angenehm, aber natürlich ein bisschen ungewöhnlich“, sagt er. Die Auflagen hält er für völlig in Ordnung. Den Kindern würde es so oder so gefallen.

Eine Besucherin stört sich an den Öffnungszeiten. „15 bis 20 Uhr ist mir fast zu spät. 13 bis 17 Uhr fand ich besser“, sagt sie. Einer anderen Besucherin fehle der Spind, wo sie normalerweise ihre Liege lagere. Das Nichtschwimmerbecken im Fribbe werde auch immer wieder vom Personal geräumt, was zu Unmut führe. „Legt man die allgemeine Regelung für Bäder mit der Bemessungsgrenze von zehn Quadratmeter pro Person zugrunde, so kommt man im Nichtschwimmerbecken derzeit auf eine zugelassene Anzahl von 22 Personen. Da auch das Mindestabstandsgebot von 1,5 Metern zu beachten ist, kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter vor Ort im Einzelfall das Becken räumen lassen, wenn diese Abstände augenscheinlich nicht eingehalten werden können“, erklärt Ulrike Greiffenberg.

Die Öffnungszeiten der Augsburger Freibäder wurden von anfänglich drei Schwimmzeiten auf zwei Zeitfenster reduziert. Seither sei der Nachmittagsblock auch besser besucht, bestätigt Lukas Angelhuber, Bademeister im Fribbe. Als Hemmnis empfinden viele Badbesucher nach wie vor, dass sie sich vor ihrem Besuch online registrieren müssen. Im Fribbe hängt aus diesem Grund ein QR-Code vor dem Eingangsbereich aus, über den sich Badegäste noch spontan mit dem eigenen Smartphone registrieren können.

Sicherheitskraft am Lechhauser Freibad im Einsatz

Peter Meier ist als Sicherheitskraft derzeit im Freibad Lechhausen im Einsatz und muss den Besuchern oft erklären, warum sie sich vor ihrem Besuch im Internet registrieren müssten und wie es funktioniert. Manchmal leiht er den Badegästen dafür auch kurz sein Handy. Die Leiterin des Sport- und Bäderamtes erklärt den Einsatz von Sicherheitspersonal: „Das Lechhauser Freibad hat die Besonderheit, dass es unbeheizt und kostenlos ist. Da kein Eintrittsgeld verlangt wird, gibt es dort kein Kassenpersonal. Aufgrund der coronabedingten Auflagen wird eine Kraft benötigt, die den ordnungsgemäßen Einlass und die Einhaltung der Auflagen sicherstellt.“ Wie viel der Einsatz des zusätzlichen Sicherheitspersonals koste, könne sie erst am Ende der Freibadsaison sagen.

Jay Knoxville ist als Gast im Lechhauser Freibad. Ihn „nerven“ die vielen Vorgaben – er hält sie für übertrieben. „Durch die zwei Zeitblöcke bilden sich anfangs lange Schlangen am Eingang, weil die Leute ihre Zeit ausnutzen wollen. Ansonsten kämen die über den Tag verteilt.“ Knoxville befürchtet, dass gerade viele ältere Stammgäste die Freibäder nicht mehr besuchen würden, weil sie sich online registrieren müssten.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Stadt sollte Alternativen prüfen

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27.06.2020

Sämtliche Coronavorschriften schränken die natürliche Bewegungs- und Handlungsfreiheit ein und sorgen dafür, dass das Interesse an gewissen Dingen nachlässt. Deshalb ist es, bei ohnehin nicht extremen Badewetter kaum verwunderlich, dass der Andrang in den städtischen Freibädern überschaubar bleibt. Insofern sind die sich trotzdem bildenden Schlangen am Einlass bedenklich. Wie sehen die erst aus, wenn wirklich Ansturm herrscht?

Völlig unverständlich ist, warum die Augsburger Besucherbetriebe (Zoo, Bäder, Botanischer Garten), nicht auf einer Plattform - die auf die jeweiligen Bedürfnisse modifiziert ist - ein schlüssiges Buchungskonzept anbieten können. Warum kann man beim Zoo seine Karte online und NUR so erwerben und bei Bot. Garten und Freibad gar nicht? Auch wenn man argumentiert, dass eine andere Besucherschaft vorliegt - registrieren müssen sich ja auch die alten Menschen, die vllt. keinen PC haben und außerdem, könnte man ja wenigstens die vom an der Kasse Stehen ausnehmen, die sich ihr Ticket online ausdrucken lassen können.

Das ist einigermaßen undurchdacht und ein schlechter Service.

Was aber ein wirklich untragbarer Zustand ist, über den geschwiegen wird, weil die braven Bürger offensichtlich nicht genügend auf die Barrikaden gehen, ist der Umstand, dass der Botanische Garten seine Öffnungszeiten dramatisch eingeschränkt hat. Montag, Dienstag komplett geschlossen. Ab Mittwoch bis Sonntag jeweils ab Mittag geöffnet.

Wer hat sich das ausgedacht, wer trägt dafür die Verantwortung? Herr Erben? Dem wäre das zuzutrauen! Entzerrung heißt das Zauberwort in der Coronakrise und nicht zusammenstreichen der früheren Besuchszeiten und dann noch der völlige Wegfall der angenehm frischen Vormittagsstunden. In der glühenden Mittagshitze soll man dann in den Bot. Garten gehe? Prima. Ältere Besucher sollen dieselbe ja oft meiden.

Es wäre schön, wenn die AA da mal nachhaken könnte. Die Oberbürgermeisterin schickt auf Schreiben in dieser Sache nämlich nicht mal eine Empfangsbestätigung.

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27.06.2020

Schlangen vor dem Bad sind nicht schlimm. Es gibt nur eine vernünftige Coronaregel, neben Hygiene, das ist nun einmal der Abstand. Auch damit käme man relativ schnell ins Bad. Aber keine Duschen und keine Umkleidekabinen - das sehe nicht nur ich als einen schlechten Witz an. Das gilt für 70%-80% aller hirnrissigen Regeln.
Aber als "Fast-" Monopolist kann man Regeln und Preise fast willkürlich festsetzen. Siehe z.B. auch beim AVV.

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