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Augsburg

03.09.2020

Corona-Testergebnisse fehlen: OPs in Augsburg müssen abgesagt werden

In den Testlabors herrscht aktuell Hochbetrieb. Gleichzeitig gibt es teilweise Nachschubprobleme bei Materialien für Corona-Tests.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Klaus Kellerer hätte diese Woche in der Augsburger Klinik Vincentinum operiert werden sollen. Die Absage des Eingriffs hat immense Folgen für ihn.

Klaus Kellerer ist sauer. Er hatte sich im Mai für eine Operation in der Augsburger Klinik Vincentinum angemeldet. Die OP sollte am 1. September stattfinden. Nun wurde der Termin kurzfristig abgesagt. Es gab Probleme mit dem notwendigen Corona-Test vor dem Eingriff. Kellerer sagt, die Ergebnisse aus einem externen Labor hätten nicht rechtzeitig vorgelegen. Er ist nicht der einzige Patient, dem das passiert ist.

Vor Operation in Augsburg: Patient musste umsonst in Quarantäne

Der 52-Jährige hatte sich an alle Vorschriften gehalten, damit die Operation planmäßig stattfinden konnte. „Am Freitag habe ich einen Corona-Test machen lassen, danach bin ich das ganze Wochenende in Quarantäne gegangen, doch am Montag war das Testergebnis nicht da“, ärgert er sich. Deshalb sei der am Dienstag vorgesehene Eingriff im Vincentinum abgesagt worden.

In der Klinik an der Franziskanergasse mussten aus diesem Grund an zwei Tagen hintereinander mehrere OPs ausfallen, und zwar Anfang dieser Woche. Das bestätigen Mediziner der Praxis MVZ für Chirurgie und Orthopädie am Vincentinum, die dort operieren. Genaue Zahlen, wie viele Patienten betroffen waren, wurden unserer Redaktion nicht genannt. Geschätzt wurde eine niedrige zweistellige Zahl.

Klaus Kellerer musste seinen Eingriff verschieben, weil das Corona-Testergebnis nicht vorlag.
Bild: Silvio Wyszengrad

Corona-Tests: Klinik Vincentinum verweist auf Reiser-Rückkehrer

Die Geschäftsführung des Vincentinum nennt jedoch die Gründe, warum Eingriffe abgesagt werden mussten: Die Covid-Testkapazitäten seien derzeit gerade wegen des Ferien-Rückreiseverkehrs sehr strapaziert. „In dieser Situation kann es natürlich vorkommen, dass ein Ergebnis nicht rechtzeitig vor einer geplanten Operation vorliegt und der Eingriff in Absprache mit dem Patienten verschoben werden muss“, so eine Sprecherin. Davor sei auch die Klinik Vincentinum nicht gefeit, die mit Belegärzten arbeitet. Allerdings handele es sich bei Weitem nicht um ganze OP-Tage, die abgesagt werden mussten, sondern nur um „vereinzelte Fälle“.

Im Vincentinum gibt man sich zuversichtlich, dass das Ende der Ferienzeit zu einer Entlastung der Labore beitragen wird. Andere sind da skeptischer, etwa Spezialisten aus den Testlaboren. Wie es zu Verzögerungen bei Corona-Tests kommt, erklärte kürzlich Gabriele Schön, Geschäftsführerin des Unternehmens Labor Augsburg MVZ. Das Problem sind danach nicht Personal- oder Gerätekapazitäten. Es sind Materialien, die fehlen. Und zwar in großem Maßstab. Dabei gehe es um Zubehör wie sterile Plastikteile, ohne die Virusproben nicht untersucht werden könnten.

Langes Warten auf Testergebnisse: Testlabor beklagt Lieferprobleme

Laut der Geschäftsführerin betrifft der Materialmangel nicht nur ihr Unternehmen, sondern die gesamte Branche. Bereits in der „heißen Phase“ während des Shutdowns seien diese Probleme aufgetreten, erklärte Schön Ende August. Nun erlebe man es seit etwa zwei Wochen erneut. Teilweise wertet das MVZ rund 25.000 Virusproben pro Tag aus, allein im Augsburger Labor. Aktuell habe es Lieferprobleme beim Material für das sogenannte PCR-Gerät gegeben, sagte die Geschäftsführerin am Mittwoch. Von den Verzögerungen war der Probeneingang von 1,5 Tagen betroffen. Das derzeit hohe Testaufkommen komme vor allem durch Reiserückkehrer und verschiedene Reihentestungen zustande.

Entspannt sich die Lage wieder? Oder sind bald neue Verzögerungen zu erwarten? „Wir testen weiter und haben einige Lösungsmöglichkeiten erarbeitet“, sagt Schön. Vermutlich werde das Labor in dieser Woche wieder einigermaßen Herr der Lage sein. Für nächste Woche sei jedoch bei weiter steigenden Anforderungen erneut mit Verzögerungen zu rechnen – etwa dann, wenn Lehrpersonal getestet wird.

 

Patient Klaus Kellerer betont, er sei nicht auf das Labor und auch nicht auf die Klinik schlecht zu sprechen. Er kritisiert, dass vor allem Urlauber die Test-Kapazitäten zusätzlich ausreizten: „Reiserückkehrer belasten das System, und andere müssen die Suppe auslöffeln.“ Der 52-Jährige bekommt die Folgen nun persönlich zu spüren. Dabei hat er selbst wegen der Pandemie auf einen Urlaub außerhalb Deutschlands verzichtet, wie er sagt.

Wichtige Untersuchungen müssen wiederholt werden

Kellerer und seine Frau sind beruflich selbstständig. In Gersthofen betreiben sie eine Praxis für Naturheilkunde. Sie hatten den Operationstermin im Vincentinum genau geplant. Anschließend wollte er sich erholen, wenn die Praxis wegen Urlaubs geschlossen ist. Nun hat er zwar einen neuen Termin Ende Oktober bekommen. Ein Problem ist aber, dass er nach dem Eingriff seinen eigenen Patienten nicht absagen will. „Unsere Praxis hatte bereits Einbußen wegen Corona.“ Kellerer ärgert sich auch darüber, dass er alle nötigen Untersuchungen vor der Operation nun noch einmal wiederholen muss. Auch dies verursache zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem.

OP-Absagen? So läuft es in der Uniklinik in Augsburg

Bleibt die Frage, ob es aktuell auch in anderen Krankenhäusern Probleme mit verzögerten Corona-Testergebnissen gebe. Im Augsburger Uniklinikum ist das nach Angaben von Sprecherin Ines Lehmann nicht der Fall. Das Großkrankenhaus führt die Tests selbst durch. Bundesweit gebe es zwar Lieferengpässe bei Labormaterialien. Im Moment sei es in der Uniklinik aber möglich, die Patientenversorgung und die Sicherheit der Mitarbeiter mit den vorhandenen Test-Kapazitäten sicherzustellen.

 

Bereits bei der OP-Vorbereitung werde eine Corona-Testung geplant oder durchgeführt, sodass zur Operation ein Befund vorliegt, teilt die Sprecherin mit. Auch jeder stationär aufgenommene Patient wird am Uniklinikum getestet. Darüber hinaus können Schnelltests gemacht werden. So seien Notfall-Eingriffe möglich. Kurzfristigen Ausfällen von OP-Terminen werde auf diese Weise entgegengewirkt.

Lesen Sie dazu auch: Augsburgs Corona-Testzentrum an der Messe muss bald umziehen

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