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Interview

22.07.2019

Das bietet das Programm zum Augsburger Friedensfest

Am 8. August treffen sich wieder Interessierte zur großen Friedenstafel auf dem Rathausplatz.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Kunst- und Kulturprogramm zum Augsburger Friedensfest wurde dieses Jahr in den Stadtteilen ausgebaut. Friedensbüro-Leiterin Christiane Lembert-Dobler sagt, woran das liegt.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck wird das Kunst- und Kulturprogramm zum diesjährigen Friedensfest im Goldenen Saal eröffnen. Wie kamen Sie auf ihn?

Lembert-Dobler: Wir hatten mitbekommen, dass er in der Evangelischen Akademie Tutzing über Freiheit und Verantwortung gesprochen hatte. Nachdem wir uns dem diesjährigen Friedensfest aus der Perspektive der Freiheit nähern, passte das wunderbar. Der Oberbürgermeister hat ihn dann eingeladen. Ich habe mich sehr gefreut, dass er sofort zugesagt hat.

Wie wird sein Besuch in Augsburg ablaufen?

Lembert-Dobler: Er wird sich in Augsburg ins Goldene Buch eintragen und bei der Eröffnung mit sechs jungen Menschen über das Thema Freiheit und Verantwortung sprechen.

Joachim Gauck war von 2012 bis 2017 Bundespräsident. Er wird am Mittwoch das diesjährige kulturelle Rahmenprogramm des Friedensfestes eröffnen.
Bild: dpa

Im vergangenen Jahr ging es um „Utopien – Was wäre, wenn...?“. Lässt sich das Thema Frieden leichter über die Freiheit erschließen?

Lembert-Dobler: Nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick war es aber tatsächlich schwerer.

Warum?

Lembert-Dobler: Natürlich denkt man zunächst an die unbegrenzte Freiheit. Doch daran schloss sich die Diskussion an, inwieweit der Staat, die Gesellschaft, die Familie oder der Arbeitsplatz, also mein Umfeld, die Spielräume bestimmen.

Wie haben Sie sich dem Thema genähert?

Lembert-Dobler: Wir haben unter anderem eine Fragebogenaktion zur Kunstfreiheit durchgeführt. Darin haben wir Abbildungen von einer umstrittenen Kunstinstallation mit einer goldenen Statue des türkischen Staatspräsidenten Erdogan in Wiesbaden gezeigt und Blackfacing thematisiert, also karikaturhafte Darstellung schwarzer Menschen durch weiße Schauspieler. Die Frage war jeweils, ob das als Kunst vertretbar ist oder inakzeptabel.

Und die Reaktionen?

Lembert-Dobler: Bei Erdogan war die überwiegende Meinung, dass das gar nicht gehe. Bei dem Blackfacing fiel die Reaktion nicht so einhellig aus. Freiheit wird – wen wundert es – unterschiedlich empfunden. Es kommt darauf an, wie man sozialisiert wurde. Jede Gesellschaft oder Gruppe hat ihre eigenen Normen und Regeln.

Sie setzen sich mit einem kulturellen Programm mit dem Friedensfest auseinander. Es gibt Bürger, die eine andere Herangehensweise erwarten würden, etwa durch ein großes Fest.

Lembert-Dobler: Diese Erwartungen kann ich verstehen, aber wir sind ein anderes Format als beispielsweise die Sommernächte und streben das auch gar nicht an. Das Ziel ist, sich thematisch mit dem besonderen und einmaligen Augsburger Feiertag auseinanderzusetzen. Das Rahmenprogramm zum Feiertag selbst, dem 8. August, liegt in den Händen der evangelischen Kirche und der Stadt Augsburg. Die Gottesdienste und das Festkonzert werden von der Kirche verantwortet – das Friedensbüro kümmert sich an dem Tag ausschließlich um die Friedenstafel. Das Kinderfriedensfest organisiert das Amt für Kinder, Jugend und Familie.

Wären Sie offen für eine Veränderung?

Lembert-Dobler: Da kann ich wiederum nur für die Friedenstafel sprechen. Klar kann man überlegen, ob sie immer auf dem Rathausplatz stattfinden muss oder nicht einmal an einem anderen Ort. Auf der anderen Seite hat der Rathausplatz natürlich eine besondere Symbolkraft.

In diesem Jahr wird es auch wieder drei Friedenstafeln geben.

Lembert-Dobler: Ja. Auf dem Helmut-Haller-Platz in Oberhausen findet in diesem Jahr zum vierten Mal eine Kleine Friedenstafel statt, auf dem Bürgerplatz im Bärenkeller zum zweiten Mal. Wir haben Aktionsgemeinschaften aus anderen Stadtteilen angeschrieben, ob wir das Friedensfest und die Arbeit des Friedensbüros mal vorstellen dürfen. Da war das Interesse allerdings bisher nicht so groß.

Im Vorjahr feierte die Kleine Friedenstafel im Bärenkeller Premiere. Wegen des Regens wurde sie in den Pfarrsaal verlegt. Am 28. Juli gibt es die zweite Auflage – bei trockenem Wetter auf dem Bürgerplatz.
Bild: Michael Hochgemuth

Das Programm in den Stadtteilen wurde zusätzlich ausgebaut. Wie kam es dazu?

Lembert-Dobler: Das hängt von unseren Kooperationspartnern ab. In diesem Jahr bringt sich unter anderem der Stadtjugendring sehr stark ein. Im Jugendspielplatz Reesepark Kriegshaber veranstalten wir Ende Juli etwa „Peace out – 4 Tage 5 Themen“. Dort setzen sich Jugendliche auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Freiheit auseinander, – es geht unter anderem um Konsumfreiheit oder Freizügigkeit im Netz.

Auf was freuen Sie sich denn besonders?

Lembert-Dobler: Natürlich auf das ganze Programm. Wer wie ich viele Veranstaltungen besucht, kommt richtig in das Festival und das Thema hinein. Ich bin gespannt auf den Theater-Walk der Freien Szene und die Veranstaltung zu den Verschwörungstheorien. Ich freue mich auf das Tableau Vivant des Künstlerkollektivs Salon Irmgard.

Welches Werk werden die Künstler darstellen?

Lembert-Dobler: „Die Freiheit führt das Volk“ des französischen Malers Eugène Delacroix, das er anlässlich der Juni-Revolution 1830 malte. Die Darsteller werden sich am Sonntag, 28. Juli, erstmals auf dem Rathausplatz positionieren und anschließend in einer Prozession durch die Stadt ziehen, um sich an verschiedenen Stellen wieder zu Delacroixs Gemälde zusammen zu fügen. Die Probe war schon grandios!

Info Das Programmheft liegt u.a. in der Bürgerinformation am Rathausplatz auf. Dort sind auch die Tickets für die Veranstaltungen zu haben. Online unter: www.friedensstadt-augsburg.de.

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