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13.09.2019

Der Eierweg verband einst die Dörfer

Wanderwegschild am Beginn des Eierweges im Gewann „Dornige Gemeind“ 1,2 Kilometer nördlich von Schweindorf.
Bild: Kurt Kroepelin

Straßennamen Diese Strecke zwischen Nördlingen und Schweindorf trägt aus gutem Grund einen besonderen Namen

Schweindorf Der Eierweg ist keine dörfliche Straße oder Gasse, sondern ein Waldweg im Raum Schweindorf, Ederheim und Utzmemmingen. Im flachen Ries ist der Eierweg eher fremd, im Südries ein bekannter Begriff. Der Eierweg stellte die kürzeste und zugleich bequemste fußläufige Verbindung zwischen Schweindorf und Nördlingen dar, auf dem die Bauern ihre Güter meist zu Fuß auf die Wochenmärkte in die ehemals freie Reichsstadt Nördlingen brachten.

Offensichtlich wurden von den Schweindorfer Bäuerinnen auch häufig Eier nach Nördlingen getragen. Der „Oirmarkt“ fand bis Mitte des 20. Jahrhunderts in der Saison am Mittwoch und Samstag am Marktplatz vor dem Tanzhaus statt, wo Eier aus großen Henkelkörben mit zwei Deckelklappen feilgeboten wurden. Weitere begehrte Handelsware waren Gänse, Enten, Hühner, Tauben und deren Jungtiere, die beim Rathaus am Gansbuck gehandelt wurden. Der Eierweg ist mittlerweile Geschichte, Gras und Wald sind über den Pfad gewachsen. Start- und Zielpunkt sind durch eine Ländergrenze getrennt. Nur ein Wanderweg und die Waldabteilung „Eierweg“ im Stiftungswald Nördlingen erinnern an die historische Verbindung der beiden Orte.

Schweindorf liegt auf 617 Metern etwa neun Kilometer Luftlinie von der Stadtmitte Nördlingens (432 Meter) entfernt. Erste Grundherren waren die Herren von Hürnheim, von denen ein Zweig auf die Burg Katzenstein zog. Weitere wichtige Grundherren waren die Grafen von Oettingen, die im 15. Jahrhundert Güter an die Hospitalstiftungen in Nördlingen verkauften, die an Höfen und Wald Interesse hatten. Das Nördlinger Spital übernahm 1507 das Dorfgericht und die Herrschaft in Schweindorf. Weitere Zukäufe erfolgten, sodass heute 613 Hektar Wald als Stiftungswald nach Nördlingen gehören. Mit Übernahme der Dorfherrschaft schrieb die Stadt Nördlingen den Schweindorfern alle Verordnungen vor und sprach Recht. Amtliche Angelegenheiten wurden von einem berittenen Amtsboten übermittelt. Dieser Büttel oder Überreiter benutzte den Reitweg, der in Teilen mit dem Eierweg identisch war. Wer in Schweindorf sich etwas zu Schulden kommen ließ, wurde in Nördlingen eingesperrt. Andererseits wurden unfolgsame Nördlinger nach Schweindorf geschickt. Im Dreißigjährigen Krieg litt Schweindorf unter Truppendurchzügen und der Schlacht 1634.

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Der alte Weg nach Nördlingen folgte zunächst der heutigen Ortsverbindungsstraße nach Norden zur B466 und schwenkte nach etwa zwei Kilometern nach Nordosten in den Wald ab. Hier wurde ein breites Trockental zum Abstieg vom Plateau des Härtsfeldes in das tiefer gelegene Hohlen- oder Höllental (570 Meter) genutzt. Die flache Aue des Tales bestand aus Wiesen, die vom späteren Eigentümer, den Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen, aufgeforstet wurden, schreibt Kurt Schmieg in „Die Geschichte von Schweindorf“. Der Eierweg führte über Hohlwege weiter zur Alten Bürg, von wo die Marktleute über verschiedene Wege nach Utzmemmingen und weiter dem Egertal folgend nach Nördlingen gelangten. Wollte man mit einem Gespann in die Stadt fahren, so nutzte man ab dem Höllental den Ries- oder „Närleweg“, der nach Osten zur heutigen B466 abzweigte. Die „Chaussee nach Ulm“ folgte ungefähr dem heutigen Straßenverlauf.

Mit Napoleon kam 1802 Nördlingen an Bayern und folglich auch Schweindorf. Der Status währte nur kurz, bereits 1810 wurde das Gebiet württembergisch. Der Wechsel der Landesfarben war auch im Alltag von Bedeutung, denn es galten andere Feiertage, ein anderes Gesangbuch wurde gebraucht und die Amtsgeschäfte waren im Oberamt Neresheim zu erledigen. Öffentliches Kartenspielen war nach den neuen Gesetzen verboten. Jahre zogen ins Land und die enge Beziehung zu Nördlingen geriet in Vergessenheit, wobei das evangelische Pfarrdorf Schweindorf immer noch eine Sonderrolle auf dem Härtsfeld einnimmt.

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