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Augsburg

08.10.2011

Der Hasenbräu-Kamin verschwindet nächste Woche

Der Kamin von „Hasenbräu“ in der Innenstadt ist gefährdet: Es gibt bereits eine Abbruchgenehmigung.
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Der Kamin von „Hasenbräu“ in der Innenstadt ist gefährdet: Es gibt bereits eine Abbruchgenehmigung.
Bild: Fotos: Adrian Bauer, Silvio Wyszengrad

Der Hasenbräu-Kamin in Augsburg wird abgerissen. Das Abrissunternehmen ist bereits im Einsatz. Der Heimatpfleger ist verärgert.

Erst waren es nur ein paar Steine an der Spitze des Hasenbräu-Kamins, die die Arbeiter abgeschlagen hatten. Von Sicherungsarbeiten und einer Überprüfung der Bausubstanz war damals die Rede. Doch daran glaubt inzwischen niemand mehr. Drei Wochen später ist unübersehbar: Der Schlot wird abgerissen. Täglich schrumpft er. Im unteren Teil klafft bereits ein riesiges Loch, durch das die Arbeiter die Steine, die sie oben abschlagen und hinunterwerfen, entfernen.

Der Eigentümer des Kamins, die Inselkammer-Gruppe, hält sich bedeckt. Eine offizielle Auskunft war auch nach mehreren Anfragen nicht zu erhalten. Gestern Abend schließlich bestätigte dann der Aufsichtsratsvorsitzende der Inselkammer-Tochter Hasen Immobilien AG, Eberhard Schaub, den Abriss. Offener zeigte sich eines der beauftragten Abrissunternehmen, die Firma Luff aus Dasing: „Mitte oder Ende nächster Woche ist der Kamin verschwunden“, so Chef Werner Luff.

Für viele Augsburger ist das eine riesige Enttäuschung – besonders für Stadtheimatpfleger Hubert Schulz. Der Architekt hatte sich lange für den Erhalt des Schlots starkgemacht. „Dieser Brauereikamin ist ein in die Stadt hinein wirkendes Wahrzeichen, das Identität schafft.“

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Der Kamin ist Teil des ehemaligen Ensembles der Hasenbräu nahe der Maximilianstraße. Das Unternehmen ist inzwischen auf das frühere Schlachthof-Gelände umgezogen. Das alte Areal wird neu bebaut. Bis auf die alte Mälzerei sind die Brauerei-Gebäude bereits abgerissen – und bald wohl auch der Kamin. Schulz beklagt, dass damit ein Zeugnis der Stadtgeschichte und städtebaulich markanter Punkt verschwindet. Eine Möglichkeit, dagegen anzugehen, sieht er nicht: „Das ist alles legal.“ Der Eigentümer hat seit Langem eine Abrisserlaubnis, die auch vom Denkmalschutz abgesegnet ist. Das bestätigt der Leiter des Bauordnungsamtes, Gerhard Schröttle. Der Eigentümer müsse die Behörden nicht einmal in Kenntnis setzen, wenn er von seinem Recht Gebrauch mache.

Bereits im Mai hatte der Generalbevollmächtigte der Inselkammer-Gruppe, Martin Leibhard, gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass der Erhalt des Kamins nicht mit den Plänen für die Bebauung des Geländes in Einklang zu bringen sei. Dennoch hatte Eberhard Schaub, der Aufsichtsratsvorsitzende der Hasen Immobilien AG, noch Mitte September dementiert, dass der Abriss beschlossene Sache sei. Auch eine Sanierung sei möglich, so die damalige Aussage. Experten hätten nun aber geraten, den Schlot abzureißen, weil die Bausubstanz feucht sei. „Der Kamin ist eine Zumutung und ein großes Risiko“, so Schaub. Nach dem Abriss soll das Gelände in der kommenden Woche an einen Investor verkauft werden.

Stadtheimatpfleger Schulz kritisiert das Vorgehen: „Ich habe den Eindruck, die wollten den Kamin still und heimlich abtragen.“ Auch wenn sein Einsatz in diesem Fall erfolglos war, umsonst war er nicht. Da ist sich Schulz sicher. „Der Prozess hat viele Menschen für die Kamine sensibilisiert.“ So manchen Eigentümer könnte das dazu bringen, seine Abrisspläne zu überdenken.

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