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Augsburg

16.04.2019

Dieses Problem lauert bei manchen Studentenjobs

Wer als studentische Hilfskraft befristet an einer Universität oder Hochschule in Bayern jobbt, kann arbeitsrechtlich in eine Falle tappen, wenn er später eine Vollzeitstelle beim Freistaat antreten will.

Viele Studierende arbeiten nebenbei, um Berufserfahrung zu sammeln und ihr Budget aufzubessern. Bei bestimmten Verträgen kann es aber später große Probleme geben.

Studentin Lara Huber (Name geändert) wollte alles richtig machen. Die Augsburgerin absolvierte ihr Masterstudium mit Bestnoten. Nebenbei jobbte sie als studentische Hilfskraft, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Lara Huber war überzeugt, dass sie alle Vorgaben erfüllte, um nach dem Studium eine gute Vollzeitstelle beim Freistaat zu finden. Dann kam der Schock: Auf ihre Bewerbungen erhielt sie nur Absagen. Was war passiert?

Lara Huber war als studentische Hilfskraft in der Unibibliothek mit sogenannten „sachgrundlos befristeten Verträgen“ beschäftigt. Das ist bei diesen Jobs an Universitäten so üblich. „Ich habe sechs Monate Bücher eingeräumt, auf 450 Euro-Basis“, erzählt die Augsburgerin. Sie hatte sich diese Nebentätigkeit im wissenschaftlichen Umfeld gezielt ausgesucht, obwohl sie beim Kellnern mehr Geld verdient hätte. „Man hat mir gesagt, dass sich das besser im Lebenslauf macht, wenn ich mich später für eine Vollzeitstelle in diesem Bereich bewerbe.“

Lara Huber war von dieser Nachricht geschockt

Rund zweieinhalb Jahre später war es soweit: Lara Huber bewarb sich nach Abschluss ihres Studiums auf eine befristete Vollzeitstelle an der Hochschule Augsburg. Trotz bester Qualifikation erhielt sie eine Absage. Genauso erging es ihr mit einer zweiten Bewerbung bei einer Bildungseinrichtung des Freistaates. Die Augsburgerin wollte den Grund der Absagen wissen und hakte nach. Sie erhielt folgende Auskunft: Man hätte sie sehr gerne genommen. Weil sie aber vorher schon mit befristeten Verträgen beim Freistaat gearbeitet habe, könne man sie aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht noch einmal sachgrundlos befristet einstellen.

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Lara Huber war von dieser Nachricht geschockt. „Ich wollte mich beruflich breit aufstellen und bin dabei in eine juristische Falle getappt, die mir nicht bewusst war.“ Die Augsburgerin stand nun auch vor einem großen Problem. Einrichtungen des Freistaates stellen Berufsanfänger mit Studium häufig nur mit befristeten Verträgen an. Arbeitsrechtlich gilt aber der Grundsatz: Wer bei einem Arbeitgeber schon einmal befristet beschäftigt war, kann dort nicht noch einmal sachgrundlos befristet eingestellt werden.

Bei Bewerbungen haben Betroffene schlechte Karten

Die Folgen der Vorschriften und der aktuellen Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts dazu sind fatal. Allein an der Hochschule Augsburg wurden in den vergangenen Monaten 35 Personen mit sachgrundlos befristeten Verträgen eingestellt, darunter studentische Kräfte, wissenschaftliche Mitarbeiter und wissenschaftsstützendes Personal. Nach Angaben der Personalabteilung werden aber rund 85 Prozent dieser Beschäftigungsverhältnisse auslaufen müssen, weil im Anschluss keine feste Planstelle zur Verfügung steht. Das bedeutet: Die Betroffenen verlieren ihren Job und ihr Einkommen.

Und damit nicht genug. Auch bei späteren Bewerbungen beim Freistaat haben Betroffene schlechte Karten. Wie die Leiterin für Personal und Recht, Vanessa Scherb-Böttcher, erläutert, müssen bei Bewerbungsverfahren für sachgrundlos befristete Stellen an der Hochschule regelmäßig gut qualifizierte Interessenten aussortiert werden – nur weil sie vorher schon einen befristeten Job beim Freistaat hatten. Die Quoten der Aussortierten liegen – je nach Stelle – zwischen 20 und 70 Prozent.

Auch für den Hochschulbetrieb entsteht durch die arbeitsrechtlichen Vorschriften eine schwierige Situation. Stark betroffen ist etwa die Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Dekan Joachim Voßiek erklärt, wie sich das auswirkt: Auf der einen Seite lebt der Studienbetrieb davon, dass sich Studenten als Tutoren, wissenschaftliche Hilfskräfte oder Hilfen in der Bibliothek einsetzen. Diese Jobs gibt es aber in der Regel nur über sachgrundlos befristete Verträge. Auf der anderen Seite kommt es nun häufig zu Problemen bei der Auswahl von jungen Kräften für Forschungsprojekte. Oft seien das nötige Geld vorhanden, um Leute einzustellen. „Die Kandidatenauswahl ist nun aber stark eingeschränkt“, sagt Professor Voßiek. Teilweise könnten die besten Bewerber aus der eigenen Fakultät aus rein formalen Gründen nicht eingestellt werden – eben, weil sie vorher schon einen Job als Tutor oder ähnliches hatten.

Was man beim Studentenwerk empfiehlt

Für Uni-Absolventin Lara Huber gab es mittlerweile ein gutes Ende. Sie hat sich bei der Jobsuche neu orientierte und eine feste Anstellung bei einer Einrichtung gefunden, die nicht dem Freistaat unterstellt ist. dort fühlt sie sich sehr wohl. Trotzdem spricht sie noch heute von einer „ernüchternden Erfahrung“, die sie zuvor machen musste.

Doch was ist die Konsequenz, sollten Studenten jetzt Hiwi-Jobs an Universität und Hochschule meiden? Michael Noghero, Pressesprecher des Studentenwerks Augsburg, sagt, „für Studierende ist es natürlich toll, wenn sie im Nebenjob schon in das zukünftige Berufsfeld hineinschnuppern können. Und gerade für diejenigen, die sich eine wissenschaftliche Karriere vorstellen können, ist ein Hiwi-Job an einem Lehrstuhl sinnvoll.“ Schließlich lerne man dort nicht nur den Wissenschaftsbetrieb kennen, sondern könne auch wertvolle Kontakte knüpfen.

Noghero empfiehlt aber auch: Auf jeden Fall sollte man sich vorab gut informieren, ob es durch einen Hiwi-Job Einschränkungen bei der späteren Stellenauswahl geben kann. „Es wäre sehr ärgerlich, wenn man für den Traumjob bei einem Institut des Freistaats nicht in Frage kommt, weil man während des Studiums mal an der Uni als Aushilfshausmeister gejobbt hat.“

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