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Augsburg

21.08.2018

"Drei Möhren"? Augsburg diskutiert über einen Namen

Das "Drei Mohren" trägt seinen Namen aus historischen Gründen. Amnesty International fordert nun eine Umbenennung.
Bild: Anne Wall (Archiv)

Die Jugendgruppe von Amnesty International will, dass sich ein Augsburger Traditionshotel umbenennt. Der Alternativvorschlag erscheint vielen Bürgern lächerlich.

Seit Tagen wird in Augsburg darüber diskutiert: Ist der Mohr, der im Hotelnamen des Steigenberger Drei Mohren steckt, nun eine rassistische Bezeichnung oder nicht? Den Stein zu dieser Diskussion brachte die Jugendgruppe von Amnesty International (AI) Augsburg ins Rollen. Sie startete eine Online-Petition. Darin fordert sie eine Umbenennung von „Drei Mohren“ auf „Drei Möhren“ – oder alternativ die simple Bezeichnung „Steigenberger“. Am Dienstagnachmittag hatte diese Petition 337 Unterstützer.

Eine Gegenbewegung, die Peter Englhard als Reaktion auf die Forderung der Amnesty-Jugendgruppe ins Netz stellte, zählt inzwischen 125 Unterstützer. Englhard möchte, dass der Name erhalten bleibt. Englhard sagt, er habe festgestellt, dass es immer mehr Initiativen gibt, die Traditionelles durch überkorrekte Sprache verdrängen. Er will mit seiner Petition die Haltung des Hotels stärken, das den Namen nicht ändern will.

"Auseinandersetzung mit Rassismus muss tiefer gehen"

Die rege Diskussion, die durch die Online-Petition von AI entstanden ist, freut die Mitglieder der Amnesty-Jungendgruppe Augsburg. „Ein Dialog stellt oft den Anfang einer Lösung dar“, betont Hyun-Ho Cha, Sprecher von Amnesty International Deutschland. Ziel der Petition sei es, auf Begriffe und Denkweisen hinzuweisen, die rassistisch wirken, selbst wenn sie nicht so gemeint sind. In Deutschland werde Rassismus zu häufig auf Meinungen und Handlungen beschränkt, die aktiv und aggressiv ausgrenzen und angreifen. Hyun-Ho Cha: „Tatsächlich muss eine echte Auseinandersetzung mit Rassismus tiefer gehen: Auch unbewusste Annahmen, Stereotype und ein einseitig großzügiger Umgang mit rassistischen Begriffen sind Teil des Problems.“ Damit sei auch der Mohr gemeint.

Mit der Namensgebung des Hotels, der Bezeichnung „Mohr“, dem Kolonialismus und Rassismus in Deutschland habe sich die Augsburger Amnesty-International-Jugendgruppe auseinandergesetzt, versichert Hyun-Ho Cha. „Der Prozess der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus schreitet nach Ansicht der Jugendgruppe zu langsam voran, was sich auch in Augsburg selbst beobachten lässt. Denkmuster aus der Kolonialzeit sind zum Teil noch immer tief im Alltag verwurzelt.“

Dass viele Augsburger die Forderung der Augsburger Amnesty-Jugendgruppe, das Hotel Drei Mohren umzubenennen, für vollkommen überzogen halten, damit haben die Initiatoren nach eigener Auskunft von Anfang an gerechnet. „Die kritischen Stimmen waren auf jeden Fall zu erwarten. Das Problem Rassismus wird von sehr vielen Menschen noch immer nicht ausreichend als tatsächliches Problem anerkannt und oftmals heruntergespielt“, sagt der Sprecher.

Das Hotel "Drei Mohren" will nichts am Namen ändern

Das Steigenberger Hotel „Drei Mohren“ hält wenig von der Idee einer Umbenennung und begründet dies mit der historischen Herleitung des Namens: Der Legende nach sollen um 1495 drei abessinische Mönche nach Augsburg gekommen sein. Aufgrund eines harten Winters konnten sie die Heimreise nicht antreten, Gastwirt Konrad Minner bot ihnen den Winter über ein Quartier an. Laut Jannah Baldus von der Steigenberger Hotels AG stehen die Mohren im Wappen des Hotels für Gastfreundschaft und Toleranz.

Drei Mohren, dieser Name ist für das Steigenberger Hotel in Augsburg seit langem Tradition. Doch nun fordert Amnesty International, man möge sich umbenennen.
Bild: Silvio Wyszengrad

 

Das „Drei Mohren“ ist übrigens nicht das einzige Haus in Augsburg, das einen aus AI-Sicht anstößigen Namen führt. Auch das Lokal „Mohrenkönig“ in der Sulzerstraße führt demnach eine inkorrekte Bezeichnung. Herunterspielen will Bernhard Riepl das Thema nicht. Doch von einer Namensänderung hält der Gastwirt des Lokals überhaupt nichts. „Das ist doch ein totaler Schmarrn und überzogen.“

Seiner Meinung schließen sich auch viele Augsburger an. „Man sollte aufhören, alles ändern zu wollen. Der Name ist altbewährt und sollte nicht negativ verstanden werden“, ergänzt eine Bürgerin, die ihren Namen in der Zeitung nicht lesen will. Die Idee der Augsburger Amnesty-Jugendgruppe stößt aber nicht nur auf Kritik „Mir ist das persönlich egal, aber wenn es Leute gibt, die sich dadurch verletzt fühlen, soll natürlich darüber diskutiert werden“, sagt eine andere Frau.

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25.08.2018

Um das Thema einmal aus einer anderen Richtung zu beleuchten, sei bemerkt, dass die Bezeichnung "Mohren" sich von "Mauren" ableitet; und es sich somit um eine Sprachentwicklung, und nicht um eine rassistisch-fundierte Bezeichnung handelt (ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "Neger", der sich aus dem lexikalen Begriff "Negroide" ableitet) - dieser absurde Trend zur "Sprach-Reinigung" gibt den rein sprachgebräuchlichen Begriffen erst den rassistischen Anstrich - nicht umgekehrt ... ähnlich verhält es sich übrigens auch mit der Feminisierung von Bezeichnungen und Namen ... alles totaler Blödsinn !

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24.08.2018

(edit/mod)

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24.08.2018

Diese Jugendlichen sollten mal ihren Hammer und die Sichel in die Hand nehmen und tatkräftig am Aufbau des Landes mitwirken, egal welche Temperaturen herrschen.
Für mich sind das geistige Tiefflieger, die in die Politik streben.

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23.08.2018

Wen die Position von Amnesty Augbsurg hierzu interessiert: Der Leserbrief zum Kommentar von Frau Prestle ist auf der Amnesty-Homepage zu finden: http://www.amnesty-augsburg.de/Main/20180822001
Und heute um 17:30 Uhr wird im BR-Fernsehen ein Beitrag zu sehen sein, in dem auch die Jugendgruppe selbst zu Wort kommt. Vielleicht regt das ja zum tieferen Nachdenken an als die vielen oberflächlichen Kommentare.

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23.08.2018

Man soll aus "eine Mücke keinen Elefanten" machen! Sowas hirnverbranntes überhaupt so groß in eine Zeitung herauszubringen ist schon fragwürdig. Was für Leute sind den da bei AI in Augsburg, die einer Jugendgruppe so einen Schwachsinn erlauben? Vielleicht sollten die sich mal mit der Historie dieses Namens beschäftigen, bevor sie solche Forderungen aufstellen. Kein normaler Mersch verbindet so etwas mit Rassismus oder ähnlichen. Kümmert euch lieber um die aktuellen Problem, da gibt's eh genügend.

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22.08.2018

Hat die AZ auch keine andere Sorgen als dieses Thema immer wieder aufzuwärmen?
Ich glaube ich werde die Verlängerung des Abo wieder zurückziehen!!!

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22.08.2018

Wahnsinn wie lächerlich das alles wird! Sollen wir jetzt auch aufhören „Grüß Gott“ zu sagen wie in Baden Württemberg empfohlen?

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22.08.2018

Herzlichen Glückwunsch erstmal dazu das man es mit einem solchen Thema schafft mehrere Artikel zu verfassen. Ich finde es sehr interessant das die Jugendgruppe einer Menschenrechtsorangisation hier dringenden Handlungsbedarf sieht. Auch im Bereich Menschenrechte muss man mittlerweile anscheinend Promo und Marketing betreiben um Mitglieder o.ä. zu werben. Man findet auch immer irgendjemandem der das dann auch noch medial unterstützt und es schafft das zu einem echten "Problem" aufzubauen.
Ihr jungen Menschen, welche sich diese äußert noble und selbstlose Geschichte haben einfallen lassen. Ich bin wahnsinnig froh das unser Bildungssystem solche mutigen Denker wie euch hervorgebracht hat. Kaum auszudenken was passiert wäre wenn Ihr vielleicht durch aktive Hilfe für Bedürftige oder anderer sozial Benachteiligter die Hände schmutzig gemacht hättet. Nein Ihr verändert die Welt dort wo es wichtig ist. An der Fassade eines Hotels. Ihr denkt Groß anstatt im Kleinen etwas zu bewegen. Ich persönlich habe im Namen dieser Herberge oder im Wappen in irgendeiner Weise rassitische Gedanken gehabt oder überhaupt darüber nachgedacht ob mit drei Mohren wirklich drei afrikanisch stämmige Menschen gemeint sind.(Ich hoffe das war jetzt politisch korrekt ausgedrückt).
Nur wer Menschen auf etwas bestimmtes reduziert kann hier die Verbindung herstellen und auf solche Gedanken kommen. Aber man soll junge Menschen ja unterstützen und fördern. Deswegen noch ein Tip: In Berlin gibt es ein Hotel Namems Sarotti- Höfe. Hier handelt es sich um eine ehemalige Schokoladenfabrik. Ratet mal was die in Ihrem Logo haben und das auch noch ganz frech auf die riesige Fassade gemalt haben. Zum Schluß möchte ich noch einen ernstgemeinten Satz loswerden. Hört auf euch irgendwelche Probleme zu suchen sondern, packt die, welche direkt vor euch sind, einfach an. Ihr werdet überrascht sein wie viel ihr verändern könnt auch ohne das es in der Zeitung steht.

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22.08.2018

Angesichts der Tatsache, in welcher epischen Breite die AZ dieses nervtötende "Thema" behandelt, werde ich künftig - zumindest für die Dauer des Sommerlochs - die AZ abbestellen.

Ich les mir doch nicht täglich durch, dass eine handvoll Unterbeschäftigter meine Heimat zu "fremdenfeindlich" finden.

Die Hälfte der Augsburger hat Migrationshintergrund und fühlt sich hier trotz althergebrachten Bezeichnungen ganz wohl.

Die Reste der Stadtmauer werden auch nicht abgetragen, weil sie fremde fernhalten sollte.
Ganz im Gegenteil, sie wird als charakteristisches Kennzeichen der Stadthistorie bewahrt und gepflegt.
Und dies bedarf gott sei Dank keiner so nervtötenden Berichterstattung.

An Stelle von ai würde ich diese Jugendorganisation zur Ordnung rufen, weil sie den Namen der Organisation ins Lächerliche zieht.

Nächstes Thema für ai: fremdenfeindliche Aspekte der Wendung "Gott sei Dank".

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22.08.2018

Die Gesichter der Drei Mohren strahlen Dankbarkeit aus und somit kann von Rassismus keine Rede sein. Die Jugendgruppe von Amnesty International sollte die Abtreibung Ungeborenen Lebens thematisieren, das ist hässlicher Rassismus.

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22.08.2018

Mal abgesehen von der völlig missratenen Alternative "Drei Möhren" für das alteingesessene Hotel Drei Mohren (im Grunde ist das an Diskriminierung nicht zu überbieten, man stelle sich vor, man müsste jemanden, der das Hotel Drei Mohren kennt, erklären, dass das jetzt zu den drei Möhren mutiert ist - drei Schwarze Sympathieträger werden zu Gemüse), kann ich die Bedenken nicht nachvollziehen.

Keine Firma, egal ob Hotel, Wirtschaft, Apotheke oder Schokoladenhersteller wählt sich als Emblem eine Figur, die ihm nichts selbst sympathisch ist und/oder mit der er sich Sympathien und Zuspruch erwerben will. Das in Rassismus umzudefinieren erfordert höchst abstruse Gedankengänge und hat auch mit der Kolonialzeit recht wenig zu tun.

Was hat man sich am Sarotti-Mohren gefreut. Ich habe die Schokolade in der Tat auch wegen eben dieses Sympathieträgers gekauft. Bitte wie könnte man sich durch diesen dadurch rassistisch gekränkt fühlen?

Etwas anderes liegt die Sache bei Mohrenköpfen, die verzehrt werden, obwohl sich andererseits ja keiner etwas dabei denkt Wienerle, Regensburger und Frankfurter zu verspeisen.

Alles in allem eine relativ sinnlose Diskussion im Sommerloch.

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22.08.2018

hat sich die Jugendgruppe auch mal Überlegt das der begriff ein Mohr zu sein auch eine Auszeichnung bedeutet hat für Absolute Spitzenköche aus einer besonderen Gegend Afrikas waren die dann auch auf Europa weitergeleitet wurde als sehr hohes Lob !!!

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21.08.2018

Wenn es zur Namensänderung kommen sollte, könnte man sich auch überlegen, das Lied:"Drei Chinesen mit dem Contrabass" abzuändern.

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21.08.2018

Meine Großeltern sagten einmal: "Wenn der Quatsch noch quätscher wird, dann fängt er an zu quietschen".

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21.08.2018

Was soll der Schwachsinn sich am Namen aufzugeilen...haben die nix anderes zu tun...???

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21.08.2018

Hat die Welt denn keine anderen Probleme ....???

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