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Augsburg

14.09.2019

Ein Pfarrer in der Firnhaberau im Aufbruch

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Pfarrer Anton Schmid hat sich nie als Solist verstanden. Drei Generationen von Familien hat er in der Firnhaberau begleitet. Er wollte stets für alle Menschen in der Gemeinde da sein: für Kinder und Jugendliche, Brautpaare, Kranke und Sterbende.
Bild: Annette Zoepf

48 Jahre lang war Anton Schmid der Seelsorger von St. Franziskus in der Firnhaberau. Sein Nachfolger ist Michael Kratschmer. Er betreut noch eine weitere Pfarrei.

Es war seine erste Stelle als Pfarrer: Am 1. Dezember 1970 wurde Anton Schmid Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Franziskus in der Firnhaberau. Es sollte seine einzige Stelle als Pfarrer bleiben. 48 Jahre hat er hier gewirkt, jetzt, mit 81 Jahren, geht er in den Ruhestand – wie auch sein Kollege Manfred Krumm, Pfarrer von Christkönig in der Hammerschmiede. Seit 1. September leitet Pfarrer Michael Kratschmer die neue Pfarreiengemeinschaft Christkönig und St. Franziskus.

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Pfarrer Anton Schmid erinnert sich noch an seinen nicht leichten Anfang als Pfarrer in St. Franziskus, als die Siedlung „noch um die Hälfte kleiner war als heute“. Durch die Kirche war ein frischer Wind geweht, das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Fenster geöffnet hin zu einer Kirche, in der der Altar und somit auch der Priester zum Volk hin ausgerichtet wurden, in der man in der Liturgie deutsch sprach. „Ich habe das damals in St. Franziskus eingeführt“, erzählt Pfarrer Schmid, „das war ein großer Aufbruch“. Wie sehr ihn die Neuerungen erfasst haben, wird auch darin deutlich, dass Anton Schmid schon seine Primiz in seiner Heimatstadt Mindelheim „dem Volk zugewandt“ gefeiert hat.

Pfarrer Schmid hat sich nie als Solist verstanden. Er wird nicht müde zu betonen, wie dankbar er sei, immer gute Mitarbeiter, auch in den Gremien und Verbänden, gehabt zu haben. „Ich konnte mit allen gut zusammenarbeiten, konnte ihnen Vertrauen schenken“, versichert er.

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Es regnete zum Turm von St. Franziskus herein

Auf das Fachwissen anderer konnte er sich auch verlassen, wenn es um die großen Bauprojekte in der Pfarrei ging, die ihn sein ganzes Pfarrerleben begleitet haben. „Die Pfarrei hat immer zusammengestanden“, meint er und zählt die Projekte auf: eine Kirchenrenovierung gleich in den ersten Jahren – es hatte zum Turm hereingeregnet –, die Erweiterung der Kirche, der Bau des Begegnungszentrums (BGZ), des Kindergartens und zuletzt die Sanierung des BGZ mit dem Einbau eines Hortes. Das zeigt auch die Entwicklung dieses Stadtteils. All dies war notwendig geworden, da viele Häuser gebaut wurden und neue Familien hierher zogen. Es brauchte Kindergartenplätze, aber auch Räume, um sich zu begegnen.

Drei Generationen von Familien hat Pfarrer Schmid begleitet. Ja, er spricht sogar davon, dass es ihm als Seelsorger wichtig gewesen sei, sich den Menschen „ganz hinzugeben“, da zu sein für die Kinder und Jugendlichen, für die Brautpaare, für die Kranken, die Sterbenden. Vorbild ist ihm die heilige Therese von Lisieux, die „Gott als einen liebenden, freundlichen Gott erfahren hat“. Dass jetzt die Hortkinder neben dem Pfarrhaus spielen, freut ihn sehr. Pfarrer Anton Schmid erfüllt noch eine ganz andere große Freude: Auch wenn er nun in den Ruhestand geht, darf er im Pfarrhaus von St. Franziskus weiterhin wohnen bleiben. Der neue Pfarrer wird ins Pfarrhaus von Christkönig einziehen, dort wird auch das Haupt-Pfarrbüro sein. „Bei Sonntagsgottesdiensten werde ich allerdings selten zu sehen sein“, kündigt Pfarrer Schmid an, „ich werde mich völlig zurücknehmen.“ Seiner bisherigen Pfarrei wünscht er, dass sie die neuen Impulse, die sein Nachfolger gewiss setzen wird, annimmt.

Anton Schmid traute 320 Paare

Eine beachtliche Bilanz seine Priesterlaufbahn teilt Rainer Hoffmann, Sprecher der Pfarrei St. Franziskus, mit. In seiner Zeit als Stadtpfarrer der Gemeinde St. Franziskus hat er fünf Päpste, vier Bischöfe von Augsburg, fünf Bundeskanzler, sechs bayerische Ministerpräsidenten und fünf Oberbürgermeister von Augsburg kommen und gehen sehen. In seiner aktiven Zeit wurden mehr als 600 Kinder getauft, etwa 320 Paare getraut und fast 1200 Gemeindemitglieder auf ihrem letzten Weg begleitet. Neben all dieser Tätigkeiten vor Ort war er auch noch Vorsitzender des Theresienwerkes und Präfekt der Marianischen Priesterkongregation.

Als ob diese seelsorglichen Leistungen nicht genug wären, habe er durch die zweimalige Erneuerung und die Erweiterung der Pfarrkirche, den Bau des Begegnungszentrums und der Kindertagesstätte mit Hort und Krippe auch maßgeblich zur Verbesserung der Infrastruktur der Siedlung in der Firnhaberau beigetragen. Sein Motto wurde am Eingang des Begegnungszentrums in Stein gemeißelt: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen (1. Petr. 2,5).“ Seine Nachfolge tritt nun Pfarrer Michael Kratschmer (aus Memmingen) an, der in der Gemeinde herzlich begrüßt wurde. Den ersten Gottesdienst in St. Franziskus zelebrierten beide gemeinsam.

Abschied von Pfarrer Anton Schmid wird am Sonntag, 15. September, mit einem Festgottesdienst um 9.30 Uhr in der Kirche St. Franziskus gefeiert.

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