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Musiktheater

06.12.2014

Ein Tenor vom anderen Ende der Welt

Von Australien zog der Tenor Christopher Busietta nach Deutschland, um an einem großen Haus ganz von der Musik zu leben.
Bild: Christopher Clinnick

Seit vier Jahren singt Christopher Busietta in Augsburg. Für den Australier ging damit der Traum von einer Karriere in Europa in Erfüllung. Ein Leben, das Härten mit sich bringt

Wenn Christopher Busietta für diese Opernproduktion angekleidet wird, ist er kaum noch zu erkennen. Aus dem 33-Jährigen wird eine korpulente, bösartige alte Hexe, mit Hakennase und Pelzbesatz an Bauch und Armen. Nur die Stimme des Sängers verrät noch, wer in „Hänsel und Gretel“ die Knusperhexe gibt. So leicht diese Rolle auch für das Publikum aussehe, für ihn, den Sänger, sei es eine schwere Partie. Und das nicht zuletzt deshalb, weil er die ganze Zeit auf der Bühne in Aktion und am Spielen sei. Den Dirigenten sehe er dabei nur bedingt. Umso schwieriger sei es für ihn, die eigenen Einsätze immer richtig zu finden, erzählt Busietta im Gespräch.

Vor vier Jahren kam der Tenor vom Staatstheater Wiesbaden ans Augsburger Theater. Erst waren es kleine Partien, in denen er zu sehen war, mittlerweile sind es große Rollen, in denen das Publikum ihn schon gesehen und gehört hat – etwa als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“, eine Rolle, die bei Busietta nachhaltig Eindruck hinterlassen hat – wegen ihrer Komplexität.

Nach dem Studium musste er auch in einem Büro arbeiten

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Richtig abenteuerlich klingt es, wenn Busietta erzählt, wie er – der studierte Opernsänger – aus Australien nach Europa kam. Am anderen Ende der Welt wuchs Busietta auf, genauer in Melbourne. Und dort sei es ihm nach dem Studium nicht möglich gewesen, allein von seiner musikalischen Berufung zu leben. In Kinderopern und kleineren Produktionen war er zu sehen. Für seinen Lebensunterhalt musste er zusätzlich in einem Büro arbeiten. Anders als in Deutschland gibt es in Australien viel weniger Opernhäuser als bei uns. Wie viele australische Sänger träumte er davon, nach Europa zu kommen, um dort ein Engagement zu bekommen und fortan nur noch von der Musik zu leben.

Ein deutsch-australischer Gesangswettbewerb brachte Busietta diesem Ziel nahe. Denn der erste Preis dieses Wettbewerbs, den er gewann, bestand aus einem Jahres-Stipendium am Staatstheater Wiesbaden. 2009 zog Busietta von Australien nach Deutschland. Das größere Haus und das größere Orchester verlangten ihm zu Beginn viel ab. Er musste besser werden, sagt er, dazu lernen.

Als das Stipendium auslief, machte er beim Vorsingen in Augsburg das Rennen. Europa, das war für Busietta nicht mehr der ferne Traum, es war Wirklichkeit geworden. Im Sommer 2010 heiratete er in Australien seine Lebensgefährtin, beide zogen nach Augsburg und leben seitdem zwischen Lech und Wertach. Sie arbeitet als Business Analyst für eine Firma in Bad Homburg, kann die Aufgaben aber zu Hause vom Schreibtisch erledigen.

Nun ging zwar Busiettas Traum von einem Leben für die und von der Musik in Erfüllung, allerdings liegt zwischen ihm und seiner Familie die halbe Welt. Mit dem Telefon, vor allem der Internet-Telefonie, wird der Kontakt in die Heimat aufrecht erhalten. Dazu hat Busietta ein umfangreiches Reisetagebuch für seine Familie geschrieben: Es umfasst mittlerweile mehr als 60000 Wörter – die Länge eines ausgewachsenen Romans.

In diesem gibt es auch Härten. Etwa als er spürte, wie schwer es sein kann, nicht eben mal nach Hause fahren zu können. Ihm ging das so, als 2012 seine Großmutter starb und und ein Jahr später während der Proben für „Hair“ eine Tante, zu der er eine enge Beziehung hatte. „Ich bin so weit weg von zu Hause“, sagt er. Und gleichzeitig macht er klar, dass es keinen Plan für eine baldige Rückkehr gebe. Er möchte die Musik leben, im Beruf und in seiner Freizeit, einfach die ganze Zeit. Und dafür wollen er und seine Frau in Europa bleiben.

Denn Busietta kann man nicht nur als Opernsänger erleben, er tritt gleichzeitig alle drei bis vier Monate als Sänger und Gitarrist der Folk-Rock-Band „Blue Macaw“ auf. Gemeinsam mit anderen Musikern des Theaters hat er die Band vor drei Jahren bald nach seiner Augsburger Ankunft gegründet. Sie spielen zum Großteil Musik, die Busietta komponiert hat, dazu auch ein paar Cover-Songs. Gerade entsteht das dritte Album.

Und wenn er in seiner Freizeit neben dem Theaterbetrieb gerade keine neuen Lieder komponiert, bereitet er sich auf seine nächsten Partien vor – im Augenblick Andres in Alban Bergs „Wozzeck“. „Wirklich eine schwere Rolle, eine schwierige Musik, die schwierig zu singen ist“, sagt Busietta und lacht.

Und Australien? Das sieht er immer in den Theaterferien. Allerdings reist er dann aus dem europäischen Sommer in den australischen Winter. „Schwimmen das geht dann nicht“, erzählt er. Das Meer sei ihm zu frisch. Ja, seine Heimat im Sommer einmal wieder zu sehen, würde ihm schon gut gefallen.

Als Knusperhexe in „Hänsel und Gretel“ ist Christopher Busietta das nächste Mal am Sonntag, um 15 Uhr im Großen Haus des Theaters zu sehen. Und mit seiner Band „Blue Macaw“ hat er am Dienstag, 9. Dezember, um 20 Uhr im Neruda Café in Augsburg (Alte Gasse 7) den nächsten Auftritt. Der Eintritt für dieses Konzert ist frei.

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