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Augsburg

24.05.2019

Erstes Erinnerungsband für homosexuelles Opfer enthüllt

Michael Rill-Pindel stiftete das neu angebrachte Erinnerungsband für Karl Mascher.
Bild: Elisa Glöckner

Karl Mascher wurde während der Nazi-Diktatur im KZ getötet. Vor seiner einstigen Wohnung wurde ein Erinnerungsband angebracht. Warum dieses Gedenken besonders ist.

Über ein Dutzend Erinnerungsbänder sind inzwischen in Augsburg angebracht, um den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Am Freitag kam ein weiteres hinzu. Mit diesem wird in der Stadt erstmals an eine Opfergruppe erinnert, die lange für die Anerkennung ihres Opferstatus kämpfen musste.

Es geht um homosexuelle Opfer in der Nazidiktatur. Wie Karl Mascher eines war. Der Augsburger hatte bis Juni 1937 in der Müllerstraße in der Nähe der Kahnfahrt gelebt. Eines Tages wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht – weil er homosexuell war. Mascher kam nie wieder frei. Er wurde später ins KZ Ravensbrück überstellt. 1942 wurde er im Rahmen einer SS-Tötungsaktion umgebracht. Die tragische Biographie des Augsburgers hat Michael Rill-Pindel recherchiert.

Erinnerungsband vor einstiger Wohnung des Augsburgers

Der 35-Jährige ist Mitarbeiter der Grünen-Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht. Er hat das Erinnerungsband, das nun vor dem einstigen Wohnsitz des Augsburgers angebracht wurde, gestiftet. Über ein Buch über homosexuelle Opfer im KZ Dachau war Rill-Pindel auf den Namen des Augsburgers Karl Mascher gestoßen.

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Rund vier Monate lang habe er immer wieder nach Maschers Schicksal geforscht. Nun wurde am Freitag in einem kleinen, feierlichen Rahmen das Erinnerungsband für das Opfer enthüllt.

„Bei meiner Recherche habe ich mich gefragt, ob damals jemand um Karl Mascher getrauert hat“, sagte der Stifter in seiner Ansprache. Diese Biografien seien von Menschen, die vergessen sind. Deshalb sehe er es als ernsten, aber auch freudigen Anlass, der Opfergruppe der Homosexuellen zu gedenken.

Neben einem Vertreter der KZ-Gedenkstätte Dachau, Kommunalpolitikern und Engagierten der Erinnerungswerkstatt war auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth vor Ort. Die Grünen-Politikerin unterstrich die Bedeutung der Erinnerungskultur im Rahmen des sogenannten „Augsburger Wegs“, der Stolpersteine und Erinnerungsbänder zulässt.

Dass diese Verbrechen von damals nie wieder passieren, setze laut Roth zwei Dinge voraus: Das Aufrechterhalten des Erinnerns an die Gräuel der NS-Diktatur sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft sowie das Vermitteln des Wissens darum. „Das ist wichtig, da die Kräfte, für die Juden, Zigeuner und Schwule wieder tägliche Schimpfwörter sind, mehr und lauter werden.“ Was sie derzeit immer wieder im Bundestag erlebe, sei ein Angriff auf Demokratie, Moral und Ethik, sagte sie mit Blick auf die AfD. Um diesen Kräften entgegen zu wirken, müsse man Gesicht zeigen und die Stimme erheben.

Ein nächstes Erinnerungsband für weitere drei Opfer wird am Montag, 3. Juni, um 18 Uhr in der Gesundbrunnenstraße 3 angebracht.

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