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Augsburg

03.12.2019

Experiment an der Hochschule: Studenten essen, was übrig bleibt

Der Andrang ist groß beim „Mittagsfinale“ in der Cafeteria der Hochschule. Täglich gibt es 15 Minuten Reste-Essen zum Sonderpreis, damit weniger Lebensmittel im Abfall landen.
Bild: Bernd Hohlen

An der Hochschule Augsburg läuft die Aktion „Mittagsfinale“ gegen Lebensmittelverschwendung. Studenten essen, was übrig bleibt. Eine Zwischenbilanz.

Es ist kurz vor 14 Uhr. Die meisten Studenten an der Hochschule haben gerade ihr Mittagessen verdrückt und eilen in die nächste Vorlesung. Die meisten, aber nicht alle. Gerade bildet sich eine neue und ziemlich lange Warteschlange in der Cafeteria am Campus Brunnenlech. Gleich ist Resteessen zum Billigtarif angesagt. Die neue Aktion heißt „Mittagsfinale“. Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern auch noch um etwas ganz anderes.

Das große „Mittagsfinale“ gibt es nur in der Cafete am Brunnenlech. Wochentags werden nach dem regulären Mittagessen 15 Minuten lang Reste verkauft, die übrig geblieben sind. Studentin Sabrina Kruse erklärt, wie es funktioniert: Gäste können sich an der Theke selber bedienen und so viel nehmen, wie sie wollen. Fürs Resteessen zahlen sie einheitlich 25 Cent pro 100 Gramm. Der Vorteil der Aktion liegt auf der Hand: Für nur einen Euro kann man sich einen großen Teller volladen und richtig satt essen. Ein Nachteil kann sein, dass man bei der Zusammenstellung der übrig gebliebenen Speisen flexibel sei sollte – und notfalls auch mal Schupfnudeln mit Tomatensoße ausprobiert.

Eine Studentin ist die Initiatorin

Sabrina Kruse ist die Initiatorin des neuen Angebots. Sie studiert Umwelt- und Verfahrenstechnik an der Hochschule und will mit einer Bachelorarbeit gegen Lebensmittelverschwendung ein Zeichen setzen. „Weltweit wird soviel weggeworfen, ich wollte selber etwas dagegen tun und Essen ein zweites Leben geben“, sagt die 23-Jährige. Beim Studentenwerk Augsburg, das für die Verpflegung an den Hochschulen zuständig ist, rannte sie mit ihrem Vorstoß offene Türen ein.

Experiment an der Hochschule: Studenten essen, was übrig bleibt

Der Leiter der Hochschulgastronomie, Werner Schrettenbrunner, sagt: „Wir hatten es schon im Kopf, so etwas zu machen. Man habe die Anfrage der Studentin zum Anlass genommen, um einen Testlauf in der Praxis zu starten. Die Cafete am Brunnenlech bietet sich dafür geradezu an. Sie sei ein „dauerhaftes Provisorium“ mit einer sehr kleinen Küche, sagt Schrettenbrunner. Deshalb wird dort nur ein kleiner Teil der Gerichte gekocht. Der Großteil der Speisen wird geliefert. Weil immer genügend bestellt werden muss, bleibt in der Regel Essen übrig. Das Problem: Am Ende des Tages müssen die Reste aus Hygienegründen weggeworfen werden.

Sie dokumentiert die Ergebnisse

Mit dem „Mittagsfinale“ will man nun testen, wie weit man die Lebensmittelabfälle in der Cafeteria herunterfahren kann. Sabrina Kruse sagt, es gebe schon Erfolge. In der ersten Testwoche fing es klein an. Bei der Aktion wurden 64 Portionen von dem Abfalleimer gerettet. Das entspricht einem Gewicht von gut 24 Kilo Lebensmittel. Fast 80 Kilo mussten trotzdem entsorgt werden. „In der zweiten Woche hat sich das Angebot rumgesprochen und es wird von Studenten gut angenommen“, sagt Sabrina Kruse. 148 Portionen gingen diesmal beim „Mittagsfinale“ weg. Damit konnte man fast 65 Kilo Essen retten, trotzdem landete noch viel im Abfall. Die Ergebnisse der Aktion seien schwankend, sagt Kruse, „insgesamt wird aber weniger weggeworfen“. Der Test im Rahmen ihrer Bachelorarbeit läuft vier Wochen und ist noch nicht zu Ende. Beim Studentenwerk hält man das „Mittagsfinale“ indessen für so erfolgreich, dass man die Aktion bis zum Ende des Semesters fortsetzen will. „Dann soll es eine endgültige Bewertung geben“, sagt Schrettenbrunner.

Wie Studenten den Test bewerten

Auch bei vielen Studenten an der Hochschule kommt das Angebot sehr gut an: Joshua Jünger sitzt vor einem Teller Gemüselasagne mit Tomatensoße und sagt, „beim Bafög falle ich grade raus und so kann ich Geld sparen“. Als Vegetarier könne er sich beim „Mittagsfinale“ die Komponenten außerdem selber zusammenstellen. Auch für Philipp Körber ist die Aktion eine gute Sache: „Das Essen ist billiger und wird nicht weggeworfen.“ Dominik Boric ist so hungrig, dass er sich gleich zwei Portionen geholt hat: einen Teller Gemüselasagne und und einen Teller Hähnchenpfanne mit Bio-Curcuma-Reis für insgesamt 1,77 Euro. Er lacht und sagt: „Diese Aktion finde ich gut.“ Immerhin: Von der Lasagne bleibt in der Cafete an diesem Tag so gut wie nichts mehr übrig.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wie man Lebensmittel wirksam rettet

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